Underoath sind mit They're only chasing safety berühmt geworden. Nahezu klischeehafter Screamo passte perfekt in den Trend und somit sind sie einem breiten Publikum bekannt geworden. ZUM GLÜCK muss man sagen, sonst hätte ich sie vllt nie entdeckt. Allen Mode-Emos zum trotz entwickelten sich Underoath beständig in eine Richtung: Post-Hardcore. Und das wurde mit dieser Platte in seiner reinsten Form erreicht. Brutales Drumming, Gitarrenfeedback, geschredderte Gitarren, in fast keinem Lied eine Sonstruktur, Screams, wie sie Chamberlain noch nie abgeliefert hat.
Man legt die Scheibe rein, drückt auf Play und stellt (oder setzt) sich vor die Anlage und schließt die Augen. Nachdem Aaron sein fulminantes Drumintro von "Breathing in a new mentality" (im übrigen eine sehr gute Beschreibung für das Album) beendet hat und die ersten 23 Sekunden vergangen sind, gibt es nur eins: Straight to your face! Live ist der Song noch hundertmal intensiver, einfach unbeschreiblich. Für Mode-Emos vermutlich schon viel zu hart^^.
Ein wirklich knallharter Sound, der richtig nach vorn geht. Die Songs sind wirklich technisch und musikalisch von ganz großer Klasse. Aaron hat seinen Gesang so gut wie eingestellt, ehrlich gesagt vermisse ich ihn auch nicht groß. Das interessante ist, dass diese Scheibe ohne mitunter nervige Doublebass-parts auskommt. Aaron liefert hier ganz großes Tennis an seinen Drums.
Natürlich hat "Lost in the sound of separation" auch seine ruhigen Stellen, wie schon auf den anderen beiden Alben. "Too bright to see, too loud to hear" sei hier angemerkt, hier singt Spencer sogar clean und das sehr gut.
Insgesamt ist das Album sehr dicht und atmosphärisch, die Songs harmonieren noch besser als auf "Define the great line" zusammen. Leider ist das ganze Feuerwerk dann auch nach 11 Songs vorbei und man bedenke, dass es nur 10 gewesen wären, wenn Spencer nicht das Gefühl gehabt hätte, es fehlte was auf dem Album und schnell noch einen Song geschrieben hat (Glaube "Desperate Times, Desperate Measures"). Man hätte sich vielleicht mehr Lieder gewünscht, aber im Endeffekt ist es perfekt so wie es ist. Live muss man sie gesehen haben, einfach krasse Bühnenperformance. Lange nicht eine Band gesehen, die ihr Publikum so mitnimmt.
Viele werden sicherlich wieder den christlichen Aspekt der Band bemängeln, der meiner Meinung nach auf dieser Scheibe am deutlichsten rauskommt, aber dass wird den Sechser Pack aus Florida herzlich wenig stören.
Man kann sagen, dass Underoath ihrer Philosophie (Kein Album soll so klingen, wie das Vorgängeralbum) treu geblieben sind. Der Schritt zwischen "Define the great line" und "Lost in the sound of separation" ist sicherlich nicht so groß wie der von "they're only chasing safety" und eben genannten "Define the great line" aber er ist doch vorhanden. Screamo Einflüsse sind so gut wie verschwunden.
Für Fans ein Pflichtkauf und Leuten die des Metalcores mehr oder wenig überdrüssig geworden sind auf jeden Fall zu empfehlen.