Von geheimnisvollen Mystery-Adventures a la 'Geheimakte' zu einem waschechten Helden-Abenteuer... Wir befinden uns im Jahr 1936. Die Nazis suchen okkulte Waffen um diese dann für ihre eigenen Zwecke zu nutzen. Unser Held in diesem Adventure: Fenton Paddock, ein smarter Engländer mit Humor und Geschick. Er wurde aus aufgrund eines Mißverständnisses aus der Armee entlassen und versucht nun sein Leben mit krummen Geschäften über Wasser zu halten - ohne Erfolg... Die Tong-Triade hat es auf ihn abgesehen und auch auf die verschollene Expedition in Tibet, von der seit Tagen spekuliert wird. Was Fenton nicht weiß: Der Leiter dieser Expedition ist Richard, sein bester Freund, der für ihn fast wie ein Bruder ist... Der Suche nach Richard steht also nichts mehr im Wege! Die Tong-Triade ist abgeschüttelt und Fenton's Jugendliebe Kim begleitet ihn auf die Reise - etwas unfreiwllig sei hier noch gesagt. Doch die beiden geraten in ein Abenteuer, welches sie fast um die ganze Welt führt...
Hat es Animation Arts geschafft ein solides Adventure auf den Markt zu bringen, welches uns an die Indiana Jones Filme erinnern soll, ohne dabei einen Abklatsch abzuliefern?
Grafik:
'Lost Horizon' glänzt - und das sind nicht nur die tollen Lichteffekte! Die handgezeichneten Hintergründe, die sensationellen Zwischensequenzen und die dynamischen Kamerafahrten sind technisch einfach hervorragend! Die Hersteller haben eine "dramatische Verbesserung" in der Mimik und Gestik der Charaktere versprochen, die bei den erfolgreichen Geheimakte-Spielen sehr kritisiert wurde. Ich kann sagen: Die Gestik wurde stark verbessert. Einige Bewegungen (überwiegend bei den Nebencharakteren) wirken nahezu echt! Auch die Bewegungen unseres Helden sind flüssig und wirken keineswegs hölzern. Leider bin ich von den Gesichtsanimationen ein wenig enttäuscht worden. Schön ist, dass die Charaktere die Augenwinkel hochziehen und ab und zu auch mal die Augen verdrehen, aber traurigerweise wurde (bis auf in den Zwischensequenzen) auf Lippensynchronisation verzichtet. Das finde ich weniger schön, da man die Charaktere oft auch ziemlich nah zu sehen bekommt. Doch dieses Manko stört das Gameplay überhaupt nicht. Besonders gut finde ich, dass die Zwischensequenzen nicht mehr unter 'Tearing' leiden, d.h. dass man beim Einspielen einer solchen Filmsequenz nicht mehr das Gefühl hat, dass der Spielfluss unterbrochen wird. Bei den Geheimakte-Spielen hat es meistens 2 Sekunden gedauert bis man sich an einer solchen Cutscene nicht mehr satt sehen konnte. :-) Das ganze kann man aber erst richtig beurteilen, wenn man den entsprechend leistungsfähigen Prozessor hat...
Kleine Bemerkung: Mir ist aufgefallen dass es zum Ende hin immer weniger Zwischensequenzen gibt. Das hat mich zunächst ein kleines bisschen enttäuscht, da aber auch die In-Game-Szenen z.T. sehr dynamisch inszeniert sind, wurde dieser "kleine schlechte Eindruck" so gut wie vollständig ausgemerzt. :-)
Gameplay:
Wie typisch bei Point&Click-Adventures wird das Spiel komplett mit der Maus gesteuert. Okay, wer hätte das jetzt bitte gedacht?! :-) Das aus der Geheimakte-Reihe bekannte "Snoop-Key" und die tolle Spielhilfe in Form eines Erzählers, dessen Stimme super gewählt wurde und mir ziemlich bekannt vorkommt, sorgen für 100%igen Komfort. Animation Arts sind die einzigen Adventure-Produzenten, die mich in der Point&Click-Steuerung immer wieder begeistern. Großes Lob!
Sound:
Wie auch schon in der Geheimakte-Serie sind die Snychronsprecher super ausgewählt worden. Die Sprecher glänzen regelrecht in ihrer Rolle, zumindestens hört man es heraus. Fenton's angenehme und gleichzeitig markante Stimme macht unseren Helden ziemlich symphatisch. Die zickige aber taffe Kim hat eine sehr hohe und für einige Leute anstrengende Stimme, doch mir persönlich gefällt dieser Charakter, da diese kleinen Sticheleien zwischen ihr und Fenton ziemlich amüsant sind. :-) Am überzeugendsten finde ich die Stimme von der 'Nazi-Chefin' Hanna von Hagenhild. Die Sprecherin dieses Charakters blüht in ihrer fiesen und skrupellosen Rolle richtig auf und verleiht dem ganzen Spiel einen ganz besonderen Hauch an Atmosphäre.
Der erstklassige Orchester-Soundtrack hat es geschafft mich zu begeistern - ich liebe ihn! Ob spannungsgeladen und actionreich oder geheimnisvoll und mystisch: Die verschiedenen Musikstücke sorgen für die optimale Abenteuer-Atmosphäre!
Charaktere:
Die Hauptdartseller sind einem von Anfang an symphatisch und liebenswert. Auch die Bösewichter, allen vorran Hanna von Hagenhild, sind glaubwürdig, leider bleiben sie etwas blass und man bekommt recht wenig von ihnen mit. Da hätte ich mir noch etwas mehr Tiefgang gewünscht. Besonders schade ist auch, dass man den "eigentlichen" Haupcharakter Richard nie richtig kennenlernt. Doch seine ebenfalls gut ausgewählte Stimme macht ihn nach seinem ersten gesprochenen Satz sofort symphatisch. :-)
Fazit:
'Lost Horizon' ist wieder einmal ein Spiel, welches Maßstäbe im Adventure-Genre setzt - da stimmt so gut wie alles! Die wunderbare Grafik, die spektakuläre und fesselnde Geschichte und die lebendigen Charaktere lassen viele Spiele in diesem Genre alt aussehen. Wer diesem Adventure eher kritisch gegenübersteht, der sollte unbedingt einen Blick wagen, denn spätestens nach dem kinoreifen Intro wird man viel Freude an diesem "Indiana-Jones-artigen" Adventure haben. :-)
Leider muss ich zugeben, dass ich an 'Geheimakte 2' insgesamt etwas mehr Freude gefunden habe. Wahrscheinlich liegt es aber daran, dass ich eher auf realistisch gestrickte Verschwörungs-Geschichten stehe, als auf Indy-Abenteuer mit epischer Hintergrundgeschichte. Das hat zwar auch was, wird aber meiner Meinung nach oft ziemlich überstrappaziert...
Zur Bonus-DVD kann ich nur sagen: HOCHINTERESSANT! Ich freue mich schon total auf Geheimakte 3! Meine Adventure-Hoffnung 2012...
Den Soundtrack zu Lost Horizon hab ich aber auch noch nicht entdeckt... Naja, vielleicht werd' ich noch fündig. ;)