das ist jetzt also die cd-version der bereits bekannten dvd. geboten wird das gesamte "lost highway"-album, live nachgestellt, plus "it's my life" und "who says you can't go home". "wanted dead or alive" ist sich offenbar nicht mehr ausgegangen.
was soll man dazu sagen? kritisiert man bon jovi, wird man erbittert gehasst (alles schon erlebt - nur kelly-family-fans schreiben wütendere leserbriefe). gibt man zu, bon jovi zu mögen, wird man ausgelacht, von der anderen seite.
ich entscheide mich jetzt einmal fürs auslachen. ich mochte bon jovi schon immer, seit "runaway" (damals galten sie allen ernstes als "heavy metal"), ich fand sie immer so bestechend sympathisch, ihren tralala-hardrock so charmant, dass widerstand zwecklos war. natürlich gabs da immer zweifel (diese frisuren! diese fransenjacken! dieses peinliche carwash-innensleeve von "slippery when wet"), aber was war das schon gegen das jede vernunft weghopsenden talkbox-gitarrenriff von "living on a prayer"? natürlich fiel einem auf, dass jon bon jovi besonders gern "die" auf "cry" und das wieder auf "lie" reimte, aber was machte das schon, wenn die dazugehörige musik die freundlichste party seit der erfindung des dosenbieres darstellte?
1989 in münchen, das war schon irgendwie hart, die völlig überblähte "new jersey"-tournee, jon auf irgendwelchen schwebenden laufstegen und richie erstmals im clinch mit dem alk und seinen entgleisenden hüften ... und trotzdem ging es sich irgendwie aus.
wirklich litt man dann bei "always", das ging irgendwie nicht, mittdreißiger, die ansatzlos vom hardrock ins teeniefach sprangen, das hatte etwas ... würdeloses. andereseits war es dann schon komisch, im wiener stadion oder am a1-ring fassungslose 12-jährige zu sehen, wenn "you give love a bad name" dröhnte, die geglaubt hatten, bon jovi sei 1.) keine band, sondern ein singender teddybär, und 2.) ein balladensänger.
auch "it's my life" war dann nicht leicht, weniger das lied, als die verwendung desselben, auf kirtagen und feuerwehrzeltfesten, als soundtrack zum besoffen am tisch tanzen und runterspeiben... andererseits: "these days" zb war schon eine ganz feine angelegenheit, und auch "bounce" hatte seine momente, "hand" dann wieder ...
genug.
ich finde, man macht "lost highway" den falschen vorwurf - der sound, der country-rock, das ist doch kein problem. wer sein leben lang in zu engen lederhosen den metaller spielen will, kriegt glaubwürdigkeits- und bandscheibenprobleme. die dürfen sich doch bitte weiterentwickeln - und ein fach finden, in dem sie in würde alt werden können! ein problem ist eher: die songs sind zwar gut, aber halt doch nicht ganz so gut wie, sagen wir, "wild in the streets" oder "wild is the wind" oder "in these arms" oder "hey god". aber sie sind immer noch sehr charmant, und sie sind keineswegs schlecht. man hat eher das gefühl, auf diesem album holt die band einmal tief luft.
ein studioalbum eins zu eins live neu einzuspielen, ist ein interessantes unterfangen (obwohl es natürlich seltsam riecht, nach abcashung). depeche mode haben das auch gemacht, und wie bei "songs of faith and devotion" ist auch bei "lost highway" die livefassung, meiner ansicht nach, interessanter, weil rauher und dringlicher. richie lässt die gitarre schön röhren, die songs kriegen mehr ps. zb: "we got it going on", das jetzt endgültig wie der halbstarke bruder von "living on a prayer" und "it's my life" daherstürmt.
fans werden sich sowieso alles kaufen, für lediglich an der band interessierte ist das live-album eine gute alternative zur studiofassung.
ich hätte ja nix dagegen gehabt, wenn bon jovi einmal nachschauten, wie die straße hinter "dry county" weitergeht. countryrock mit ein bisschen mehr tiefe und nachdruck. mal schauen.