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Träume sind es, die Regisseur David Lynch faszinieren. Keine freundlichen, glücklichen Träume: Seine Träume flüstern uns ein, dass das, was wir für real halten, nur etwas ist, das wir uns selbst vormachen, um nicht in ein totales Chaos zu fallen. Die Charaktere sind allenfalls fragmentarisch angelegt. Die Dinge, die passieren, geschehen nicht, weil es einen Sinn ergibt, sondern weil wir tief in unserem Innern wollen, dass sie geschehen. Und natürlich ist auch in Lynchs Träumen, wie in unserem wachen Leben, die Erfahrung, das zu bekommen, was wir wollen, nicht immer angenehm.
In den besten Sequenzen des Films hat man nicht die geringste Ahnung, was man eigentlich sieht. Die Leinwand ist ein gigantisches Rechteck aus Farben und Schatten -- aber was sie genau darstellt, könnte alles und nichts sein. Und dennoch, in diesen Momenten bekommt man gerade so viele Hinweise auf Orte, Charaktere und die Geschichte, dass diese schwer erfassbaren Bilder einen echten Horror erzeugen -- ein Gefühl, dass man vielleicht nicht sehen möchte, was passieren wird, aber trotzdem nicht wegsehen kann. Ein unterschwellig nagendes Gefühl, dass irgendetwas in unserer Psyche mächtig schief läuft.
Insgesamt gesehen ist Lost Highway nicht unbedingt Lynchs bester Film: zu viel überflüssiges Füllmaterial und eine Vielzahl schwacher Nebenrollen, die die ohnehin schon langsame Erzählweise an einigen Stellen fast zum Erliegen bringen. Nichtsdestotrotz gibt es in Lost Highway auch Momente, die wertvoller sind, als einige andere überaus erfolgreiche Filme in ihrer Ganzheit. --Bret Fetzer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Surreales Meisterwerk,
Rezension bezieht sich auf: Lost Highway (DVD)
Als ich vor vielen Jahren dieses Machwerk zum ersten Mal gesehen hatte, war meine erste Reaktion: "Wahnsinnsfilm, aber was habe ich da eigentlich gerade gesehen?". Ich denke, das Problem, das viele Zuschauer mit diesem Film haben, ist, daß er gängige Konventionen durchbricht. Insofern werden Liebhaber des Hollywoodheldenepos mit Happy End an diesem Film zweifelsohne keine Freude haben. Da ist zum einen die fehlende Stringenz der Handlung, die unmerkliche Vermischung von Realität und Illusion, die Absenz eines Helden. Zum anderen wird das Verwirrspiel untermalt von beklemmenden Bildern, einer surreal bedrückenden Stimmung, dem Gefühl des Ausgeliefertseins (nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Akteur). David Lynchs Stärke liegt darin, daß er polarisiert, und das durchaus absichtlich. Seine Filme kann man nur lieben oder hassen; es gibt kein dazwischen. Darüber hinaus bietet er in seinen Geschichten natürlich nicht immer leicht verdauliche Kost (von „The Straight Story" einmal abgesehen). Da werden in "Blue Velvet" Ohren abgeschnitten und Oedipuskomplexe aufgedeckt oder in "Mulholland Drive" Personen ausgetauscht und allgegenwärtige Albträume visualisiert. Nicht viel anders verhält es sich mit "Lost Highway", dem für mich persönlich besten Lynch-Streifen. Kurz zur Handlung: "Dick Laurant ist tot". Das sind bedeutungsschwangere Worte, die da (zweimal) durch Freds (Pullman) Sprechanlage geflüstert werden. Dazu kommen anonyme Videobotschaften vom Innenleben seines Hauses. Einige Zeit später wird der Saxophonist unter Mordverdacht an seiner Frau verhaftet und weggesperrt. In Haft verwandelt er sich auf einmal in den jungen Mechaniker Pete (Getty), der anscheinend durch einen unbekannten Vorfall sein Gedächtnis verloren hat. Dieser läßt sich nach seiner Entlassung auf eine gefährliche Affäre mit der Freundin (Arquette) des Pornoproduzenten Dick Laurant ein, die noch dazu Freds ehemaliger Ehefrau verblüffend ähnlich sieht. Soviel fragmentartig zur Story, die ebenso fragmentartig von Lynch umgesetzt wurde. An einer Interpretation versuche ich mich erst gar nicht. Interessant finde ich allerdings den Hinweis auf einer amerikanischen Internetseite, auf der vom Wunschdenken des impotenten Fred, als omnipotenter Sexmaniac dastehen zu wollen, gesprochen wird. Das Machwerk Lost Highway besticht daher nicht nur durch seine unergründliche Geschichte (ich habe den Film mehr als 10 mal gesehen und komme jedesmal zu einer anderen Schlußfolgerung), sondern vor allem durch seine grandiosen Bilder und Kameraperspektiven. Alltagsgegenstände wie eine simple Videokamera werden auf einmal zu Angstobjekten, ohne daß man den Grund dafür ausmachen könnte. Für mich absolut unschlagbar umgesetzt ist der mysteriöse schwarze Mann, der wie ein Deus ex machina die Geschicke des (der) Protagonisten zu lenken scheint. Die Begegnung zwischen Fred und dem geheimnisvollen Mann auf der Party gehört meiner Meinung nach zu den besten Szenen der Filmgeschichte. David Lynch hat mit Lost Highway ein Meisterwerk des Surrealismus oder Film Noir abgeliefert. Bill Pullman überzeugt fern seines Komödienfachs als kafkaeske Hauptfigur mit ernsthaften Problemen auf ganzer Linie. Unabhängig davon, ob der Film nun eine Aussage, geschweige denn Lösung hat oder einfach nur als Kunstwerk stehen bleibt, bietet er unendlich viel Gesprächsstoff und treibt das Verlangen an, sich alles nochmals anzusehen. Für eine DVD, mit der man genau das tun kann, ist also meiner Meinung nach das Geld nirgendwo besser angelegt. Minimale, aber unmerkliche Abzüge muß ich der DVD allerdings für die mangelhaften, da kaum vorhandenen Features bescheinigen, was allerdings für Lynch DVD Releases nichts neues ist. Wer diesen Silbling kauft, kauft also quasi nur den Film, das aber in bester Bild- und Tonqualität. Für mich ist dieser allerdings auf der Liste der ewigbesten Filme nach Memento die unangefochtene Nummer 2. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein weiterer großartiger Lynch-Film!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Lost Highway (DVD)
David Lynch kann man wohl nur lieben oder hassen. Ich liebe ihn und war auch von "Lost Highway", dem letzten Film, den ich von ihm noch nicht kannte, absolut begeistert.Was ich an Lynchs Filmen so mag, ist die Tatsache, dass es eigentlich gar keine Filme im klassischen Sinne sind. Lynch kommt aus der Malerei und da ihm das "stehende Bild" auf Papier nicht genügend Raum für seine künstlerischen Visionen gegeben hat, ist er zum Film gekommen. Er malt sozusagen Filme. Und so kann man sich vorstellen, dass das Betrachten von "Lost Highway" so wie ein Museumsbesuch ist: Man steht vor einem surrealen Gemälde, das an sich keine tiefe Intention oder Moral enthält, aber eine absolut prickelnde Stimmung erzeugt. Wie auf Bildern Dalis werden Dinge vermischt und zusammengebracht, die in der Realität niemals zusammenpassen. Die Leute zerbrechen sich den Kopf, wie sie dieses Filmgemälde nun interpretieren könnten oder müssten, dabei ist des Rätsels Lösung ganz einfach, dass es keine Lösung gibt. Die einzelnen "Puzzleteile" passen schlicht und einfach nicht zueinander, man kann sie drehen und wenden wie man will. Ich glaube, was den Leuten den Antrieb gibt, sich so das Hirn zu zermatern, um den tieferen Sinn in "Lost Highway" und Lynchs weiteren Werken zu entdecken, ist die Tatsache, dass David Lynch immer noch den Eindruck am Leben erhält, dass seine Filme lösbare Rätsel wären. Es treten Parallelen zwischen verschiedenen Ereignissen darin auf, bei denen man aufgrund seiner "Standard-Film"-Erfahrung meint, sie würden irgendwas bedeuten. Tun sie nicht! Allerdings möchte ich anmerken, dass es zweifelsohne einen riesigen Spaß macht, alleine oder in der Gruppe zu versuchen, Zusammenhänge zu finden und immer wieder zu scheitern - ich persönlich genieße das auch immer wieder. Lynchs Filmmalereien sind etwas komplett Neuartiges - so etwas hat es noch nicht gegeben. Und deswegen stellt sich auch bei "Lost Highway" die Frage, ob man sich auf ihn einlassen WILL. Ist man bereit, seine üblichen Vorstellung der Nutzung des Mediums Film über Bord zu werfen und etwas Innovatives zu sehen? Man kann niemanden dafür verurteilen, der das nicht möchte, es geht schließlich auch nicht jeder gerne ins Museum. Aber auch die Fans von Lynch sollten nicht einfach, wie es leider viel zu oft geschieht, als "Pseudo-Intellektuelle" abgetan werden, die sich nur wichtig machen wollen. "Lost Highway" ist eines der gelungensten Filmbilder eines ganz virtuosen Malers. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Abgründe der Seele,
Rezension bezieht sich auf: Lost Highway (DVD)
Es geht um die Fragen, wer bin ich, wer ist die Frau die ich glaube zu lieben und was für eine Beziehung habe ich zu ihr. Diese drei Fragen, so alltäglich und harmlos sie auf den ersten Blick scheinen, führen den Zuschauer in einen unaufhaltsamen und faszinierend verstörenden Albtraum, der in einer Endlosschleife gefangen ist. Es gibt kein Erwachen daraus. Im Gegenteil, je mehr Fred über sich selbst und seine Frau Renee glaubt herausfzufinden, um so abgründiger und verworrender werden Personen und Geschichte.Es ist eine scheinbar normale Beziehung, in der sich jedoch beide fremd sind. Fred weiss nicht mehr wer er selbst und seine Frau eigentlich ist. Als er versucht sich darüber klar zu werden und seine Frau verdächtigt ihn zu betrügen, geschehen plötzlich mysteriöse Dinge um sie herum, die Fred in einen Strudel von Ereignissen ziehen, gegen die er absolut machtlos zu sein scheint und die in ihrer Tragweite unüberschaubar werden. Auf einer Party begegnet er plötzlich dem "Mystik Man", der Freds eigene Manifestation des Wahnsinns ist. Langsam wird Fred klar, dass er die Kontrolle über sein Leben verliert und es der "Mystik Man" ist, der die Fäden in der Hand hat. Am Ende dieser psychotischen Achterbahnfahrt bringt Fred seine Frau um. In seiner Verzweiflung betritt Fred nun eine Parallelwelt - eine Realität in einer anderen Wahrscheinlichkeit und versucht die Geschichte von sich als Pete und seiner Frau als Alice neu zu ergründen. Die Beziehung und der Handlungsrahmen verwandeln sich plötzlich in einen erotischen Thriller. Auch dieses Szenario wird zu einem skurilen, bedrängenden Albtraum, der jede Minute gefährlicher wird. Auch hier gibt es kein Entkommen. Alice ist nun die verlockende Femme Fatale, doch bleibt für Pete unerreichbar, auch wenn er alles für sie tut, sogar einen Mord. Beide Szenarios vermischen sich nun miteinander und suchen verzweifelt nach einem Ausweg. Doch nichts wird aufgeklärt und nichts wird gelöst. Es bleibt eine psychotische Reise in die Abgründe der Seele, gefangen in der eigenen Interpretation, aus der es kein Entrinnen gibt. Der "Mystik Man" gewinnt die Oberhand, während Fred sich selbst hoffnungslos in beiden Realitäten verrennt. Fred wird schließlich zum Tode verurteilt. Der Film ist unter anderem eine Hommage an "Blood Simple" der Coen Brüder, die in ihrem Thriller eine Vorlage geschaffen haben, in dem die Geschichte von 4 Personen erzählt wird, die in einem Netz aus Eifersucht und Wahnsinns gefangen sind und sich gegeneinander ausspielen. Das wiederkehrende Bild des Wagens der nachts auf einem Highway fährt und im Scheinwerferlicht die gelben Mittelstreifen zu sehen sind, stammt aus diesem Film der Coen Brüder, der Menschen im selben konfusen Zustand zeigt, die verzweifelt versuchen wieder Herr der Lage zu werden. Ein Film für Leute die fremde Dinge mögen, nicht alles verstehen müssen und sich auch Zeit zum Nachdenken lassen. Aber das macht die Filme von David Lynch ja gerade aus, dass sie sich einem nicht sofort erschliessen, sondern erst später und auf einer anderen Ebene, als man vermutet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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