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Blickt man in Rantalas markantes rundes Gesicht, begegnet man zumeist diesem unverschämt breiten, schrägen Grinsen. Und dann ist da noch dieser verschmitzte Schalk in den Augen. Irgendetwas darin erinnert ein wenig an einen Troll, diesem Fabelwesen, das es faustdick hinter den Ohren hat. Oder doch eher in den Fingerspitzen ...
Ein Stück weit von diesem offensichtlichen Naturell findet sich stets in seinem Pianospiel wieder - das Heitere, Humorvolle, drollig Trollige im Ernsthaften, Nachdenklichen, Elegischen, Romantischen, in jedem Fall tief empfunden Innigen. Kühle, farblose Metallglätte, purer Minimalismus, nein, diese Eigenschaften analog zum Coverbild mit einer Joel-Shapiro-Skulptur lassen sich dem finnischen Tastenvirtuosen nicht wirklich zurechnen. Es ist in dem Fall wohl weit mehr der vergleichbare Ausdruck von dynamischer, manch unerwartet wendiger Beweglichkeit, die der zitierten Skulptur inne wohnt. Wer Rantalas überwiegend energiesprühenden, respektlos phantasievollen, vor keinem Musikgenre halt machenden und doch auch überaus einfühlsamen Werke, insbesondere die famosen Eigenkreationen bereits kennt, die er mit seinem langjährigen, jazzklassisch instrumentalisierten, jedoch eher weniger derart verwendeten Trio Töykeät bisher dargeboten hat, der weiß, wovon ich spreche (töykeät s.v.w. "unfreundlich, barsch", nach rd. 20-jährigem Bestehen in 2008 aufgelöst). Dass er sich das alles - ich möchte dreist behaupten, widerspruchslos - leisten kann, verdankt er seiner ausgefeilten, bei allem oftmals blitzschnell gespielten hot Stuff wunderbar leicht wirkenden, exzellenten Spieltechnik und einer gehörigen Portion Stilempfinden und brillianter Eleganz.
Auch auf diesem in seiner langen Karriere erstaunlicherweise ersten Soloalbum ist von purem, coolem Jazz im engsten Sinne eher weniger zu spüren. Seine jetzigen Soli widmet Rantala z. T. in Widerspiegelung von Charakteristika einigen - zumeist viel zu früh verstorbenen - meisterhaften Könnern ihres Fachs, zu deren Person bzw. Musik er eine mehr oder weniger besondere persönliche Beziehung hat, in der Trackfolge:
Pekka Pohjola (1952-2008),
Bill Evans (1929-1980)
Jaco Pastorius (1951-1987),
Esbjörn Svensson (1964-2008),
Erroll Garner (1921-1977),
dem Ehepaar Jean (1865-1957) und Aino (1871-1969) Sibelius,
Art Tatum (1909-1956),
Michel Petrucciani (1962-1999),
Oscar Peterson (1925-2007)
Luciano Pavarotti (1935-2007).
Wer im Einzelnen mehr zu den Auswahlhintergründen erfahren möchte, dem seien die beim Label veröffentlichten Anmerkungen Rantalas (nur in Englisch) sowie die Produktinfo empfohlen (... ggf. dürfte es auch mal ein echtes Download-Booklet sein?).
Von den insgesamt zehn Titeln sind Track 7 und 9 Coverversionen bekannter Jazzstücke von Charlie Parker bzw. Toots Thielemans. Mit Track 10 bringt er einen Hauch Klassik von Pietro Mascagni ein.
Von den übrigen Eigenkompositionen bestand z. B. Track 1 bereits zuvor in anderer, nicht minder schöner Form: Auf youtube gibt es davon einen Liveclip mit Rantalas ehemaligem New Trio (Piano, Gitarre, Human Beatbox; einziges Album:
Elmo von 2008, erwähnter Titel dort nicht enthalten).
Track 8 ist die Fortsetzung Rantalas musikalischer Verbeugung vor dem von ihm vorbildhaft sehr verehrten Petrucciani, enthalten auf dem in 2000 erschienen Trio-Album
Kudos. Zu Kudos ist übrigens anzumerken, dass es sich konzeptionell ebenfalls um eine personelle Hommage handelt, wobei sich die Namen der Bezugspersonen z. T. versteckt in den Titeln wiederfinden und sich das Trio damals sogar den schrägen Gag erlaubte, sich dabei selbst zu be(ge)denken. Von daher kann ich die nun für das Soloalbum vom Label extra betonte Erst- und Einmaligkeit einer Hommage Rantalas nicht recht nachvollziehen, wenngleich die beiden Alben charakterlich grundlegend verschieden gestaltet sind. Auf Kudos ist fast alles sehr witzig, abgedreht humoresk und sprühend.
Unterm Strich präsentiert Rantala nun jedoch ein wunderbar melodisch fließendes, mit leichter Melancholie überzogenes Album, das für ein breites Publikum bei einigen heiteren Anstrichen viel Ernsthaftigkeit, Tiefgang und Feingefühl bietet. Und wenn er es mit dem bearbeiteten Intermezzo aus Cavalleria Rusticana sanft wie traumverloren schließt, wünschte ich mir, dass es nach diesem "Zwischenspiel" noch ein bisschen weiter ginge ...
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Hinweis:
Gegenwärtig arbeitet Rantala auch mit Pekka Kuusisto zusammen, als Duo veröffentlichten sie 2009 die CD "Subterraneo".
Kuusisto (Jg. 1976, jüngerer Bruder von Jaakko Kuusisto) ist einer der bedeutendsten finnischen "jungen Wilden". Als ausgezeichneter klassischer Violinist hat er bereits ein Vielzahl verschiedener sinfonischer Werke u. a. von Vivaldi, Prokofjew, Paganini, Bach und selbstverständlich dem finnischen Nationalkomponisten Sibelius aufgenommen. Zudem spielt er Jazz, Folk, elektronische Musik, liebt Improvisation und hat z. B. mit Nightwish (Metal) zusammengearbeitet.
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