Es ist die Angst eines jeden Golfers: Der perfekte Schlag, der Ball fliegt im hohen Bogen und landet, als hätte er es sich im Flug anders überlegt, nicht wie erhofft in der Nähe des Loches, sondern im Dickicht der angrenzenden Botanik. - Der Bildband "Lost Balls - Wenn Golfer ihre Bälle suchen" von Fotograf Charles Lindsay eröffnet Einblicke in den immer währenden Kampf zwischen Golfer und Natur. Mal landet der kleine Ball im Nest eines Rotschwanzbussards, mal wird er von einem diebischen Waschbären zum Unglück des Golfers zernagt.
Ein Vorwort von Schriftsteller John Updike beschreibt sprachgewandt das Grauen des Golfers, der nun in nur fünf winzigen Minuten den Ball ausfindig machen muss. Mit viel Witz wird die Wut des Golfspielers über den verpatzen Schlag sowie die Erleichterung, dass der Golfball endlich gefunden wurde, dargestellt. John Updike gelingt es so, den Leser auf den Bildband einzustimmen, in dem nicht nur seltene Fundorte der Golfbälle enthüllt werden, sondern der Golfsport auch als Erholung vorgestellt wird.
Der Fotoband "Lost Balls - Wenn Golfer ihre Bälle suchen" ist zweigeteilt und wurde von Jörg Savelsberg aus dem Amerikanischen übersetzt. In der ersten Hälfte werden kuriose Fundorte von Golfbällen auf den Britischen Inseln portraitiert. Zum Beispiel in einem riesigem Kuhfladen auf der Insel Barra in Schottland. Ein anderes Mal sieht man ein Wolfsrudel ausgelassen über einen Golfplatz tollen. Oft lassen sich auch Momentaufnahmen von zum Beispiel spielenden Golfern, die sich vor einem verirrten Golfball ducken, finden. Ein weiteres Bild zeigt, wie zwölf Mann im hohen Schilf nach dem kleinen, weißen Übeltäter suchen, der gerade elegant hinter diesen zwei Grasbüscheln verschwunden ist. Oder etwa nicht?
Eine kurze Anekdote von Golflegende Greg Norman lockert Bildband "Lost Balls - Wenn Golfer ihre Bälle suchen" gelungen auf und verdeutlicht, dass selbst der ehrgeizigste Golfer manchmal besser einen Ball verloren bleiben lässt. Es schließt sich danach das Kapitel "Neue Welt" an, in welchem der Betrachter poetische Fotografien von noch in Morgenreif getauchten Golfplätzen, Unterwasseraufnahmen vom Golfballangeln sowie Schnappschüsse von Golfern, die aus Wut und Verzweiflung über ihr Spielpech ihren Schläger zerbrechen, zu sehen bekommt.
Charles Lindsays hervorragende Aufnahmen laden beim Durchblättern des Buches zum Schmunzeln ein. Die oft doppelseitigen, qualitativ hochwertigen Farbfotographien werden immer wieder von Zitaten über den Golfsport gelungen ergänzt.
"Lost Balls - Wenn Golfer ihre Bälle suchen" ist ein Bildband der etwas anderen Art. Die oft ungewöhnlichen Fotografien bringen den Betrachter immer wieder zum Lachen. Charles Lindsay schafft einen originellen Bildband, der selbst Laien die interessanten Seiten des Golfsports näher bringt. Eine Kuriosität, die auf gar keinem Fall im Regal eines passionierten Golfsspielers fehlen darf.