Die beiden Österreicher Stefan Poiss und Markus Hadwiger, die bis zu "Mind in a Box" eher durch die gelungene Musik und Technik des Open-Source Computerspiels "Parsec" bekannt geworden sind, haben mit ihrem Debut einen echten Hammer hingelegt. Beim erstmaligen Hören fällt der nahezu konsequent gepitchte Gesang auf, der manchmal an "And One"s "Heart of Stone", teils etwas an "Daft Punk" oder sogar "Gigi d'Agostino" erinnern mag und der nicht gleich glatt ins Ohr geht. Doch passt er hundertprozentig in die Atmosphäre, die sich spätestens nach dem dritten Hören immer mehr offenbart, denn der Gesang stammt konzeptionell keinem Menschen, sondern eben einem "Mind in a Box". Auf der Webseite der Band wird die Story des Albums treffend beschrieben: Die zunehmende Einsamkeit der Menschen in der heutigen "Ich"-bezogenen Gesellschaft. Musikalisch versucht man stets vergeblich, Vergleiche zu bekannten Bands zu finden: Dance or Die?, Mesh?, Code ("The Architect")?, VNV Nation? Sven Väth ("The Harlequin...")? Oder eben Daft Punk? Keine der Vergleiche trifft das Album, man kann es höchstens als eine gelungene Symbiose aus allen bezeichnen, die den Hörer auf eine musikalische Reise entführt. Auch aus diesem Grund klingt das Album zunächst ungewohnt, hat die Band doch tatsächlich einen eigenen Stil gefunden. Und selbst die paar technoartigen Melodien, die sich hier und da finden lassen, erinnern weniger an Mainstream, sondern passen in das Album wie die Faust aufs Auge. Ein grandioses Werk, das man sich am Besten mit Kopfhörer zu fortgeschrittener Stunde als Ganzes anhören sollte.