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5.0 von 5 Sternen
Eine klare Sprache, 12. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Lose (Taschenbuch)
Denn es ist nicht alltäglich, heute Literatur zu finden, in der der Autor klare Worte findet. Eine klare Sprache ist es, die dieses Buch auszeichnet, eine sehr fein und sorgfältig gearbeitete Sprache, die ich als die augenscheinlichste Typik dieser Kurzgeschichten sehe.
"Lose" enthält Kurzgeschichten, und der Autor Klaus Ebner, der unter anderem Germanist ist, weiß sehr wohl, wovon er redet und wie Kurzgeschichten gebaut sind. Die Textlängen sind sehr unterschiedlich, von kurzen Zweiminutentexten geht es zu Geschichten, die im Buch über fünfzehn Seiten laufen.
Ich kaufte das Buch bei einer Lesung des Autors. In Buchhandlungen liegt es normalerweise nicht auf, was mit dem Verlag zu tun hat. Während der Lesung waren in erster Linie kurze Texte zu hören.
Mich brachte "Der Pflücker" zum Nachdenken: Eindrucksvolle Bilder entstehen hier im Kopf, Bilder, die nicht so rasch verschwinden. Wie schon auf der Rückseite verraten wird, geht es in diesem Text um Kinder, um eine ganz ungewöhnliche Geschichte darüber, wo Kinder herkommen. Aber dieser Grundgedanke, der mir im vorliegenden Text fast mythisch scheint, wird im "Pflücker" zu einer ganz ungewöhnlichen und packenden Geschichte.
Für eine sprachliche Perle halte ich "Reflektor", wenngleich der Titel etwas spröde klingt. Es geht hier um Mittelmäßigkeit, in der Selbstreflexion eines Icherzählers. Diese Kurzgeschichte ist eingebettet in den Abschnitt "selbstlos", der gewiss auf autobiografische Züge deutet. Allerdings darf man sich den Text keinesfalls als richtige Autobiografie oder ähnliches vorstellen; dies scheint auf einer tieferen Ebene abzulaufen. Bei der Lesung wurde dieser Text nicht vorgetragen, was ich schade finde.
Alle Texte in einer Rezension zu besprechen, halte ich für unmöglich. Genauso wenig könnte man sie aber über einen Kamm scheren. Wenngleich jede Geschichte doch die Handschrift dieses Autors trägt, unterscheidet sie sich von der nachfolgenden. Die Themen sind vielfältig, und ebenso ist es der strukturelle Aufbau. Man gewinnt den Eindruck, jede der Kurzgeschichten verlangt ihre eigene Ausdrucksweise. Wenn es das ist, was Klaus Ebner wollte, dann ist es ihm perfekt gelungen. Und so, wie ich ihn bei der Lesung kennen lernte, dürfte dieser Autor nichts dem Zufall überlassen.
Für viele Texte braucht man Zeit. Zumindest mir ging es so. Das bedeutet aber nicht, dass sie in irgendeiner schwerfällig wären, nein. Jeder der Texte lässt sich auf einer sehr oberflächlichen Ebene lesen. Man merkt aber an vielen Stellen, dass das nicht alles ist. Und so dringt man tiefer. Manche der Geschichten habe ich zwei- oder dreimal gelesen, und bei jeder Lektüre offenbart sich Neues, entdeckt man Details oder auch Bedeutungen, die beim ersten Lesen gar nicht aufgefallen waren.
Das Buch "Lose" erhält von mir fünf Sterne, und jeder davon ist ehrlich verdient.
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5.0 von 5 Sternen
Bei Lesung kennen gelernt, 3. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Lose (Taschenbuch)
Habe den Autor bei einer Lesung in Wien kennen gelernt. Das Buch hatte er ganz brandneu mit. Hat dann Erzählungen daraus gelesen und zwei Reiseessays. Muss sagen, war total begeistert, vor allem "Der Besuch" ist witzig. Und wahrscheinlich deshalb für die Lesung besonders geeignet.
Hab mir das Buch dann nachher gleich bei ihm gekauft. Muss sagen, da gibt es ja noch ganz tolle Perlen darin. Mein Spitzenreiter: Widerspruch. Wunderschöne Geschichte über den Vater. D.h. eigentlich über Gespräche mit ihm. Gleichzeitig sehr gefühlvoll und traurig.
Der Pflücker finde ich fast gruselig, und Der Trinker so richtig zum Träumen. Schade, dass es nicht schon mehr Bücher von Ebner gibt.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gut beobachtet, Geschichten, die hinter den Alltag schauen, 2. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Lose (Taschenbuch)
Eine gewiss nicht "lose" Zusammenfügung von Geschichten, das deuten schon die Kapitelüberschriften; Uferlos, Haltlos, Atemlos an.
Die "Rüge" ist herrlich kafkaesk. Wie die Hauptfigur am Ende der Geschichte in der Körpermitte - nach der Arte des Wurmes - zusammenknickt und aus dem Zimmer raupt, das ist für mich ein erzählerischer Diamant.
Der "Trinker" beginnt wie man es von dem Titel erwarten würde, taucht dann in eine fantastische Welt ein und läßt beim Leser den Wunsch keimen es ihm gleichzutun.
Im "Stiegenhaus" spielt die Auseinandersetzung, ja ein bisschen Angst des Protagonisten mit eben diesem wieder. Gut beobachtet!
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