Ich bin bekennender LazyTown/Latibær Fan aber ich halte die deutsche Synchronisation für spektakulär mißlungen. Ich gebe offen zu, daß es fast unmöglich ist, gerade die Lieder angemessen zu übersetzen, da die Originale die Eigentümlichkeiten ihrer Sprache(n) mit vielen verschiebbaren kurzen Wörtern in hohem Maße ausreizen. Das rechtfertigt meiner Ansicht nach aber nicht die 'pseudo-coolen' inhaltlichen Eingriffe, die mir weniger von sprachlicher Notwendigkeit denn von gewissen Ansichten über das Zielpublikum zu zeugen scheinen.
Der Text ist das eine aber die Sprecher/Sänger-Auswahl macht es aus meiner Sicht nur noch schlimmer. In leider typisch deutscher Weise (gerade in Zusammenhang mit Filmen für Kinder) wird hier praktisch keine Rücksicht genommen, ob die Stimme tatsächlich aus dem Mund des jeweiligen Charakters kommen könnte. Stephanies Synchronstimme als solche ist zwar gut, gehört aber klar zu einem sehr viel älteren Mädchen. Gleiches gilt in etwas geringerem Rahmen für Trixie. Ziggy hat zwar tatsächlich eine altersgemäße Kinderstimme, die aber dem ultra-extrovertierten Charakter nicht gerecht wird. Im Kontrast dazu ist Stingy/Meini hervorragend besetzt und kann problemlos mit dem Original gleichziehen.
Das größte Ärgernis aus meiner Sicht ist aber Robbie Rotten/Freddie Faulig. Hier kann man im Vergleich sehen, das auch Chargieren eine Kunst ist. Stefán Karl Stefánsson, der die Rolle im Original spielt und singt (Englisch wie Isländisch) ist ein Stimmvirtuose, der die Songs extrem nuanciert interpretiert und subtil Stimme wie Stimmung verändert. Der deutschen Stimme fehlt sowohl die Stimmgewalt als auch der Wille (oder die Fähigkeit?) zur Nuance. Das Ergebnis ist eine Cartoon-Bösewicht ohne jeden Tiefgang.
Sowohl die englische (streng genommen gibt es zwei, da für Großbritannien die Texte leicht 'britisiert' wurden) wie die isländische Fassung nehmen jeweils ihr Publikum ernst, die deutsche schwankt zwischen der Injektion einer Extraladung Pädagogik und dem fehlgeleiteten Versuch, besonders 'cool' zu sein (was dann eher den Eindruck des Infantilen fördert). Zumindest die Kinder, die ich kenne, kriegen das sehr wohl mit (spätestens dann, wenn sie mal das Original zu hören bekommen, selbst wenn es mit den Sprachkenntnissen noch hapert).
Fazit: Finger weg von den deutschen Ausgaben. Wenn ihr Kind auch nur ein bißchen Englisch gelernt hat (womit man nicht früh genug anfangen kann), sollte es sich am Original versuchen.