Als Loriot vom gezeichneten zum bewegten Bild wechselte und 1967 erstmals seine eigene Sendung "Cartoon" präsentierte, schlug er neue Wege ein. "Ich fand, dass die Zeichentrickfilme der damaligen Zeit eine ungeheuere Geschwindigkeit hatten", so das Multitalent, das sich als Schauspieler, Regisseur, Autor und Opern-Präsentator einen Namen gemacht hat. Als der Begriff "Entschleunigung" noch nicht bekannt war, setzte Loriot auf einen subtilen Humor, den man eher aus den angelsächsischen Ländern gewohnt war. "Die wirkliche Komik kann nur aus einer ernsten Quelle kommen: aus der Wirklichkeit", so der stets geistreich wie brillant formulierende Grandseigneur.
Fast wehmütig blickt man auf 40 Jahre Produktivität zurück, die so treffend den deutschen Alltag zwischen Sozialdemokratie, Steuererklärung und Schrebergarten beschreibt. Kein Krawall-Komödiantentum, keine schnelle Nummer, keine Flachwitze. "Wir haben nur vier Sendungen pro Jahr produziert, wir nahmen uns Zeit", so Loriot. "Heute müssen die armen Kerle 25 Sendungen machen. Da kann man Genauigkeit nicht verlangen." Von seinen jungen Kollegen findet er zwei jedoch richtig gut: "Olli Dittrich und Piet Klocke. Die kommen aus der Sprache, aus dem Ernst. Das hält länger vor."
Die tagesaktuellen Themen - ob sie nun ernst oder banal sein mögen - haben sich seit der Abschaffung der D-Mark und der Einführung des Privatfernsehens sicher geändert. Die Typen jedoch, die jeder Karikatur eine Steilvorlage liefern, bleiben gleich, laufen auch heute noch frei herum. Zum Beispiel jener Archetyp des Blasen werfenden Politikers in Gestalt von Dr. Walter Klöbitz, der in einer absurden Bundestagsrede die "Nudelkrise" heraufbeschwört. Oder der des völlig überforderten Rentners Erwin Lindemann, der mit seinem Lottogewinn eine Herrenboutique in Wuppertal eröffnen will, beim Fernsehinterview jedoch alles durcheinander bringt. Oder der gemeingefährliche Wissenschaftler, der einem angeblichen Frauenüberschuss entschieden entgegen tritt, indem er die weibliche Bevölkerung kurzerhand in Kaninchen umwandelt. In seiner Begründung nennt Professor Mutzenberger, so der Name der Figur, harte Fakten: "Es ist eine bekannte Tatsache, dass über 70 Prozent aller Ehemänner lieber mit einem Kaninchen zusammenleben würden - nicht wahr?" Antwort des Reporters (kleinlaut): "Natürlich."
Harte Fakten sprechen auch für den zu erwartenden Erfolg der DVD-Edition. 760 Minuten Spielzeit, vom "Jodeldiplom" bis zum "Bettenkauf", vom Feuerwehreinsatz mit der überragenden "H.S. zwo"-Spritze bis zu Wums Banjo-Hit "Ich wünsch mir 'ne kleine Mietzekatze" - alles drin. Man könnte noch viel mehr aufzählen. Manchmal reichen jedoch zwei Worte, um sein Erstaunen kund zu tun: "Ach was?!", würde Loriot sagen.