Oftmals wird an uns Deutschen im Ausland (unter anderem)bemängelt, wir hätten keinen oder wenn, dann einen sehr eigenartigen Humor. So auch ein Freund von mir, der Mitte der 80er Jahre aus Schottland nach Berlin kam, um hier zu studieren. Wir lernten uns an einer Sprachschule kennen, an der er unterrichtete (ähnlich dem Sketch "Jodeldiplom), freundeten uns an und entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Nur beim Thema Humor schien es, als lebten wir in unterschiedlichen Welten. Denn während ich ein großer Fan von Monty Python war und den britschen Humor sehr schätzte, kannte Jim den humorigen Deutschen nur als betrunken-gröhlenden Karnevalsnarren oder den Humor a la Heinz Schenk. Bis ich ihm "Loriot's 60.Geburtstag" zum ersten Mal vorspielte. Er war begeistert, wie feinsinnig dieser begandete Künstler in seinen Sketchen das so typisch "Deutsche" herausmodelierte, absurde Charakterzüge in alltäglichen Situationen bloßstellte und dabei nie die Grenzen des guten Geschmacks überschritt.
Nie hat ein deutscher Humorist besser unsere (Un-)Tugenden erkannt (das allein haben sicher viele schon vorher) UND diese uns dann derart liebevoll als Spiegel vorgehalten. Nicht Bitterkeit, Sarkasmus oder Absurdität sind seine Hilfsmittel, vielmehr ist es die peinlich genaue Beobachtung des deutschen Wesens in alltäglichen Situationen, hier und da leicht überzeichnet und bestenfalls mit leiser Ironie ein wenig herausgestellt, die ihm unentliche Anregungen für seine Hoppenstedts, Hallmackenreuthers, Vic Dorn, Victor Schmoller etc. lieferte. Hinzu kommt, dass Loriot selbst, perfekt in Maske und Gestik, sein eigener, nicht zu übertreffender Hauptdarsteller war und von einem hervorragenden Team (allen voran Evelyn Hamann, Edgar Hoppe und Heinz Meier) brilliant unterstützt wurde.
Selbst meine Kinder (14 und 12 Jahre alt) lachen heute (mehr als 25 Jahre später) über Loriots Cartoons und unvergessene und unerreichte Sketche. Die Filme hatten es im direkten Vergleich zu den stets den Punkt treffenden Sketchen ungleich schwerer, auf Spielfilmlänge gerade diese Pointierungen zu bringen und trotzdem den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Ich finde, trotz einiger wohl unvermeidlicher Längen ist dies auch hier in überzeugender Weise gelungen. Doch die eigentliche Paradedisziplin Loriots sind nun einmal seine Sketche. Und wenn man mal in geselliger Runde beisammen sitzt und "Schmeckt's ?" gefragt wird, dann beginnt stets zur Belustigung aller ein witziges Ping-Pong aus Loriot-Zitaten.
Diese CD-Box bietet im Hinblick auf das TV- und Filmschaffen Loriots fast alles, was das Herz des Loriot-Fans begehrt. Und wenn Sie mich zu dieser nun fragen :"Schmeckt's ?", dann sage ich anstatt :"Sie haben mir ins Essen gequatscht" mit einer tiefen Verbeugung vor dem großen Genie des unvergleichlichen Loriot : "Danke, ausgezeichnet!"