Viele Komiker, Kabarettisten und Humoristen erliegen irgendwann der Versuchung, einen Film zu drehen. Fast alle haben damit Probleme, weil sie ihre kurze Sketchform nicht in einen langen Spielfilm transportieren können. Und so bleiben die meisten dieser Elaborate eine Aneinandereihung von Sketchen und Anekdoten, durch eine meist dünne Handlung mehr schlecht als recht zusammengehalten - Beispiele gibt es dafür genug.
Nun ist Loriot natürlich ein Ausnahmekünstler im heiteren Fach, und so tut es gut zu sehen, dass er diese Aufgabe besser gelöst hat. Auch "Ödipussi" lebt zwar von Anekdoten, die teilweise etwas herbeikonstruiert wirken, rutscht aber nie in die Abspulung von Gags ab. Die Handlung ist denkbar einfach: ein bereits ergrautes Muttersöhnchen entdeckt bereits im fortgeschrittenen Alter das andere Geschlecht - in Form einer ebenfalls willigen, aber völlig verkorksten Psychologin. Beide stehen unter dem Einfluss der dominanten Mütter, die am Ende quasi als Showdown auch noch gegeneinander anstänkern dürfen.
Die Figuren mögen ein bisschen stereotyp sein, die Klischees ein wenig heftig: es sind - wie könnte es bei Loriot anders sein - der Wortwitz und die Situationskomik, die "Ödipussi" so sehenswert machen. Hier lacht man über den ganz normalen Wahnsinn des Elternhauses, der Liebe und über die Tücken des Alltäglichen, für deren Entlarvung Loriot so eine perfekte Hand hat.
Herrlich anzusehen z.B. die Diskussion beim Scrabble, ob man denn nun "Schwanzhund" legen darf, oder wie sich die verklemmte Angebetete auf einem Betriebsfest der Verpackungsindustrie mit dem Tophit "Meine Schwester heisst Polyester" freitanzen will. Und mal ehrlich: wenn Sie bei einer Diskussion in einem Bekleidungsgeschäft ein Kunde mit der Frage unterbrechen würde: "Haben Sie kurzärmelige Hausjacken mit Zopfmuster?", würden Sie auch verzweifeln...