Zum Inhalt des Filmes wurde hier bereits alles ausführlich gesagt: Der in die USA eingewanderte Ukrainer Juri Orlov erkennt die Zeichen in seinem Umfeld und nutzt seine familiären Verbindungen vor und nach dem kalten Krieg, um sich im lukrativen Waffenhandel eine goldene Nase zu verdienen...
Als ich den Film zum ersten Mal sah war ich von seiner direkten und kaltschnäuzigen Handlung zunächst angewidert: Menschen wie Yuri Orlov nutzen die politischen Einflüsse der Großmächte, um im Schatten derer Waffengeschäfte sich ein im Grunde eher bescheidenes Stück von Kuchen abzuschneiden.
Nichtsdestotrotz ist dies mit großen finanziellen Gewinnen verbunden, die ihm ein Leben in Wohlstand bescheren. Obwohl mir die politischen Zusammenhänge schon länger bekannt sind (gerne auch in der Dokumentation "Fahrenheit 9/11" von Michael Moore nach zu sehen) war ich dennoch erschrocken wie geballt diese Zusammenhänge in "Lord of War" präsentiert werden. Dabei wird dies schon im Titel deutlich, während ein Kriegsherr ("Warlord") direkt im Geschehen des Krieges steht kommt der hier gezeigte "Lord of war" (Herr über den Krieg) nie wirklich mit dem Krieg in Kontakt. Kriegsunterstützend, ohne selbst dran teil zu haben. Eine Rolle, die besonders die USA seit Jahrzehnten international an den Tag legen, um ihre Interessen auf den Weltmärkten zu schützen.
Beeindruckend war ferner die Konsequenz, mit der die Hauptfigur wohl wissend auf den Abgrund zusteuert. Dabei verliert Orlov neben seinem Bruder auch jeglichen Bezug zur Realität und zu den Auswirkungen seines Handelns. Eine Szene hatte mir lange Schwierigkeiten bereitet: Als Yuri Orlov im einzigen lichten Moment des Filmes sich seiner Frau mit seinen aufkommenden Schuldgefühlen öffnen möchte, gibt diese ihm zu verstehen, dass sie sehr wohl wisse, woher der Reichtum käme, es sie aber nicht wirklich interessiere, solange man den gewohnten Lebensstandard behalte. Erst verwirrt, erkannte ich später, dass dies für mich die Schlüsselszene des Film ist: Die letzte moralische Hürde wird selbstständig aus dem Weg geräumt, keine Barriere stört den Fortlauf der Geschichte bis zum unausweichlichen Ende. Ab dieser Situation gewinnen alle Eindrücke des Filmes mehr und mehr an Grauen. Denn als Zuseher wird einem nun klar, dass es nicht zu einem typischen Happyend kommen kann, dazu ist der Hintergrund einfach zu real und endgültig.
Die Besetzung mit Nicolas Cage verleiht der ganze Geschichte noch eine weitere, böse Komponente: Sarkasmus. Die Art und der Inhalt der Monologe, mit denen der Aufstieg Orlovs in Erzählform begleitet wird, lässt den ganzen Film tiefschwarz erscheinen. Cage kann dies mit seiner ihm eigenen Art noch unterstützen, was einen das Ende schon fast ängstlich erwarten lässt.
Mein Fazit: Wer diesen Film noch nicht gesehen hat und sich über die wahren Hintergründe der "US-Friedenspolitik" ein Bild machen möchte, sollte sich auf was gefasst machen! Von mir volle fünf Sterne!