Der junge Valentine erwacht an einem unbekannten Ort und stellt fest, dass er komplett vergessen hat wer er ist oder einmal war. Ziellos irrt er umher, bis er auf eine exzentrische Gauklertruppe trifft, der er sich anschließt und von der in die Kunst des Jonglierens eingewiesen wird. Doch tief in seinem Innern plagen ihn immer noch Zweifel was seine wahre Identität anbetrifft und um diese herauszufinden, wird ihn seine Reise an die geheimnisvollsten und prächtigsten Orte der Welt Majipoor führen, an denen Wunder und Gefahren gleichermaßen auf ihn warten.
"Lord Valentines Castle" der erste Band der "Majipoor Cycle" ist technisch gesehen kein besonders spannendes Buch. Eine durchgehende Handlung vermisst man zu Gänze, stattdessen handelt es sich bei dem ganzen Buch eher um eine Sammlung von mal längeren, mal kürzeren Episoden in denen mal mehr, mal weniger Aufregendes geschieht und eigentlich nur dazu da sind, um den wahren Star des Buches einen gewissen Rahmen zu geben, in dem er vorgestellt wird.
Wer das ist?
Nun, der Planet Majipoor selbst, der sich als ein vielfältiges und sehr exotisches Flecken Erde entpuppt und dazu einlädt erkundet werden. Seien es nun seine gewaltigen Städte, in denen sich die verschiedenen Bewohner des Planeten auf engsten Raum zusammendrängen oder gar kleine Details wie die örtliche Küche, der Autor Robert Silverberg versteht es vor den Augen des Lesers eine interessante und vor allem greifbare Kulisse zu erstellen, die den Leser in den Bann zieht und nach immer mehr Infos über diese wundersame Welt verlangen lässt. Dies ist Majipoors größte Stärke und leider auch seine einzige, sieht man vom eingängigen Stil Silverbergs ab, denn wie gesagt eine spannende Handlung fehlt und auch die Figuren tragen wenig dazu bei, dass man sie ins Herz schließt, zu einseitig oder uninteressant (im Falle von Valentine kommt noch "unerträglich edel und rein" dazu) sind sie insgesamt und werden sie auch dargestellt. Doch auch am Ende dienen sie nur dazu, dem Leser ein paar vertraute Gesichter zu geben, mit denen er gemeinsam Majipoor erkunden kann, weswegen man dies nun verzeihen mag wenn einen der Planet genug in den Bann zieht.
Am Ende sollte man "Lord Valentines Castle" mehr als fantastischen Reiseführer in Verkleidung eines Romans begreifen und wenn man sich damit anfreunden kann, wird man ein "gutes" Lesererlebnis haben, welches vier Sterne wert ist und vielleicht sogar zum erneuten durchlesen einlädt, wenn einen die Reise durch Majipoor sehr zusagte.