Ich kann die Annahme, die begeisterten Filmfans hätten das Buch nicht gelesen, nur belächeln. Vielleicht sind wir, die sowohl vom Film wie auch von dem Buch begeistert sind, einfach in der Lage, die Dinge voneinander zu trennen.
Tolkiens Werk hat mich begeistert in seiner Fülle und Vielfalt an Fantasie, so daß ich es immer wieder zur Hand nehme. Unter anderen auch, um mich manchmal daran zu erinnern, wie die Dinge im Buch aussehen und wie sie im Film umgesetzt wurden. Und nichtsdestotrotz, daß Buch und Film sich in einigen Punkten maßgeblich unterscheiden, bin ich von beidem restlos begeistert! Tolkien füllt das Reich unserer Phantasie mit faszinierenden Geschichten, Peter Jackson verwöhnt uns mit prachtvollen Bildern.
Allen Kritikern an dem Film sei gesagt: Peter Jackson, selbst ein großer Tolkien-Fan, hat nie einen Hehl daraus gemacht, daß die Verfilmung der "Herr-der-Ringe"-Trilogie SEINE EIGENE Version, seine Interpretation des Buches ist und er sich nicht sklavisch an die Vorlage gehalten hat. Also war jedem selbst überlassen, ob er sich unter diesen Gesichtspunkten die Filme anschaut, oder nicht!
Ich finde die Idee, Arwen und Legolas Persönlichkeiten im Film stärker herauszuarbeiten und der Geschichte um Aragorn und Arwen, die eigentlich nur in den Anhängen des Buches Erwähnung findet, im Film stärker herauszuarbeiten, absolut gelungen. Gerade sie gibt im Film dem wesentlich düsteren zweiten Teil den bittersüßen Touch, der die Geschichte um Aragorn und Eowyn trägt.
Die Persönlichkeiten des Buches sind im Film hervorragend und überzeugend besetzt und ich hatte absolut keinen Zweifel, meine "Helden" des Buches im Film wiederzufinden, wenn auch hier und da auf andere Art und Weise.
Ich denke, wenn man Film und Buch als zwar voneinander abhängiges, aber jeweils eigenständiges Werk sieht, sich nicht ständig damit beschäftigt, die Filme mit dem Buch zu vergleichen und Abweichungen zu suchen, dann kann man beides absolut genießen!
Ich habe sowohl "Die Gefährten" wie auch "Die zwei Türme" mehr als 20 mal gesehen und bin es immer noch nicht leid. Beide Teile sind absolut gelungen, faszinierend von der ersten Minute an und jedes einzelne Bild überzeugt. Innerhalb weniger Minuten vergißt man die Welt um sich herum und leidet mit Merry und Pippin unter den furchtbaren Uruk Hai; kämpft sich mit Frodo, Sam und Gollum durch die Emyn Muil und sieht mit Entsetzen die furchtbaren Ringgeister auf ihren geflügelten Ungetümen; steht man in der Goldenen Halle in Edoras und verfolgt, wie Gandalf den König von Saruman's Einfluß befreit und kämpft an der Seite von Aragorn, Legolas und Gimli in Helm's Klamm in einer Schlacht, wie die Leinwand sie noch nicht gesehen hat!!
Und zählt fieberhaft die Tage bis zum Erscheinen des dritten und leider letzten Teils ...
Meine ehrliche Meinung? "Die zwei Türme" ist mindestens so faszinierend wie "Die Gefährten", nur der "Grundton" hat sich verändert. Wird die Geschichte im ersten Teil noch maßgeblich von einer lineraren Geschichte um den Ring und den gemeinsamen Marsch der Gefährten getragen, so teilt sich nun der Film - wie auch das Buch - in mehrere Geschichten um Sam, Frodo und Gollum, Merry und Pippin, und Gimli, Leoglas und Aragorn. Aber der Wechsel vom Schicksal der einen zu dem der anderen ist flüssig und harmonisch, so daß man nie den Faden und die Geschichte um die anderen aus dem Blick verliert. Neben den überzeugenden Darstellern des ersten Teils kommen neue großartige Charaktere dazu, vor allem mit Mirinda Otto als kühle Eowyn und Karl Urban als Eomer, und die verwendeten technischen Effekts und künstlich erzeugten Wesen sind phanstastisch, angefangen mit Gollum bis hin zu den Warg-Reitern.
Peter Jackson hätte das Zeug dazu, auch noch "Der kleine Hobbit" und das "Simarillon" auf Leinwand zu bannen, ich würde gerne die Bilder seiner verfilmten Version dieser beiden phantastischen Bücher sehen. Nur wird er das vermutlich leider nie tun ...