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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zeitloses Meisterwerk eines großartigen Erzählers, 8. September 2008
Joseph Conrad. Den meisten wird der Name heutzutage nur in Verbindung mit seinem bekanntesten Roman "Herz der Finsternis" und dessen Vietnam-Verfilmung "Apokalypse Now" von Francis Ford Coppola ein Begriff sein. Sein wohl bestes Werk veröffentlichte der gebürtige Pole allerdings bereits zwei Jahre früher.
"Lord Jim" handelt vom jungen Bootsmann Jim, dessen Lebensgeschichte aus der Sicht von Kapitän Marlow, das alter ego des Autors Conrad, rückblickend erzählt wird. In den Gewässern des Fernen Ostens der Jahrhundertwende trifft Jim in schwerer Bedrängnis eine folgenschwere Fehlentscheidung die sein Leben verändert. Er verlässt mitsamt Kapitän und zwei Besatzungsmitgliedern in Hast das leckgeschlagen geglaubte Schiff Patna und überlasst die aus Pilgern bestehende Fracht ihrem Schicksal. Angeklagt und für schuldig befunden, droht Jim, der bar jeglicher außergewöhnlicher Fähigkeiten trotzdem stets geglaubt hat, für besondere Aufgaben bestimmt zu sein, sein Gewissen zur unerträglichen Last zu werden. Allein Marlowe steht ihm in dieser Zeit bei und versucht ein ums andere Mal Jims Leben in die richtigen Bahnen zu lenken.
Was wie eine spannende Ausgangsposition klingt, ist der hart erkämpfte Inhalt der ungefähr ersten 200 Seiten. "Lord Jim" ist ein schweißtreibender Marathonlauf. Conrads mühsame, verschränkte und oftmals ausschweifende Erzählweise kommt sehr langatmig daher und erfordert viel Geduld und Langmut vom Leser. Immer wieder muss man schwer atmend das Buch zur Seite legen und verschnaufen, um die kommende Passage in Angriff nehmen zu können. Mitunter ist das besonders am Anfang extrem nervig, da das Obskure und Geheimnisvolle der eigentlichen Geschichte nur nach und nach aufgelöst wird. Wer sich jedoch darauf einlässt und die oben beschriebenen Probleme zu überwinden versteht, wird letztendlich von einem Plot belohnt, der nicht nur auf dem höchsten Niveau der Sprachkunst fußt, sondern gleichzeitig durch einen enormen Spannungsbogen und die ungeheuer reale Brutalität der geschilderten menschlichen Schicksale besticht.
Conrads Schilderungen von Meer, Küsten, Inseln, Hafenagenten und kleinen Gaunern vermögen den geneigten Leser auch mehr als hundert Jahre nach der Veröffentlichung noch zu packen und in den Bann zu ziehen. Ohne an irgendeiner Stelle in Sentimentalität zu verfallen, erweckt der Autor, der selbst lange Jahre Seefahrer war, beim Leser Sympathie für den Protagonisten, dem sein Versagen tragischerweise bis zum Schluss seines Lebens nachhängt. Obwohl er stets neue Aufgaben in Angriff nimmt, holt ihn die "Tatsache" immer wieder ein und stellenweise scheint es fast als wäre "die Welt nicht groß genug für Lord Jim". Sicherlich wirkt die Geschichte, und hier insbesondere das Ende konstruiert. Der Güte, dem Charme und der Klasse dieses Romans tut dies jedoch keinen Abbruch. Trotz der aufgewandten Anstrengung bleibt die Lektüre, nicht nur aufgrund der tollen Thematik, ein Genuss.
Insgesamt ist "Lord Jim" ein zeitloses Meisterwerk eines großartigen Erzählers, das einen Platz im Bücherregal einer jeden echten Leseratte verdient hat.
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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Scheitern eine begabten Charakters, 21. Januar 2001
Das Buch handelt von dem Bootsmann und späteren Hafenagenten Jim, dessen Lebensgeschichte aus Sicht von Kapitän Marlow, dem alter ego des Autors Joseph Conrad, rückblickend erzählt wird. In Conrads Buch ist das beherrschende Thema das Versagen eines Menschen, der stets davon überzeugt ist, für besondere Aufgaben bestimmt zu sein, ohne außergewöhnliche Fähigkeiten zu besitzen.Die Geschichte spielt in den Gewässern des Fernen Ostens in den Kreisen von Seefahrern, die Problematik könnte ebensogutauf einen Mediziner, einen Journalisten oder Piloten zutreffen, der in schwerer Bedrängnis eine folgenschwere Fehlentscheidung trifft. Dennoch sind Conrads Schilderungen von Meer, Küsten Inseln, Kapitänen, Hafenagenten, Seefahrergerichten und kleinen Gaunern meisterhaft und brillant und überragen sämtliche anderen Autoren (wie Herman Melville und Jack London), die sich mit den Abenteuern des Meeres auseinandergesetzt haben. Der Roman ist ein spannendes, aus vielerlei Perspektiven geschildertes Psychogramm eines tragischen Helden und doch zugleich eine Art Abenteuerroman, der durch einen enormen Spannungsbogen, durch die Exotik der dem Autor wohlbekannten Schauplätze und durch die ungeheuer reale Brutalität der geschilderten menschlichen Schicksale besticht. Conrad erweckt im Leser Sympathie für den Protagonisten Lord Jim, dem sein Versagen als junger Mensch tragischerweise den Rest seines Lebens nachhängt. Der Leser fühlt sich geneigt, Jim zu verzeihen, ihm zuzurufen, daß das Leben weitergeht, und sieht den Helden doch wiederholt mit seinerUnfähigkeit konfrontiert, die "Tatsache", wie der Autor sie nennt, zu vergessen oder sie zu verarbeiten, was ihn immer wieder dazu bewegt, davonzulaufen, immer weiter nach Osten und es scheint stellenweise fast als "wäre die Welt nicht groß genug für Lord Jim". Das Buch ist als Reiselektüre bei Fahrten in die Gewässer des Fernen Ostens wie geschaffen, die Thematik wird jeden Leser zusammenzucken lassen, auch wenn er daheim im Wohnzimmer sitzt und nie zur See gefahren ist und selbiges nicht vorhat. Ein zeitloses Meisterwerk von einem großartigen englischen Erzähler!
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Spannender Roman mit Tiefgang - sehr lesenswert!, 17. Februar 2006
"Er war einer von uns", beteuert Marlow, der Erzähler in Joseph Conrads Roman "Lord Jim", immer wieder, während er die Geschichte erzählt. Der verträumte junge Jim, Erster Offizier auf einem alten Dampfer, ist nicht besser oder schlechter als andere Menschen. Aber als das Schiff eines Nachts leckschlägt und er sich in Todesangst von den anderen Offizieren dazu hinreißen lässt, heimlich im Rettungsboot zu flüchten, verliert er seine Ehre und seinen Beruf und lädt eine untilgbare Schuld auf sich. Zumindest ihm erscheint es so: Seine Vergangenheit verfolgt ihn unaufhörlich, lässt ihn nicht mehr ruhen und durchkreuzt alle seine Versuche, ein glückliches Leben zu führen - bis er schließlich sein Versagen freiwillig sühnt. Joseph Conrads bekanntester Roman zeigt uns den Menschen als tragisches Opfer seines Schicksals, als einen, der für seine Fehlentscheidungen büßen muss und nicht auf Gnade hoffen darf. Mit seiner komplexen Struktur und der raffinierten Erzähltechnik wurde das Werk richtungsweisend für den Roman des 20. Jahrhunderts.
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