"Mein Name nur soll meine Grabschrift sein; / [...] /
Mein Grab zu zeigen sei nur ihm verliehn -
Mit ihm vergessen, sein gedacht durch ihn".
(Lord Byron)
Lord Byron (1788-1824), gilt als europäisches Ereignis. Ein Dichter exotischster Verserzählungen und Romantiker Englands wie Shelley und Keats. Ein Exhibitionist durch Sprache, Habitus und Kleidung. Ein Liebender der Natur, des Lebens, der Frauen. In allen Fällen und über diese Lieben eines: der Tabu-Bruch. Grenzüberschreitungen, Skandale galten für ihn als Elixier des Lebens. Ganz nach der Botschaft Schillers Wallenstein: "Nicht was lebendig, kraftvoll sich verkündet / Ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz / Gemeine ist's, das ewig Gestrige. "Der [Gegner], der selbst voll Mut, auch mir den Mut entflammt" ist auch für Byron Maxime entschlossener Haltung und Handlung. Für ihn gilt: "Mißt man den Intellekt / und die Gestalt man ebenso rasch weiß" dass Schönheit die Macht im Leben zeigt, ganz Keats, dass Schönheit und Wahrheit eins sind, Geist, unsterblich und mehrend, "Denn was Geist schuf ist vom Sande nicht". Sein Leben ist Überschreitung, Lust und Schmerz gleichermaßen wichtig, sich selbst zu spüren. "Grenzenlos und frei wie unser Mut" zeigt er sich in Corsair, wissend, dass Selbstsucht ihn zum Schreiben zwingt. "Childe Harold" sind Byrons Wanderjahre zwischen 1812-1818. Hier sind seine Erlebnisse, Erfahrungen aus den Jahren zuvor verarbeitet. Weltschmerz, Romantik und die wilde Exotik fördern eine Haltung und ein öffentliches Interesse an Literatur in England wie in Europa. Byron wird Namensgeber des Byronismus, eine Bryomania bricht aus, wie Zweig es nannte und Byron macht damit seine in Lara verkörperte prahlerische Ankündigung war. Über sich hinaus fortzuwirken ist sein Credo und es ist so: Goethe, Grillparzer Hugo, Lamartine bis zu Puschkin und Dostojewski waren unablässig berauscht und beschäftigt mit dieser einzigartigen vehementen Persönlichkeit. Alle waren in das geistige Netz seiner Seele gezogen, "[E]ine Seele, uns mit Lächeln zu quälen / Und unser Herz im Netz zu fangen", wie er selbst im Gedicht An *** tonierte.
Seine Liebe galt seiner Frau, seiner Schwester Augusta und sicher all den Willfährigen dieses Europas. Dieser Schmerz der anderen war zuweilen sein Schmerz, der jedoch nur eine andere Poesie ins Leben verhalf. "Meine Fehler hast gekannt du, / Niemand kennt mein Leiden jetzt;" und in diesem Zwiespalt entsteht all sein "Hoffen bis zuletzt".
Wie für Keats sind Phantasie und Traum auch für Byron der Ideenspender aller Poesie. "[Gedanken] werden unserer selbst ein Teil", ein Grenzland zwischen den Dingen, Vergangenes als Schatten, Schöpfungen des Geistes. "Der Geist kann Wirkliches erschaffen" und doch verdüstert sich das Herz durch der Erkenntnis Schatten.
Don Juan, so leicht und einfach geschrieben, ist die Klage, dass es keine Helden mehr gibt. Doch Don Juan wird so zum Inbegriff des heldschen Abenteurers süßer Lüste. Ebenso zur Abrechnung des poetischen Streites mit Southey, Colderidge und Wordsworth. Denen "gehen die Schrauben im Kopfe los" zeigt die unverfrorene und direkte Botschaft eines Byron.
Faustsche Themen nach Mephisto-Art, griechische Vorbilder und die Liebe zum Land prägen seine Ideen. In Griechenland verteidigt er das Bestehende der Antike, sorgt sich um deren Erhalt und geht symbolisch und wirklich in den Krieg. Dort starb er an einer Krankheit im Jahre 1824.
Originalität ist das seltenste und höchste Eigentum des Genies und auch dasjenige, welches den größten Reiz für das Publikum hat. Ein gewöhnlicher Dichter begibt sich in die Fußstapfen der aktuellen Lieblinge, der wahre Dichter versucht das Gegenteil. Byron stürzt sich in die Flut der Meinungen, er wird zu dem, der, wie gewollt, im Namen seine Botschaft hat. Aber, so Stefan Zweig, es ist das Wesen jeder wahrhaft problematischen Natur, dass sie ihre Fragen immer neuen Geschlechtern entgegenstellt und so die innere Schöpfungsenergie immer wieder in neuproduktive umsetzt. Byron gehört zu denen, die nie vollkommen erschöpfend ausgedeutet werden, diese Menschen werden nie Geschichte, also Vergangenheit. Sie werden Mythos und somit fortgestaltete Gegenwart.