Für die folgende Rezension setze ich voraus, dass das Hauptspiel bereits bekannt ist.
Agricola selbst ist bereits ein sehr variantenreiches und komplexes Spiel. Die Komplexität vom Basisspiel ist auch ohne die Erweiterung schon hoch genug, selbst für Liebhaber von komplexen Spielen.
Wer allerdings Agricola schon oft genug gespielt hat, sodass Langeweile aufkommt, bekommt mit der Erweiterung sinnvolle Ergänzungen und neue Varianten spendiert, die zudem den Bezug zur realen Welt verstärken.
Durch die zusätzlichen großen Anschaffungen verlieren diese insbesondere im 5-Personen-Spiel ihre spielentscheidende Bedeutung. Es gibt nun genug davon für alle, sodass sich die verschiedenen Strategien bereits zu Spielbeginn breiter auffächern und der 'Run' auf die großen Anschaffungen zur Nahrungszubereitung entfällt. Weil die meisten Felder des eigenen Bauernhofes nun erst nutzbar gemacht werden müssen, nicht nutzbar gemachte Felder aber bei der Endabrechnung nicht als leere Felder gelten, ist es nicht mehr so spielentscheidend, alle Hoffelder zu nutzen. Das öffnet vor Allem im Mittel- und Endspiel Türen für andere Siegstrategien. Weil in der Ernährungsphase nun nicht nur die eigenen Familienmitglieder ernährt werden müssen, sondern zudem auch die Hütte geheizt werden muss, verliert das Holz im Endspiel als Rohstoff nicht mehr so Stark an Bedeutung. Und die Tatsache, dass Lehm- und Steinhütten weniger Rohstoffe zum Beheizen brauchen, gibt den Upgrades zusätzlich zu den Punkten in der Endabrechnung endlich auch während des Spiels eine strategische Bedeutung. Zusatzaktionen bringen weitere strategische Überlegungen ins Spiel ein. Die können ohne Familienmitglied durchgeführt werden, aber nur solange noch Familienmitglieder in der jeweiligen Runde übrig sind. Die Famielienmitglieder können dennoch eingesetzt werden, sind dann aber eben später im Spiel. Man muss sich entscheiden zwischen zusätzlichen Aktionen und dem Privileg, noch die volle Auswahl an Standardaktionen zu haben.
Die neue Tierart 'Pferd' und zwei weitere Kartendecks mit kleinen Anschaffungen runden das Paket ab. Pferde bringen zwar viele Siegpunkte, taugen aber nur begrenzt als Nahrung und sind nur über Zusatzaktionen zu beziehen.
Subjektiver Eindruck: Zu Beginn des Spiels läuft die eigentliche Entwicklung langsamer ab, weil durch das Heizen der Hütte mehr Ressourcen in den täglichen Bedarf und weniger in die Weiterentwicklung fließen. Dadurch verstärkt sich zu Beginn der subjektive Eindruck der extremen Ressourcenknappheit. Gab es im Grundspiel für einen Sieg noch Bedingungen, an denen quasi kein Weg vorbei geführt hat, sind die Siegchancen nun vielseitiger. Auch wer nur 2 oder 3 Familienmitglieder hat und viele ungenutzte Hoffelder, hat gute Siegchancen. Insgesamt sind die einzelnen Spieler in der Endabrechnung von den Punkten her dichter beisammen, wodurch der Frust bei weniger gut laufenden Spielen für den Einzelnen gesenkt wird. Selbst als Verlierer hat man zumindest das Gefühl, in 'Schlagdistanz' zu sein. Durch die Zusatzaktionen bleiben häufig auch für die zuletzt setzenden Spieler noch gute Aktionen übrig, sodass die Position des Startspielers insbesondere zu Beginn des Spiels weniger entscheidend ist.
Empfehlen kann ich die Erweiterung allen, die Agricola häufig spielen und das Grundspiel schon sehr gut beherrschen. Allerdings wird das Spielerlebnis meiner Meinung nach nicht in dem Maße beeinflusst, dass der relativ hohe Preis gerechtfertigt ist. Auch ist nicht so viel neues Spielmaterial enthalten, um den Preis zu rechtfertigen. Dennoch gibt es von mir 5 Sterne, da die Preis/Leistung in diese Rezension nicht mit einfließt.