Zusammen mit Malcolm X und Martin Luther King gilt Nelson Mandela als bedeutendster Vertreter im Kampf gegen staatliche Rassendiskriminierung, der 1994 zum ersten demokratisch gewählten schwarzen Präsidenten Südafrikas werden konnte und damit nach dem Ende der Apartheid, die große Wende verkörperte, die den African National Congress als stimmenstärkste Partei aus der Illegalität direkt ins Parlament brachte und das Land einer demokratischen Reform unterzog. Doch der lange Weg zur Freiheit war steinig gewesen, es hatte fast Mandelas gesamtes Leben lange gedauert, um die Unterdrückung von Schwarzen und Farbigen abzuschaffen, deren Situation zwischenzeitlich durch das Apartheids-Regime sogar noch verschlimmert wurde und 27 Jahre davon verbrachte Mandela selbst in Haft, nachdem der ANC gezwungen wurde in den Untergrund zu gehen.
In jenen 27 Jahren war es Mandela die meiste Zeit über nicht einmal gestattet Besuch empfangen, dennoch gelang es ihm mit Hilfe seiner mitgefangenen ANC-Kollegen ab 1972 handgeschriebene Fragmente seiner Biografie nach draußen zu schmuggeln. Diese Fragmente zusammengefügt ergeben einer der monumentalsten Autobiografien der Weltliteratur, die von Mandelas Geburt 1918 bis zur Amtseinführung 1994 reicht und zugleich die beste Biografie Nelson Mandelas ist.
Der junge Mann der in seiner Jugend nach Bildung strebte und beschloss andere Wege zu gehen, als jene die ihm vorbestimmt schienen, ahnte damals selbstverständlich noch nicht dass seine Flucht vor den Konventionen ihn nicht nur in eine größere Welt sondern auch in Konflikt mit deren Autoritäten bringen würde. Doch mit seinem Studienabschluss, der damals nur wenigen Schwarzen überhaupt möglich war und dem Beginn seiner politischen Aktivität im ANC trat Mandela in den Kampf gegen Unterdrückung und Ausgrenzung der nicht-weißen Bevölkerung ein. Doch die Proteste und Demonstrationen schienen wirkungslos, nachdem die dominierende National Party, die 1948 an die Macht kam und das System der Apartheid institutionalisierte und dahingehend verschärfte, dass jedwede Aufweichung zuvor, wieder durch strengere Gesetze beseitigt wurde, eine immer aggressivere Politik verfolgte und ganze Stadtteile mit Polizeigewalt räumen und niederreißen ließ, um die schwarzen Viertel weiter weg zu verlegen.
Nach wiederholten Verhaftungen und Zusammenstößen mit den Behörden wurde Nelson Mandela schließlich einer der Mitbegründer des Umkhonto We Sizwe (kurz MK, Zulu für Speer der Nation), nachdem sich der gewaltlose Widerstand als Sackgasse erwiesen hatte. Neben anfänglichen Sprengstoffanschlägen auf Strommasten, Kraftwerke, Wasserwerke und andere Infrastrukturziele, setzte der MK als geheime Tochterorganisation des ANC auch auf die Entwicklung von Beziehungen zu anderen afrikanischen Staaten, die mit finanziellen Zuwendungen den Kampf gegen die Apartheid fördern sollten. Zugleich galt es als großes Ziel, durch die Verbündeten an Möglichkeiten zu gelangen, junge MK-Rekruten in Trainingscamps zu schicken und für den Einsatz in südafrikanischen Streitkräften vorzubereiten, damit man wenigstens in dieser Hinsicht mit dem Regime gleichziehen könnte. Doch die Hinwendung zur Gewalt gegen die dessen ungeachtet überlegene Staatsgewalt führte zur Verhaftung des nahezu gesamten MK-Führung und nach dessen Rückkehr auch Nelson Mandelas. Im Rivonia Prozess sahen sich die Angeklagten wegen Terrors, Umsturzversuches und kommunistischer Aktivitäten schließlich sogar der Todesstrafe gegenüber, die jedoch aufgrund der ohnehin angespannten Lage in lebenslange Haftstrafen umgewandelt wurde. Es begannen Jahrzehnte, in denen die Häftlinge von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten waren und dennoch ihren Kampf nie aufgaben und Mandela neben den Arbeiten an seiner Biografie, sogar die Zeit fand, sich erfolgreich für eine Verbesserung der Haftbedingungen einzusetzen, während durch die Bemühungen von exilierten ANC-Vertretern wie Oliver Tambo eine internationale Protestbewegung gegen die Apartheid und Mandelas Inhaftierung geschaffen werden konnte.
Mit seiner Entlassung in die Freiheit 1990 trat Mandela jedoch nicht für eine Umkehrung der Verhältnisse ein, sondern einen Ausgleich, eine Gleichberechtigung und Versöhnung, für die er internationale Aufmerksamkeit und den Friedensnobelpreis erhielt. Der "Ghandi Südafrikas" wurde sogar Präsident und auch wenn er manche der an seine Regierung gestellten Erwartungen nicht erfüllen konnte, setzte er doch die richtigen Zeichen und unternahm genau jene Schritte, um eine Eskalation zu vermeiden und eine bessere Zukunft möglich zu machen.
Mandelas Buch bewegt, denn einerseits ist es ein sehr persönliches Werk, in dem Mandela seine Lebensgeschichte erzählt, aber zugleich auch eine Schilderung der Entwicklung des Kampfes gegen die Apartheid aus seiner Sicht und damit vom politischen und geschichtlichen Standpunkt noch umso interessanter. Hätte nicht Mandela selbst das Buch geschrieben, der Historiker oder Journalist dem es gelungen wäre, hätte ein Meisterwerk geschaffen, das wohl den Titel "Nelson Mandela and South Africas long walk to Freedom" tragen würde, denn die Verbindung zwischen Biografie und persönlichen Erlebnisbericht sucht ihresgleichen. Der Stil ist geprägt von einer sachlichen Nüchternheit und klaren Sprache, die nicht den Irrungen der Verklärung und Romantisierung erliegt. Mandela bleibt seinen Wurzeln treu und schafft auch kulturelles Verständnis, doch er stellt seine Herkunft nicht über andere und bleibt der Sachlichkeit ergeben. Was ihm so fast nebenbei noch gelingt, ist es dem Leser die Geschichte derart plastisch zu vermitteln, dass er sie aus Mandelas Perspektive miterlebt.
Fazit:
Nelson Mandelas Autobiografie gehört zu jenen Werken die man als geschichtlich und auch politisch interessierter Mensch unbedingt gelesen haben sollte, nicht umsonst gilt das Werk aufgrund seiner sprachlichen Eindringlichkeit auch als Weltliteratur.