Kurzbeschreibung
Die US-Kultband vertont Alfred Jarrys Theaterstück Ubu Roi .
Pere Ubu waren nie für halbe Sachen zu haben. Die Band aus Cleveland, Ohio, gab sich nicht damit zufrieden, 1975 die Rockmusik neu erfunden zu haben, nein, seitdem erfindet sie sich mit jeder Albumveröffentlichung wieder neu. Verglichen mit Pere Ubu wirkt selbst das Rock-Chamäleon David Bowie so unbeweglich wie Status Quo. Long Live Père Ubu! ist inspiriert vom grundabsurden Theaterstück, das der Band ihren Namen gab: Alfred Jarrys Ubu Roi ( King Ubu ), eine satirische Adaption von Shakespeares Macbeth . Dessen Premiere sorgte 1896 in Paris für einen Aufstand im Theater und einen nationalen Skandal. Nun gibt es die CD zum Stück mit David Thomas in der Rolle der fetten Unke Père Ubu und der Sängerin und Schauspielerin Sarah Jane Morris als dessen Frau Mère Ubu, einer grotesken Harpyie. Im Zuge der Veröffentlichung des Albums bringt die Band die CD in Form eines Hörspiels ( Bring Me The Head Of Ubu Roi ) auf die Bühne - mit den Bandmitgliedern als Schauspielern und mit Animationen der Filmemacher The Brothers Quay.
Das musste wohl irgendwann sein: Pere Ubu, benannt nach Ubu Roi, dem König aus dem skandalträchtigen Theaterstück von Alfred Jarry aus dem 19. Jahrhundert, haben ihren Namenspatron auf die Bühne gebracht. Die Konsequenz: Man hört diesmal nicht nur den Gesang von Mastermind David Thomas, denn fast die ganze Band bekam Rollen aus "Ubu Roi" zugewiesen. Musikalisch ist dieses Album der Avantgarderocker sehr durchwachsen - raunende, krächzende, kreischende und mit viel Synthygefiepe unterlegte Stimmen wechseln mit harmonisch dargebotenen Popsongs. Abgemischt ist das Ganz so charmant, dass es zumindest dem einigermaßen mit Disharmonien vertrauten Ohr schmeichelt; da ist man von Pere Ubu anderes gewohnt. Im Vergleich zum Skandal aber, den die Erstaufführung 1896 in Paris verursachte, ist dieser Soundtrack zur Wiederaufführung geradezu harmlos. Doch es handelt sich um eine Verneigung vorm Namenspatron der Band, dem gefräßigen und machthungrigen Offizier Ubu, der gegen den polnischen König putscht - und bei Ehrerbietungen wollen wir mal nicht so streng sein. (jw)