Nach 20 Seiten "Lonesome Traveller" war ich mir eigentlich sehr sicher: "Dieses Buch wirst Du nicht bis zur letzten Seite lesen können, die zahlreichen Gedankensprünge und vor allen Dingen die Menge an Informationen sind ganz sicher nicht auszuhalten!" - nun, nachdem ich mich doch bis zur letzten Seite gehangelt habe, mich mit dieser Lebensphilosophie auseinandergesetzt habe, mag ich die fast schon ekstatische Schreibe dieses ganz speziellen "Nomaden" nicht mehr missen... - sein wohl erfolgreichster Roman, schenkt man den Kritikern Glauben, -Unterwegs- liegt bereits auf meinem Schreibtisch...
Der Autor ist offensichtlich ein wahrer Meister bei der Erstellung sog. "Prosaskizzen" - er überschüttet den Leser mit den Wahrnehmungen aus seiner Welt - an mancher Stelle werden Sie sich u.U. nahezu überfrachtet mit Details zu Orten und Personen fühlen - man wird ganz einfach das Gefühl nicht los, dass Kerouac am liebsten in einem einzigen Satz die ganze Welt hätte beschreiben wollen - so muss es ganz einfach sein, wenn man sich in Rage schreibt ...
Schaut man sich im Internet nach Infos zu Kerouac um, findet man neben den fast schon obligatorischen Verweisen auf seine Zugehörigkeit, bzw. Rolle als "Gallionsfigur" der sog. "Beat Generation" u.a. auch Hinweise darauf, dass Kerouac während des Zweiten Weltkrieges aus der US-Navy entlassen wurde - man hat ihn angeblich als paranoid-schizophren eingestuft - diese Diagnose würde wiederum fast schon manche Textstelle und manch gewählte Formulierung dieses nahezu atemlos (be-)schreibenden Autoren erklären.
Der Zugang zur Welt dieses Beatnik ist mir, zugegeben, nicht leicht gefallen - manche Passage wirkte zudem ermüdend, der Umgang mit dem Buch war zum Teil ein echter "Kampf", Kerouac ist nichts für einen "Lesemarathon", die hier niedergeschriebenen Momentaufnahmen eines sehr hektischen und unruhigen Lebens möchten eher in kleinen Dosen "genossen" werden...
Der Griff nach Jack Kerouac hat für mich übrigens einen besonderen Grund - in wenigen Wochen werde ich erstmals in die Staaten reisen - nach diesem Buch stellt sich mir nun u.a. die Frage, wieviel Beat-Generation hat seit den fünfzigern überlebt?