Mit dem Kauf des Lonely Planet für Norwegen hatte ich auf vorherige gute Erfahrungen mit Lonely Planet-Guides weltweit vertraut. Leider wurde ich diesmal bitter enttäuscht: die Autoren geben in ihrer kurzen Selbstbeschreibung selbst zu, mit Skandinavien nicht besonders vertraut zu sein, und das merkt man dem Buch auch an. Ihre Informationen stimmen meistens merkwürdig genau mit den Informationen überein, die man auch in den lokalen Tourist Offices bekommt, teilweise sogar wörtlich. Bei vielen Orten wird offensichtlich, daß die Autoren nie dort gewesen sind und die Informationen allein den Tourist Offices verdanken. Die Tourist Offices listen aber nach meinen Informationen meistens nur Adressen auf, die selbst kräftig an Werbung interessiert sind und oft auch dafür zahlen. Das entspricht sonst ganz klar nicht der Lonely-Planet-Ethik.
Wichtige Orte werden nicht einmal erwähnt, z.B. der älteste und für die Norweger sehr geschichtsträchtige Nationalpark Borre in Vestfold, wo es auch ein schönes Museum gibt.
Ganz klar sind die Autoren keine Outdoor-Freaks - oder wie sonst soll man es verstehen, wenn sie dem Nachtleben in entlegenen Dörfern mehr Aufmerksamkeit schenken, als sich die Mühe zu machen, Wanderrouten, Fahrrad- und Kajakverleihstationen und sonstige Informationen aufzulisten, die Deutsche in aller Regel doch interessieren dürften, wenn sie in dieses wunderbare Naturparadies Norwegen fahren. Das Geschichtskapitel, vor allem die Vorgeschichte bis hin zur Wikingerzeit, ist eine einzige Katastrophe (Asterix als Wikinger!).
Viele Straßennamen und Internetadressen sind falsch buchstabiert, was, wie andere Schlampigkeiten, vielleicht auch der Übersetzung aus dem Englischen geschuldet sein mag.
Loben sollte man die in typischer LP-Manier gestalteten, nützlichen Karten; und nach wie vor gibt es kein anderes Buch, das in so komprimierter Form so viele Fakten zusammenträgt wie ein LP.