Als langjähriger Fan der Reise-Knowhow-Reihe
z. B.: Namibia war ich bisher jedesmal enttäuscht, wenn ich mir einmal einen anderen Reiseführer gekauft habe. Trotz anfänglicher Bedenken (warum ein Reiseführer für zwei Länder?) ist die deutsche Ausgabe des Lonely Planet in der 1. Auflage von 2007 bisher das erste "Fremdfabrikat", das mich rundrum überzeugt hat. Kurz und bündig stellen die Autoren in zwei getrennten Bereichen Namibia und Botswana mit Geschichte, Kultur, möglichen Reiserouten und regionalen Eigenheiten vor. Der eigentliche Text fällt ausgesprochen kurz aus, regt jedoch mit einer Fülle von Querverweisen am Rand des Textes an, sich auf Webseiten, in Foren und mit weiterführender Literatur intensiver zu informieren. Genauer gesagt, man kann gar nicht anders, als Hardy/Firestones Aufforderung zu folgen, sich tiefer mit den beiden Ländern zu beschäftigen. Prägnant und kritisch schildern die Autoren die koloniale Vergangenheit und daraus resultierende vergangene und aktuelle politische Konflikte. Sie scheuen sich nicht vor brisanten Themen wie Landreform, den (bisher kargen) staatlichen Instrumentarien, Arbeitsplätze für die Bevölkerung zu schaffen, Spannungen zwischen den einzelnen ethnischen Gruppen und nicht zuletzt Auswirkungen der erschreckend hohen Aids-Infektionsraten, die in Botswana zu einer durchschnittlichen Lebenserwartung von gerade einmal 30 Jahren führten. Die Auswirkungen des Tourismus auf die Natur und Detailfragen zum Natur- und Tierschutz werden ähnlich kritisch geschildert.
Pluspunkte dieses Reiseführers:
+ Begriffe, Orte, Karten und Fotos sind in einem gemeinsamen Register zusammengestellt, das ganz hinten im Buch und damit schnell zu greifen ist
+ das gedruckte Daumenregister am Rand des Textes
+ die realistische Einstellung der Autoren (nehmen Sie sich nicht zu viel in zu kurzer Zeit vor, bleiben sie auch einmal mehr als eine Nacht an einem Ort)
+ sehr vernünftige Anmerkungen zur den Fahrkünsten der Besuchern in ungewohntem Gelände, zu Gesundheitsgefahren und für uns ungewöhnlichen Tieren - englische Autoren scheinen in Gesundheitsfragen generell sehr vorsichtig zu sein
+ zahlreiche Pläne und Detailkarten
+ interessante Zusatzinformation in separaten Kästen (z. B. die rechtliche und moralische Beurteilung, wem Erträge aus der Anwendung der Hoodia-Pflanze zustehen, die ein traditionelles Heilmittel der San ist)
+ die Auswahl an Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten von rustikal bis elegant ist vielfältig und berücksichtigt unterschiedlich dicke Geldbeutel. Über weitere Unterkünfte sollte man sich im Netz und in Where to Stay oder Trummis Liste informieren
+ die allgemeinen Reiseinformationen umfassen auch die Nachbarländer Simbabwe und Sambia (sinnvoll, wenn man vorhat, die Victoriafälle zu besuchen)
+ gefallen hat mir besonders die kritische, realistische Darstellung Botswanas, das die Autoren nicht nur als großes Naturschutzgebiet mit vielen Tieren betrachten
+ beiden Ländern steht rechnerisch im Buch der gleiche Platz von circa 230 Seiten zur Verfügung
+ Buschfliegerfreundliches Gewicht von 365 Gramm
- verbesserungswürdig ist der Druck der an sich sehr detail- und informationsreichen Karten, die durch die Abbildung in Grautönen weniger gut zur Geltung kommen
Ein gelungener Reisefüher nicht nur für Rucksacktouristen, sondern ebenso für Selbstfahrer, die ihre endgültige Reiseroute erst vor Ort festlegen und sich gern über die reinen Sehenswürdigkeiten hinaus über ihr Reiseland informieren wollen.