Er liebt sie, die großen Klassiker der Rock-Musik, der Norweger mit der großartigen Stimme. Und so wundert es nicht, dass JORNs neues Werk die Atmosphäre der großen Generation des Rock'n'Roll atmet: RAINBOW, WHITESNAKE, BLACK SABBATH, DIO - sie alle standen Pate für den Heavy Rock, den auch Sänger JORN LANDE bei seinen Solo-Alben bevorzugt.
Im Vergleich zu früheren Alben (wie zum Beispiel OUT TO EVERY NATION) ist LONELY ARE THE BRAVE jedoch straighter, schnörkelloser. Die leicht proggigen Breaks und Soli sind verschwunden, hier wird geradeaus gerockt mit viel Atmosphäre und das besondere Quäntchen ist ohnehin die wunderbare leicht COVERDALE-artige Stimme von JORN LANDE.
Es ist kein Wunder, dass der Norweger immer wieder gerufen wird, wenn es um Projekte wie AYREON (von ARJEN ANTHONY LUCASSEN) und AVANTASIA (von ED GUYs TOBIAS SAMMET) geht. Und auch das von dem Schweden MAGNUS KARLSSON initiierte Projekt ALLEN/LANDE unterstreicht LANDEs Status als einer der besten Rock-Sänger seiner Generation.
Zurück zu LONELY ARE THE BRAVE: hier reiht sich eine Hymne an die andere, mit extrem schweren Gitarren, pumpenden Bässen und fetten Drums. So kommt beispielsweise der Titeltrack mit deutlichen BLACK SABBATH-Anleihen daher und NIGHT CITY hätte auch perfekt auf frühe DIO-Alben gepasst. Stimmlich muss sich LANDE ohnehin nicht vor diesen Größen verstecken, zumal es ihm immer wieder scheinbar mühelos gelingt, hervorragende, eingängige Gesangslinien zu ersinnen. Diese wirken jedoch nie abgekupfert. Sehr positiv ist auch der lyrische Gehalt der Texte hervorzuheben, denn wo zum Beispiel DAVID COVERDALE fasst ausschließlich Ergüsse zu diversen Variationen des Matrazensports findet, setzt sich LANDE mit den Schattenseiten der Menschheit auseinander. Da lohnt es sich schon mal genauer hinzuhören und die Lyrics im Booklet zu studieren.
Was man bei LONELY ARE THE BRAVE bemängeln könnte, wäre der Umstand, dass JORN seinen Fans kaum Zeit zum Verschnaufen lässt. Es folgt ein Metal-Brett auf das nächste. Eine Ballade zum Durchatmen wäre sicherlich willkommen auch um den Gesamteindruck des Albums aufzulockern und abzurunden. So bleibt man nach den neun (normale Version) beziehungsweise elf (Limited Edition) Stücken auf der einen Seite sehr geplättet von so viel Wucht und Intensität dieser Heavy Metal-Attacke allererster Güte, aber auch ein wenig ausgepowert und überfahren. Zumal die stärksten Stücke meines Erachtens direkt am Anfang des Albums stehen. Erwähnenswert sind neben den ersten Songs noch zwei weitere Stücke, da es sich um eine Neuaufnahme (HELLFIRE von BEYOND TWILIGHT, bereits damals mit JORN am Mikro) und das DEEP PURPLE-Cover STORMBRINGER handelt, das sicherlich besser auf die Cover-CD UNLOCKING THE PAST gepasst hätte. Gerade anstatt zwei bekannte Songs noch einmal neu aufzunehmen wären weitere eigene Songs wünschenswert, wie das nur auf der Limited Edition enthaltene sehr gute LIKE STONE IN WATER.
Aber insgesamt gesehen bleibt festzuhalten: LONELY ARE THE BRAVE ist eine absolute Kaufempfehlung für alle Anhänger von gut gemachtem straighter Heavy Metal und JORN dürfte mit diesem Werk seine Fans ein weiteres Mal sehr zufrieden stellen.