Illusionen über seine verfahrene Situation braucht sich Detective Nick Belsey schon lange nicht mehr zu machen, denn er ist einfach völlig am Ende. Zwei Ex-Frauen und sein eigenes gespaltenes Verhältnis zu Geld haben ihn hoch verschuldet und obdachlos zurückgelassen und neben einem Sack voll mittlerer bis größerer Probleme hat er außerdem ein neu eröffnetes Disziplinarverfahren am Hals.
Als er mit einem ausgewachsenen Filmriss nach einer weiteren durchzechten Nacht im Revier auftaucht und versucht, seine letzten Stunden nachzuvollziehen und den Kollateralschaden zu beziffern, trifft eine VIP-Vermisstenmeldung aus dem Londoner Nobelstadtteil Hampstead ein.
Ohne groß darüber nachzudenken, greift er sich diese und findet sich in einem Fall wieder, der ein inszenierter Selbstmord zu sein scheint. Bei dem Toten handelt es sich um einen russischen Oligarchen, den scheinbar keiner wirklich kannte.
Nick Belsey packt die Gelegenheit beim Schopf und schlüpft immer mehr in die Identität des Toten - er schläft in dessen Haus, trägt seine Anzüge, fährt seinen Porsche, nimmt seine Termine wahr, nutzt seine Kreditkarten. Und er trifft die Vorbereitungen dafür, die Konten des großen Unbekannten leer zu räumen und sich in ein Land abzusetzen, das kein Auslieferungsabkommen mit England hat.
Je tiefer er allerdings in das Leben des Alexej Devereux eintaucht, um so mehr stellt er fest, dass er nicht der Einzige ist, der dessen Vermögen im Fokus hat. Nick fühlt sich beobachtet, jemand manipuliert seine Ermittlungen und dieser Jemand ist ihm immer mindestens einen Schritt voraus.
Und dann gibt es plötzlich weitere Morde, während der Fall immer undurchsichtiger wird - und auch das Geld scheint für immer verloren...
Und mein Fazit:
Oliver Harris' Debütroman zelebriert einen wirklich interessanten Plot, der mich aber leider nicht fesseln konnte. Denn mit genau diesem Zelebrieren übertreibt er es reichlich, da der Roman schon etwa ein Drittel seines Umfangs braucht, um überhaupt in die Gänge zu kommen. Hier hatte ich zum ersten Mal den Konflikt, zum einen doch unbedingt weiterlesen zu wollen, weil man heiß ist auf des Rätsels Lösung - und zum anderen völlig entnervt zu sein von dem Gefühl, beim Lesen durch überflüssiges Beiwerk, unnötige im Nirgendwo verlaufende Fährten und zuviele handelnde Personen ausgebremst zu werden.
Ständig findet sich ein neuer Kontakt - vom Gangstermilieu bis zum Brokerbüro, vom Fernsehsender über die Finanzbehörde bis hin zur Rechtsmedizin; überall ist irgendjemand, der dem schlitzohrigen Detective noch einen Gefallen schuldig ist und dem Ganzen dann gelegentlich einen unglaubwürdigen, weil zu sehr zufälligen Anstrich verpasst. Und Nick Belsey selber ist einfach zu abgebrüht, als das er mir als Leserin symphatisch werden konnte.
Dennoch gab es viele gute und spannende Szenen, die mich dann wieder bei der Stange haben bleiben lassen. Mal sehen, was die Folgebände so bringen...