Immer wenn in englischen Filmen unsere Helden nach Brighton fliehen müssen, ist Gefahr im Verzug:
Nach Eddie und Michael aus Philip Savilles "Fruit Machine" und George und Simone in "Mona Lisa" trifft es nun die Prostituierte Kelly (Lorraine Stanley) mit zugeschwollenem Auge und die noch nicht mal Zwölfjährige Herumtreiberin Joanne (Georgia Groome).
Brighton Rocks...
Gehetzt wie Tiere laufen die Zwei vor ihren Verfolgern davon, dabei verstecken sie sich auf irgendeiner Toilette in der Stadt, Joanne soll dort warten, denn Kelly will das Geld für die Zugfahrt von London nach Brighton schnell bei einem Freier machen.
Doch Brighton ist nicht sicher. Denn verfolgt werden sie deshalb, weil sich im Schlafzimmer des reichen Gangsterbosses Duncan Allen (Alexander Morton). Dabei war am Anfang alles so einfach und es sah nach leicht verdienter, allerdings schmutziger Kohle aus.
Kellys Zuhälter Derek (John Harris) bekommt einen Anruf von diesem gefürchteten Allen, der bekannt dafür ist, dass er besonders für noch ganz junge Mädchen schwärmt. Kelly soll am Bahnhof nach einem solchen Mädchen suchen und sie wird auch schnell fündig. Die Kleine geht sogar auf den Deal ein, Kelly ekelt sich vor sich selbst bei einem Kinderschänder-Deal behilflich zu sein und schon sind sie in der Wohnung des Freiers.
Doch die Lage eskaliert, als Kelly Schreie aus dem Schlafzimmer hört, wird sie aktiv.
Nun werden die beiden vom Sohn des Gangsters (Sam Spruell) unerbittlich gejagt bzw. dieser lässt Derek und Kompagnon Chum (Nathan Constance) mit viel Druck nach den Verschwundenen suchen.
Kelly und Joanna kommen vorläufig bei einer Freundin Kellys unter, ein Haus, in dem eigentlich nur Drogen genommen werden und man gemütlich tagelang zusammen auf der Couch sitzt...
Paul Andrew Williams drehte "London to Brighton" 2006, also zwei Jahre vor seiner HorrorComedy "The Cottage".
Mit dem kleinen dreckigen Thriller aus der Subkultur ist ihm allerdings ein sehr authentischer Film gelungen, der über einen drastischen Kindesmißbrauch und seine Folgen berichtet.
Dabei bringt der Director das Kunststück fertig, über weite Strecken die Balance zu halten zwischen den Elementen Thriller und Drama.
Die Story ist recht einfach, aber geschickt konstruiert und durch die Rückblenden eine geniale Verschachtelung vornimmt, die dem Zuschauer Raum geben sich über die Figuren des Films Gedanken zu machen und sie besser kennenzulernen.
Hilfreich dabei sind die durchwegs sehr guten Darstellerleistungen, vor allem Lorranie Stanley als Kelly erweist sich als würdige Nachfolgerin von Gloria, der Gangsterbraut, für die wir uns dank Gena Rowlands begeistern konnten.