Mitch (Colin Farrell, 34) hat sich drei Jahre lang sorgfältig im Pentonville Prison umgesehen, um dann zum definitiven Urteil zu gelangen: Da möchte er nie wieder rein.
So beginnt das erste Regiewerk von William Monahan, der bislang nur durch seine Drehbücher aufgefallen war. Doch bei meiner Ehre: manchem Regisseur gelingt ein Film dieser Güte sein ganzes Leben lang nicht.
Mit leichter Hand verknüpft Monahan den üblichen Konflikt, in den Strafgefangene geraten, wenn sie ohne Arbeit und fast ohne Geld von ihren alten Gangsterkollegen wieder ins "Geschäft" gedrängt werden, mit einer exotisch-skurrilen Liebesgeschichte. Der Qualitätsmix wird vollständig durch fast vollständiges Weglassen der üblichen Ausstattungen" von Thrillern amerikanischen Stils wie Massenschießereien, Technik-Spielchen und Verfolgungsjagden.
Mitch bekommt nämlich einen Aufpasserjob bei einer berühmten, jungen Schauspielerin angeboten. Doch man sollte sich jetzt nicht so etwas wie "Bodyguard" vorstellen. Charlotte (Keira Knightley, 25) leckt nämlich zurückgezogen in einer alten Villa ihre Wunden, nachdem sie während eines Drehs in Venedig vergewaltigt worden war. Jordan (David Thewlis) und Mitch sollen auf sie aufpassen und gleichzeitig versuchen, ihr halbwegs die erbarmungslosen Londoner Paparazzi vom Hals zu halten.
Doch zunehmend wachsen Mitchs andere Sorgen. Der Straßengangsterboss Rob (Ray Winstone, 53) wird immer drängliger - entweder arbeitet Mitch für ihn oder er landet in der Themse. Seine alkoholabhängige Schwester , für die er sich verantwortlich fühlt, rutscht immer tiefer in Probleme. Und zu allem Überfluss wird noch ein alter Freund umgebracht.
Die Leichtigkeit, mit der Monahan seinen Thriller anlaufen lässt, steigert sich kaum merklich zu einer atemberaubenden Spannung. Doch quasi mitten im Getöse richtet der Film seine Aufmerksamkeit auf ein skurriles, aber sehr menschliches Beziehungsdreieck zwischen Mitch, Charlotte und deren etwas abgedrehten Freund und Beschützer Jordan.
Schon nach wenigen Minuten vergisst man völlig, dass man einem Film zuschaut. Alle Rollen sind regelrecht genial besetzt, wobei Farrell mit seiner Suspension aus Guru und Vulkan über eine Intensität verfügt, wie sie wohl nur wenige Schauspieler aufbringen. Die Charaktere kristallisieren sich präzise heraus. Dieser Film lebt - wie viele europäische Produktionen - von seiner Realitätsnähe und seiner bei aller Härte immer dominierenden Menschlichkeit.
Geradezu genial unterlegen die teilweise sehr alte Musik und die ungeheuer atmosphärischen Bilder aus den Straßen Londons das Geschehen. Der Titelsong - die alte Yardbirds-Produktion "Heart Full of Soul" - wird einem noch lange in Erinnerung bleiben.
London Boulevard, das ist ganz großes, eingängiges Kino, weil die Macher dieses Films völlig auf Sperenzchen jeder Art verzichtet haben und sich 100% darauf konzentriert haben, eine gute Geschichte perfekt zu erzählen.
Im Original 103 Minuten, Format 1,85:1 auf 35 mm Film (Super 35), DI 2K, SDDS | DTS | Dolby Digital (IMDB)
Bild- und Tonqualität liegen auf dem obersten Niveau, das mit dieser Technik realisierbar ist. Es gibt ein Wendecover. Das nur in SD vorliegende Bonusmaterial enthält Interviews mit Cast & Crew, eine B-Roll und den Trailer.
film-jury A0938 15.4.2012eg ABR 2.279 Genre: Krimi | Drama
Colin James Farrell (* 31. Mai 1976 in Castleknock bei Dublin)
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2002 3* A0429
Minority Report [Blu-ray]
....... R: Steven Spielberg D: Tom Cruise, Colin Farrell
2008 3* A0654
Brügge sehen... und sterben?....... R: Martin McDonagh D: Colin Farrell, Brendan Geeson
2010 5* A0938
London Boulevard [Blu-ray]
....... R: William Monahan D: Colin Farrell, Keira Knightley