Autorin als Romanschriftstellerin (und aus dem fabelhaften Film "The Hours", der von ihr und zugleich von einem ihrer Romane handelt). Dass sie nicht nur hervorragende Reportagen verfassen konnte und dass sie auf diesem Feld ungeheuer produktiv war, erfährt man in dem instruktiven Nachwort Kyra Strombergs. Egal ob man London kennt oder nicht, ob man das Buch als Reiseführer oder als Bettlektüre nutzen will - es ist lesenswert, weil Virginia Woolf's Sprache (gut übersetzt!) einfach Vergnügen bereitet. Wir gehen zurück in eine Zeit, in der sich die ruhige Gesetztheit des viktorianischen Zeitalters auflöst, in der das Leben hektischer, die Klassengegensätze stärker hervortreten. Die Autorin, die diese Beiträge für eine durchaus fortschrittliche Frauenzeitschrift verfasste, hat hierfür ein feines Gespür und so erfährt man mehr als nur Beschreibungen der Docks, der Kirchen, der Wohn- und Einkaufsstrassen der Hauptstadt. Ein weiterer Pluspunkt der Ausgabe sind die zahlreichen Fotos.
P.S. Ich habe die Rezension versehentlich an das Taschenbuch Angebot gehängt und hoffe, dass das über die Fotos Gesagte auch für diese Ausgabe zutrifft. Zuraten würde ich ohnehin zum Kauf der hübschen kleinen Leinenausgabe des Wagenbach-Verlags!