Natürlich wird sich Adrian Lyne's Verfilmung von Nabokov's Roman immer dem Vergleich mit Kubrick's Film stellen müssen, doch meiner Meinung nach hat die Zeit Kubrick's Werk mittlerweile überholt, weswegen ich Lyne's Version bevorzuge.
Kubrick's Film wirkt mittlerweile einfach ein bißchen antiquiert.
Lyne's Adaption ist zeitgemäßer und außerdem besteht sie auch, wenn sie nicht mit Kubrick verglichen wird, denn sie ist gut inszeniert und besticht durch gute Darsteller, besonders Jeremy Irons ist hier hervorzuheben. Sein Charakter hat Tragik, Tiefe und wirkt genauso aber auch lakonisch und hintergründig.
Dominique Swain schafft mit LOLITA einen guten Einstieg in die Welt des Schauspiels. Sie schafft es, dass der Zuschauer sich fast schon schämt, weil die dargestellte Dolores "Lo" Hayes ja erst 14 ist. Sie ist zwar nervig und undurchsichtig, aber genauso anziehend und lasziv.
Lyne hält sich tatsächlich recht eng an die Vorlage Nabokov's, was dem Film insofern zuträglich ist, als dass der Autor eine sehr detaillierte Studie der Charaktere anfertigt, deren Züge somit in der Verfilmung kaum beschnitten werden und deswegen sehr dreidimensional erscheinen.
Als ein Meisterwerk würde ich LOLITA nicht bezeichnen, da der Film schon hin und wieder auf der Stelle tritt und einige Längen hat, aber im Nachhinein ist es eine gut gelungene Adaption des Klassikers von Nabokov.
Warum der Film ab 18 freigegeben ist kann ich mir nicht erklären, denn allzu explizit wird hier nicht dargestellt.
Aber sehenswert ist er auf jeden Fall.