Ich bin überrascht. Erst eine Rezension zu diesem phantastischen Buch - und die bezieht sich offensichtlich auf einen ganz anderen Titel ...
Lola Rose ist etwa elf Jahre alt und erzählt die Geschichte ihres neuen Lebens mit Mutter und kleinem Bruder - nach der Flucht vor dem gewalttätigen Vater. Groß und vernünftig muss sie sein, denn ihre Mutter ist unreif, ungebildet und in erster Linie auf ihr Äußeres bedacht. Die Verantwortung für den fünfjährigen Sohn schiebt sie lieber auf ihre Tochter ab, die doch selbst noch ein Kind ist, voller Ängste und Unsicherheiten.
Es ist unglaublich, wie treffend Jacqueline Wilson die Gefühle, Wünsche, Ängste des Mädchens Lola Rose zeigt, wie echt ihre Figuren sind. Den Leser schaudert es, mit welcher Selbstverständlichkeit Lola Rose etwa die grottenschlechte Ernährung durch ihre Mutter hinnimmt. Oder die Schuld an allem, die stets sie tragen muss - sie kennt es einfach nicht anders.
Sie will cool sein, groß, schön, schlank und sexy - und zeigt doch ihre Verletzlichkeit und ihr Liebes- und Harmoniebedürfnis so deutlich durch das Album das sie führt und das sie voller Bilder von Engeln, kleinen Tieren, Blumen klebt.
Dabei ist dieses Buch keinesfalls schwere Kost. Es ist flott geschrieben, aus der Sicht des elfjährigen Kindes und dabei so fesselnd, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Man fiebert, bangt, freut sich mit Lola Rose, man lacht und weint mit ihr.
Es gibt tiefen Einblick in eine kindliche Seele.
Nicht umsonst ist Jacqueline Wilson eine der beliebtesten Kinderbuchautorinnen Großbritanniens - und als großartiges Kinderbuch ist "Lola Rose" auch für Erwachsene empfehlenswert, weil es so viel Wahrheit über das Leben enthält.