Nach wie vor eröffnet der Lokaljournalismus Redakteuren und freien Mitarbeitern ein weites, vielseitiges Tätigkeitsfeld. Gerade für Berufseinsteiger scheint der klassische Weg über die Lokalredaktionen vorgezeichnet.
Der Band Lokaljournalismus" aus der Schriftenreihe Kompaktwissen Journalismus" verschafft dem Leser einen ersten Einblick in den Berufsalltag von Feld-, Wald- und Wiesenjournalisten als auch ambitionierten Redakteuren. Von der Nachrichtenauswahl, den Stilformen im Lokalteil, bis hin zur crossmedialen Perspektive des Berufsfeldes werden zahlreiche Themen aufgegriffen, die anhand von Praxisbeispielen veranschaulicht werden.
Kleine Geschichten aus dem Alltag erleichtern den Einstieg
Für eine authentische Darstellung des journalistischen Alltages sorgen die Autoren Sonja Kretzschmar, einst Redakteurin bei den Tagesthemen in Hamburg, und Lutz Timmermann, der seit 2007 als Chef vom Dienst in der Chefredaktion der Berliner Morgenpost tätig ist.
Mit kurzen Episoden aus der Lokalredaktion leiten sie in die jeweiligen Themen ein und werfen dabei immer wieder Fragen auf, die im dann anschließenden Kapitel beantwortet werden sollen. Im Themenabschnitt Quellen und Recherche" wird beispielsweise die berechtigte Frage gestellt, wie oft es eigentlich [passiert], dass die eigenen Recherchen nicht durchgeführt [und] Pressemitteiteilungen übernommen werden".
Über das Storytelling hinaus formulieren die Autoren immer wieder konkrete Lernziele, die eine schnelle Orientierung in den einzelnen Abschnitten ermöglichen. So soll der geneigte Leser im ersten Kapitel erfahren, wie er sich konstruktiv an Konferenzen beteiligen" kann.
Verknüpfung von Theorie und Praxis
Eine Besonderheit dieses Werkes ist laut den Herausgeberinnen die Verknüpfung von Praxisbeispielen und kommunikationswissenschaftlichen Aspekten. Daraus ergibt sich die stetig wiederkehrende Gliederung der Kapitel in Sichtweisen der Praxis" und die Perspektiven der Forschung". Letztere wurden federführend von Prof. Dr. Wiebke Möhring verfasst, die an der Fachhochschule Hannover mittlerweile die Lehrgebiete Empirische Methoden" und Öffentliche Kommunikation" betreut.
Die wissenschaftlichen Hintergrundinformationen sollen dem Leser einerseits einen Blick über den Tellerrand der Lokalredaktionen ermöglichen und ein Berufsbild entstauben, das zweifellos von Klischees geprägt ist. Denn wer würde hinter einem Bericht über die ersten drei Sieger in der Jungtierschau der Geflügelzüchter" grundsätzlich ein hohes Maß an journalistischer Eigenarbeit vermuten?
Neben der Zusammenfassung von journalistischen Grundkenntnissen, wie den Darstellungsformen und Stilmitteln, lassen die Perspektiven der Forschung" einen kurzen Einblick in interessante und ebenso wichtige Themen wie die Zielgruppenerforschung und die Crossmedialität im Lokaljournalismus zu.
Leichte Kost, statt schwerer Literatur
Die Autoren wollen mit diesem Buch Anregungen für eine Diskussion liefern, die auf eine neue Ausrichtung des, sich im Umbruch befindenden Lokaljournalismus, zielen soll. Es ist fraglich, ob dieser Anspruch trotz eines solch komprimierten Wissenschaftsteils erfüllt werden kann.
Der hier vorgestellte Band kann aber durchaus als geeignetes Werk für Berufseinsteiger und alle, die sich erstmals mit dem Lokaljournalismus beschäftigen, verstanden werden. Die leicht zugängliche Sprache und der teils humorvolle Schreibstil machen diesen "Lokaljournalismus" zu einem geeigneten Wegbegleiter für die nächste Zugfahrt, oder die Freistunde.