Zunächst mal zur Aufnahme: Sie ist zwar in Bayreuth aufgenommen, aber keine Live-Aufnahme. Das verbindet die Vorteile der Akkustik des Festspielhauses mit der Vermeidung der störenden Nebengeräusche, hat aber eben - für die, die das mögen - nicht die Live-Atmosphäre.
Peter Schneiders Dirigat ist sehr interessant. Sein Ansatz ist dramatisch und geheimnisvoll. Er deutet viele Tiefen an, ohne sie genau auszuloten, was aber eine interessante Spannung schafft. Das Orchester spielt dabei gut strukturiert und recht rhytmisch. Auch die Chore klingen besonders eindringlich und effektvoll. Die Räumlichkeit ihres Klanges wird dabei hervorgehoben.
Manfred Schenk hat mit seiner eher hellen Stimme als König eine nicht sonderlich königliche Ausstrahlung. Er ist eher der primus inter pares, der sich in seiner herausgeobenen Rolle unter seinesgleichen behaupten muss. Wenn er sich immer wieder auf Gott beruft, so wirkt das eher wie ein gekonnter Schachzug als wie eine überzeugter Glaube.
Ekkehard Wlashiha als Friedrich von Telramund wirkt dem König gegenüber denn auch fast als ebenbürtig. Er ist kein Bittstellter, sondern ein echter Herausforderer, der den Fall der Elsa als Frontalangriff nutzt. Das ist eine Konstellation, die gut zur starken Rolle des Telramund in der Handlung passt.
Auch mit Gabriele Schnaut als Ortrud harmoniert er gut. Die beiden wirken wie eine verschworene Gemeinschaft hintertriebener Intriganten. Das Spiel zwischen beiden funktioniert gut. Ortrud agiert dabei mehr im Hintergrund und stachelt ihren im Vordergrund agierenden Telramund an. Sie wirken dabei freilich beide nicht wirklich böse im Sinne einer mythisch angehauchten Geschichte, sondern eher wie Aktuere in einem modern angehauchten Intrigantenstadl.
Cheryl Studers Elsa fand ich im ganzen überzeugend. Sie will mit ihrer Stimme manchmal einen Tick mehr als sie kann, aber nicht so, dass es wirklich stört. Ihre Elsa hat viel Persönlichkeit. Sie ist keine Kunstfigur, sondern eine wahrhaft leidende, lebendige Frau. Die Ausstrahlung ist oft selbstbewusst und hat einen warmen Charakter, zeigt aber auch die nötigen Elemente der Seelenqualen.
Dabei agiert auch das Paar Elsa/Lohengrin recht modern. In der Schlafgemachszene sind sie kein mytisches Paar, sondern eher ein modernes Ehepaar, das im Schlafzimmer zuerst verliebt tut, dann aber einen ziemlichen Krach vom Zaune bricht, um sich schließlich doch (fast) zu versöhnen.
Auch Paul Frey als Lohengrin wirkt eher weltlich. Er ist eher der Bodyguard oder eben ein Ritter, der zur Rettung (oder besser zur Problemlösung) gesandt wurde und dabei ganz weltlich von Elsa angetan ist (ohne die ganz große Liebe zu verspüren). Man nimmt ihm dadurch die stets etwas distanzierte Haltung des Lohengrin gut ab (und warum es ihm so leicht fällt zu gehen, auf zum nächsten Auftrag), aber seine Verweise auf das Mythische sind weniger überzeugend. Die Gralserzählung klingt wie ein "Ich muss Euch da mal eine Geschichte erzählen".
Fazit: Eine saubere und gute Leistung, die man prinzipiell empfehlen kann mit einigen packenden und interessanten Elementen. In der Gesamtwirkung aber nicht hunderprozentig überzeugend.