Ich kann den vielen positiven Rezensionen (hauptsächlich zur anderen Ausgabe:
Great Recordings Of The Century - Lohengrin) im ganzen nur zustimmen. Dies ist sicherlich eine der besten Aufnahmen der Oper, speziell da sie das mythisch-archetpyische der Handlung und Figuren (was nun mal der Kern bei Wagner ist) gut herausarbeitet. ohne dabei übertrieben traditionalistisch zu werden (nur wer hier sehr empfindlich sist, wird die Aufnahme vielleicht als zu 'würdig' empfinden).
Kempe dirigiert sehr festlich und würdevoll, die Tempi sind aber eher zügig. Er arbeitet weniger an Tiefenstrukuren, das Orchester spielt aber sehr strukturiert und präzise. Problematisch ist gelegentlich die zu große Lautstärke des Orchester, die die Sänger zuweilen zu stark überdeckt. Auch die Chöre haben recht viel Rhytmus und wirken dunkel, geheimnnisvoll und mythisch. Ihre Funktion als Bestandteil der Handlung tritt dabei freilich in den Hintergrund.
Gottlob Frick ist ein sehr überzeugender König, der vor allem sehr würdevoll erscheint. Sein Gesang passt zu der Rolle, die ihm in der Oper gegeben wird und speziell die wichtigen Verweise auf Gott und Gottesurteil wirken überzeugend und wahrhaft empfunden.
Hervorheben möchte ich auch Otto Wiener in der kleineren Rolle des Herold. Durch starke Präsenz und hohe Präzision unterstützt er den wuchtigen Eindruck des Königs kongenial, was sehr zur Erhellung der Gesamtszenerie beiträgt.
Ein (teilweiser) echter Hit der Aufnahme ist Elsa Grümmer als Elsa. In den leiseren, lyrischeren Passagen ist sie atemberaubend gut. Ihre Stimme schwebt über allen und Elsas Seele breitet sich in der Welt aus und schleicht sich in die Herzen der Zuhörer. Alleine das hebt die Aufnahme über die meisten anderen hinaus. Der Fairness halber muss man aber zugestehen, dass sie sich in den dramatischeren Szenen schwerer tut. Speziell bei den höheren Tönen wirkt sie zuweilen recht überdramatisch und spitz und mit leicht rissiger Stimme. Es hätte ihr besser gestanden, wenn sie hier weniger probiert hätte auch auf die Gefahr hin, dass es weniger 'wagnerisch' klingt.
Der nächste Hit ist Fischer-Dieskau als Friedrich von Telramund. Er lotet extrem flexibel alle Winkel des Charakters aus. Er ist je nach Situation mal würdig, mal kraftvoll, mal richtg böse und zornig, mal zweifelend und in sich versunken, die Stimme dabei immer sehr kontrolliert (aber nicht zu sehr) und sauber geführt. Eine herausragende Leistung (und ich sage das nicht gerne über Fischer-Dieskau).
Christa Ludwig ist eine ihm weitestgehende ebenbürtige Ortrud. Sie ist wirklich (!) böse und bedrohlich (was anderen Darstellungen der Rolle gelegentlich abgeht). Die Abgründe ihres Charakters und ihrer Figur werden eindrucksvoll deutlich. Kleiner Wermutstropfen: Ab und an übertreibt sie es und ihre Bosheit verkommt zur nicht bedrückenden, sondern nervigen Hysterie, das dramatische zu überdramtisch.
Jess Thomas als Lohengrin schließlich setzt kein Glanzlicht, bietet aber eine überzeugende Leistung. Er ist nicht ganz die strahlende Figur, die es sein könnte, aber wenigstens bringt sein Lohengrin die nötige Portion Transendend und Mysthik mit. Speziell die Gralserzählung nimmt man ihm wirklich ab und die Transzendens zum überirdischen Gral wird spürbar.
Fazit: Speziell durch das gelegentlich zu laute Orchester und die punktuellen Schwächen von Grümmer und Ludwig keine makellose Aufnahme, auf der anderen Seite durch die positiven Seiten der Darstellungen von Grümmer und Ludwig und die Glanzleistung von Fischer-Dieskau eine höchst überzeugende Aufnahme. Wenn man nur eine Aufnahme von Lohengrin hat, dann darf es diese hier sein.