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Und so funktioniert innovatives Marketing in der Welt von morgen:
Nike produziert einen Turnschuh für 85 Cent pro Paar und verkauft ihn für 2,500 Dollar. Um die Street Credibility der Schuhe zu steigern, ersinnt die Werbeabteilung eine „bahnbrechende Kampagne" - zehn Käufer sollen erschossen werden um den Eindruck zu erwecken, die „Nike Mercurys" seien derart begehrt, dass ghetto kids dafür morden.
Doch der damit beauftragte relativ ahnungslose Angestellte Hack will nichts damit zu tun haben und gibt den Auftrag an die Polizei weiter, die wiederum die Waffenlobby NRA damit betraut.
Doch die Regierungsbeamtin Jennifer Government funkt dazwischen: sie bekämpft die korrupte Konsumwelt und hat ausserdem noch eine persönliche Rechnung mit John Nike, dem Vizepräsidenten der Marketingabteilung, offen.
Bevor sie ihn zu fassen bekommt, zettelt dieser aber einen regelrechten Krieg zwischen den beiden größten Treueprogrammen Team Advantage und US Alliance an: er will die Regierung endgültig abschaffen und den Weg für die absolute Herrschaft des Kapitalismus frei machen...
Nach seinem erfolgreichen Erstlingswerks „Fukk" (im Original: „Syrup") ist „Logoland" Max' Barrys zweiter Roman; - „erst", will man einfügen, denn der junge Australier schreibt professionell wie ein mehrfacher Bestseller-Autor.
Der Aufbau der Geschichte, die Szenenaufteilung, der Spannungsbogen - all das wirkt bei näherer Betrachtung wie nach dem Lehrbuch entworfen. Das macht es dem Leser fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen: die Story jagt stellenweise voran wie in einem Actionfilm, die einzelnen Handlungsstränge verstricken sich immer mehr bis es schließlich zur Auflösung kommt.
Auch wenn „Logoland" inhaltlich satirisch ist, so ist Barrys Schreibstil so „neutral", dass der Leser während der Lektüre mit Unbehagen feststellen wird, dass die Vision von der „schönen neuen Welt" die das Buch zeigt gar nicht so unrealistisch ist. Von der Abschaffung der Steuern und der Privatisierung der Polizei mag man in den USA ja noch weit entfernt sein - aber die Premium Highways, die man nur gegen Gebühr benutzen kann und die gesponserten Schulen sind weniger abwegig.
Weil der Max Barry beim Erzählen seiner Geschichte so ganz auf den moralischen Zeigefinger oder andere Wertungen verzichtet, kann man den Roman entweder einfach als unterhaltsame Lektüre lesen oder als Zukunftsvision, als das „1984" oder „Minority Report" unserer Zeit als das viele Kritiker ihn bezeichnen.
Gleichgültig für welche Möglichkeit man sich entscheidet - „Logoland" bringt einem zum Schmunzeln, Schaudern, Stutzen, Kopfschütteln, und auf jeden Fall dazu, nichts anderes zu tun als zu lesen bis man die letzte Seite erreicht hat.
Zum Zeitpunkt eines Mordes steht die Regierungsagentin Jennifer Government bereit. Sie soll verhindern, dass Jugendliche tödliche Opfer des Marketings werden. Jennifer scheitert, stirbt beinahe. Ihr Überleben stachelt sie nur noch mehr an, ihre Mission zu beenden: Sie muss John Nike das Handwerk legen. Dass das Motiv durchweg etwas mit ihrer und Johns Vergangenheit zu tun hat, lässt ihren dienstlichen Pflichteifer in persönliche Besessenheit umschlagen.
Doch irgendjemand muss schließlich John Nike stoppen. Vierzehn Tote belasten sein Gewissen keineswegs, im Gegenteil gibt seine Strategie der Karriere einen kräftigen Schub. Gegen unliebsame Gegner ersinnt er permanent neue Strategien, deren Skrupellosigkeit das zentrale Merkmal ist. Seine Philosophie: Wenn es um Profit geht, ist ein Menschenleben nicht von Wert, auch nicht das des amerikanischen Präsidenten. Und nur Jennifer kann John zu Fall bringen ...
McDonald's oder Burger King, IBM oder Apple, Reebok oder Nike. In der Welt von Max Barrys „Logoland" sind das existenzielle Fragen. Denn die großen Firmen, die global players, haben sich zusammengeschlossen zu zwei mächtigen Organisationen, die um Märkte konkurrieren. Es herrscht Krieg zwischen US Alliance und Team Advantage. Ohne Regeln, doch die gibt es in Form von Gesetzen ohnehin nicht mehr. Die Regierung ist pleite und machtlos, die Polizei privatisiert und korrupt. Steuern sind verboten und Angestellte heißen nach ihren Arbeitgebern. In der ungezügelten, freien Marktwirtschaft fahren die Reichen auf privaten Highways, und medizinische Hilfe wird nur geleistet, wenn man eine gültige Kreditkarte besitzt.
Willkommen in der schönen neuen Welt. Bei Max Barrys bitterbösen Thriller über die Globalisierung kann das Urteil natürlich nur lauten: kaufen.
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