Die Logomanie hat ihren Höhepunkt zwar glücklicherweise überschritten, ist aber in den Köpfen vieler Marketingfachleute noch immer so stark verankert, dass sie jedem neuen Arbeitgeber reflexartig ein neues Logo verpassen wollen. Und lässt sich dieser auf ein so fragwürdiges Abenteuer ein, zahlt sich sein Nachgeben nur selten aus. Das liegt unter anderem daran, dass etlichen Designern das Gefühl abgeht, wann ein Logo passt und wann nicht. Im schlimmsten Fall blättern sie in dicken Wälzern von Logo-Sammlungen, wählen ein paar Lieblinge aus und modifizieren diese genau so, dass sie bei Rechtsstreitigkeiten nicht gleich in der ersten Runde verlieren.
Diese Sammlung aus dem Taschen Verlag ist anders aufgebaut. Das schützt zwar nicht davor, Originalität für eine Strategie zu handeln, erinnert aber seine Benutzer immerhin daran, dass man sich einige Gedanken über Persönlichkeiten, Identitäten und Produktionsprozesse machen sollte, wenn es um Zeichensetzungen geht. Diese Erinnerungsarbeit leistet der Herausgeber vor allem mit dem ersten Teil, in dem er nach einem prägnanten Vorwort von Uli Mayer-Johanssen und einer Einführung von Wally Olins auf gut 140 Seiten Fallbeispiele vorstellt. Zu Wort kommen so Designer, die auch tatsächlich etwas zu sagen haben und deren Werke beispielhaften Charakter haben. So erstaunt es nicht, dass wir auf Namen wie Stefan Sagmeister oder Marta di Francesco stoßen. Und weil sich große Künstler auch kurz halten können, hat es den Rahmen dieses Buches nicht gesprengt, die Texte auf Englisch, Deutsch und Französisch abzudrucken.
Im zweiten Teil, der ohne Index der Logos und Studios etwa 200 Seiten umfasst, finden Gestalter eine Fülle von Beispielen, geordnet in folgende Kategorien: Creative Industry, Events & Entertainment, Fashion & Apparel, Institutions, Government & Regional, Media, Music, Retailers & Food Outlets, Service & Business sowie Miscellaneous.
Mein Fazit. Unter den zahlreichen Logo-Sammlungen hebt sich diese dadurch hervor, dass sie in einem ersten Teil Fallbeispiele aufzeigt und weniger erfahrenen Gestaltern nochmals in Erinnerung ruft, was der Kern eines guten Zeichens ist und wie man sich diesem Kern nähern kann. Schön, dass auch die Gestaltung des Buches über den Durchschnitt hinausragt und das dicke Werk so gebunden ist, dass es beim mehrmaligen Gebrauch nicht gleich in Einzelteile zerfällt.