Liebe Leser,
Ich schreibe diesen Bericht, weil ich vor kurzem in der selben Situation war wie Sie: nachdem meine SONY RM-AV3000 den Geist aufgegeben hat, habe ich mich für die Harmony 885 / 895 interessiert und überall im Internet recherchiert / Berichte von anderen Kunden gelesen.
Als IT Profi scheue ich keine Technik oder Programmierung und kenne auch die unterschiedlichen User Typen, deshalb habe ich auch die bisherigen Berichte nicht immer so ernst genommen (hätte ich besser tun sollen!). Um mir alle Optionen offen zu halten, entschied ich mich für die Harmony 895 (Infrarot für alles in Reichweite und Funk für alles ausser Sicht).
Das Konzept:
die Harmony ist ein Zwitter: einerseits ist sie eine Fernbedienung, die mit Hilfe von Makros (Activities) komplexe Gerätekonfigurationen steuern kann, andereseits kann sie als klassische Universalfernbedienung benutzt werden, in der man durch eine Geräteumschaltung die volle Funktionaität der Originalfernbedienung zur Verfügung haben kann.
Außergewöhlich (und außergewöhnlich gewöhnungsbedurftig) ist, dass die Fernbedienung ohne einen guten Internetzugang wertlos ist, da sie nicht anders konfiguriert werden kann. Alle Gerätedaten, Einstellungen, erlernte Funktionen werden über das Internet zunächst beim Hersteller in einer Datenbank abgelegt und dann von dort über das Internet zurück in die Fernbedienung übertragen.
Die Software hierfür kann entweder lokal installiert werden (fetter Internet Client) oder direkt über die Web-Site benutzt werden. Die Konfiguration ist interessanterweise inkonsistent, erlernte oder umkonfigurierte Tasten über den PC Client werden in der Online Version "vergessen".
Die Konfiguration erfolgt über ein Quiz-Spiel (Whizard), das dann die Geräteeinstellungen für die Aktivitäten vornimmt. Für Dummies ist das vielleicht OK, aber für den technisch intelligenten User ist die Konfigurations - Software eine Zumutung. Die automatisch erzeugten Aktivitäten - Makros können nicht manuell nachbearbeitet werden, selbst wenn sie falsche Funktionen enthalten. Es besteht aber die Möglichkeit, weitere Tastenfolgen hinzuzufügen (ausgeführt nach der automatisch erstellten Startsequenz bzw. vor der automatischen Endsequenz). Es können einzelne Timings pro Gerät angepasst werden (Pause zwischen 2 Befehlen für das selbe Gerät / Pause zwischen 2 Befehlen für unterschiedliche Geräte, Geräte-Einschaltdauer, sowie Anzahl der Wiederholungen einer Steuersequenz). Zusätzlich lassen sich Pausen in den Aktivitäts - Makros als Befehl einfügen. In der älteren Firmwareversion war es auch möglich, je eine Funktion von mehreren Geräten (als Makro - Workaround) auf eine Gerätetaste zu programmieren, das hat Logitech jedoch in der letzten Firmwareversion unterbunden um die User zu "überzeugen" - böse Zungen sagen "zwingen" - das Aktivity Konzept zu nutzen. Als Workaround kann man laut Logitech Support aber die Folgen auf einer anderen lernfähigen Fernbedienung erstellen und der Taste "anlernen" - sehr umständlich und benutzerfeindlich! Nach vielen Reklamationen und Beschwerden soll Logitech angeblich versprochen haben, diese Funktionalität in der nächsten Version als Feature wieder freizuschalten.
Das positive zuerst:
Die Fernbedienung liegt gut in der Hand, die wichtigsten Tasten sind als Hard-Key vorhanden, die fehlenden gerätespezifischen Sondertasten kann man als Soft-Key programmieren oder notfalls erlernen lassen. Die Gerätedatenbank ist sehr umfangreich und wächst täglich. Allerdings ist sie nicht unbedingt gut gepflegt. Viele Geräte sind mehrfach enthalten. Es drängt sich der Verdacht auf, daß die Daten durch einfaches Einsammeln der Konfigurationen von den Kunden selbst zusammengestellt / angelernt werden und Logitech diese nicht nachträglich überarbeitet.
Die Hardware ist sehr leistungsfähig, ich habe 15 Geräte installiert (das älteste 17 Jahre alt), die alle zum Teil mehrfach in der Datenbank vorhanden waren (SONY 42' Plasma, SONY Röhrenfernseher, Sharp 32' LCD, Topfield TF5000PVR / TF4000PVR / mehrere Pinnacle Showcenter 200 / DVB-S SCART Stecker - Receiver / Sony CD Jukebox / Sony DVD Jukebox / Xoro DVD Player / Sony AV Receiver / Yamaha Verstärker / Yamaha CD Player...) Alle wurden erkannt und funktionierten mehr oder weniger auf Anhieb als Gerät, alle fehlende Funktionen konnten mit der Software nachträglich erlernt werden.
Die Fernbedienung kann wie gesagt in zwei Betriebsarten benutzt werden:
Im Activity Mode werden mit Hilfe von Makros (Steuersequenzen) für die ausgewählten Geräte alle Einstellungen vorgenommen und die benötigten Tasten auf der Fernbedienung den wichtigsten Funktionen zugeordnet. Die Tasten (Hard und Soft Keys) lassen sich nach dem Whizard manuell nach den eigenen Bedürfnissen umstellen. Im Activity Mode findet auch die so genannte SmarState Technologie Verwendung - die nichts anderes ist, als das sich die Fernbedienung den Ein / Aus - Zustand und die geschaltetetn Eingänge der Geräte merkt, und bei Wechsel einer Activity nur die benötigten Umschaltsequenzen sendet. Auf Wunsch werden nicht benötigte Geräte ausgeschaltet. Zusätzlich lassen sich in der Funktion Activities bis zu 16 Sender pro Activity mit Senderlogo auf den Softkeys programmieren (Erreichbar mit der Media-Taste). Will man mehr, dann empfiehlt Logitech weitere (identische) Activities anzulegen. (z.B. Sat/Verstärker/TV umbenennen nach "Nachrichten" und die Nachrichten Sender hinzufügen, Neue Activity Sat/Verstärker/TV erstellen und "Filme" nennen - Filmsender hinzufügen etc.) Für mein Geschmack ein sehr umständliches Unterfngen und Redundante Programmierung, da man alle zusätzlichen Tasten in allen Kopien nachziehen muß.
Im Device Mode kann man herkömlich alle Geräte steuern, indem man das gewünschte Gerät auswählt. Die Tasten beziehen sich dann ausschließlich auf das angewählte Gerät, sind aber trotzdem frei programmierbar bzw. können angelernt werden. Damit kann ein kleverer Benutzer auch Tasten von anderen Geräten anlernen und zuweisen und damit seine Wunsch-Konfiguration erstellen. Das haben wohl auch einige in der Vergangenheit getan - damit lassen sich die z.Teil auf den Originalfernbedienungen nicht vorhandene Tasten / nicht funktionsfähige Tasten in der Logitech Datenbank bei den verschiedenen Geräten erklären. Die Anordnung der Tasten in den Softkeys ist sehr zufällig, z.Teil waren diese auf bis zu 14! Seiten a 8 Soft-Tasten verteilt. Das zeigt aber auch über welches Potential die Hardware verfügt, hätte sie nur eine vernünftige Konfigurationssoftware.
Nun zu den weniger erfreulichen Punkten.
Logitech versucht mit der Harmony eine neue Philosophie der Fernbedienung mit den so genannten "Activities" zu etablieren (was vom Konzept her durchaus Sinn macht). Dabei haben die Entwickler versucht, den Benutzer so weit weg wie möglich von der Programmierung fernzuhalten, da sie ihm wohl nicht viel zutrauen. Die Estinstallation geht tatsächlich zügig vonstatten, aber das Fine-Tuning der Timings (siehe oben) ist grausam. Die Konfiguration gleicht einem Labyrint - Spiel. Man muss immer wieder durch die Whizards gehen und wissen, welche Auswahl und Fehlerbeschreibung man in den Quiz - Masken wählen muss, um die zu verändernede Timing Einstellung zu erreichen. Das mag ja beim ersten mal noch lustig sein, aber beim 3 Mal nervt das sehr. Bis meine Geräte im ersten Zimmer nach meinen Wünschen mit den "Activities" funktioniert haben vergingen 2 Tage. Eine Kombination musste ich komplett manuell erstellen, da der vorgesehene Typ permanent die falschen Codes sendete, Das Programm gestattet aber keine Änderung der automatischen Sequenzen. Deshalb eine neue Activity anlegen (Typ Utility hat etwas mehr Freiheitsgrade), und die Sequenzen selbst einstellen.
Hat man die 895 und macht den Fehler den RF Extender gleich mit zu installieren, braucht man beim Konfigurieren die doppelte Zeit, da bei jeder Änderung beide Geräte nacheinander am USB Kabel anzuschließen und zu aktualisieren sind. (Ich habe den Extender nach dem 3. Mal wieder aus der Konfiguration gelöscht und die Fernbedienung alleine konfiguriert. Wenn alles funktioniert, kann man den Extender wieder hinzufügen und die Befehle der Geräte umleiten).
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