Auch wenn Logitech das Squeezebox-Projekt mittlerweile beendet hat, und keine Weiterentwicklungen in diesem Bereich stattfinden werden, bin ich dennoch von diesem System seit Beginn vollstens überzeugt. Nachdem ich in 2008 mit der Squeezebox Duet angefangen habe, läuft bei mir zuhause inzwischen ein Netzwerk aus einem Receiver, einer Boom, einer Touch und drei Radios. Ich weiß daher sehr wohl um die anfänglichen Schwierigkeiten, Bugs, Aussetzer und Netzwerkstörungen, aber ich kann aus heutiger Sicht bestätigen, dass schon längst alle Fehler ausgemerzt sind, und dass selbst der Receiver und die WLAN Fernbedienung bereits in 2008 technisch so einwandfrei gebaut waren, dass es eben nur eine Frage von Software-Updates war, den einen oder anderen Bug zu beheben.
Es ist höchst bedauerlich, dass ein ausgefeiltes System wie dieses nicht genug Käufer gefunden hat, denn es gibt nichts vergleichbares auf dem Markt, weder technisch noch preislich. Aber diejenigen, die sich hierauf aus Überzeugung eingelassen haben, brennen dafür und gehören zu denjenigen Menschen, die mehr Musik konsumieren als andere.
Die Squeezebox-Reihe ist dem einzigen vergleichbaren Sonos-System in einigen Dingen überlegen. Erstens sind Sonos-Geräte meines Erachtens preislich völlig überzogen. Die Geräte kommen optisch nur als Lautsprecher daher, von denen bereits der kleinste 270,- € kostet. Zum Vergleich: Hierfür bekommt man zwei Squeezebox Radios und zwei Fernbedienung-Packs dazu. Der Sonos hat keine Funkfernbedienung; man muss ihn mit seinem Handy bedienen oder eine verdammt teure Steuerung kaufen. Er hat auch kein Display oder Tasten zur Bedienung am Gerät. Ein Radio z.B. steht bei mir im Bad. Dort brauche ich keinen Highfidelity-Sound für 300,- €, aber das Display vom Squeezeboxradio mit der Uhr, oder die praktische Fernbedienung, die ich mich traue auch aus der Dusche heraus anzufassen, so was ist nützlich.
Genauso ist es auch mit der Squeezebox-Touch. Was soll ich denn bitte schön mit einem einzelnen 370,-€-teuren Sonos-Lautsprecher in meinem Wohnzimmer, wenn ich dort sowieso eine Mehr-Boxen-Heimkino-Musikanlage stehen habe, die ich im Zweifel über die unbestritten beste Audioschnittstelle, den digital-optischen Link, mit meiner Squeezebox Touch verbinden kann. Hier ist eine Funkfernbedienung im Lieferumfang dabei, die auch mit allen anderen Squeezebox-Playern ebenfalls funktioniert. Die kleinen Fernbedienungen wiederum funktionieren übrigens umgekehrt auch mit der Touch.
Musikdienste à la Spotify benutze ich nicht; dazu kann ich nichts sagen. Aber der Zugang zu den "regulären" Radiosendern und Spartenkanälen ist genial! Über die Suchfunktion auffinden und unter den Favoriten speichern, schon kann man einen Radiosender vom der anderen Seite der Erdkugel genauso bequem abspielen wie den lokalen Sender. Radio FG oder NRJ aus Paris ebenso kein Problem wie Radio Deejay oder RTL 102.5 aus Italien oder Cadena Dial und Los 40 aus Spanien; wir sind ein weltoffener Haushalt. Sollte ein Stream einmal nicht verfügbar sein (bspw. Fehlermeldung: time out), dann muss das Problem nicht am Player liegen und kann außerdem nur von vorübergehender Dauer sein. Gelegentlich (wirklich selten) ändern sich die Adressen von Streams oder stehen zeitweise nicht zur Verfügung. Dann lohnt es sich auch, den Sender ggf. neu zu suchen. Radio-Streams, die auf Real basieren, können aber nicht geöffnet werden.
Was ich noch zur Touch und den anderen Playern anmerken möchte:
Die Squeezeboxen sind meiner Kenntnis nach die einzigen Netzwerkplayer, die Audiodateien im WMA-Lossless-Format transkodieren können. Für mich ist das essentiell, da ich meine CD's in diesem Format auf meine Festplatte überspiele. Die Squeezebox Touch funktioniert im Prinzip zwar als Server für die eigene Musiksammlung in Verbindung mit SD-Karten oder USB-Festplatten, ich rate jedoch aufgrund der langen Zugriffszeiten und der Verwertbarkeit der Musikdateien zu einer Lösung mit einem separaten Server oder einem ultra-kompakten PC (bspw. der EEEBox), besonders wenn man mehrere Player verwendet, synchronisiert und über eine sehr große Musiksammlung verfügt. Zur Verwaltung der eigenen Songs empfiehlt es sich eine separate Software wie z.B. den Windows-Mediaplayer zu verwenden. Dort erstellte Playlist erkennt die Squeezebox.
Ich spiele ohne Probleme meine eigene Musiksammlung synchron auf sechs Playern ab. Wichtig ist, dass die geeigneten Voraussetzungen hierfür geschaffen werden, dann kommt es auch zu keinem unerwünschten Zwischenpuffern oder Neustart der Songs wegen Abweichungen in der Synchronität. Ich verwende zuhause einen HSDPA-WLAN-Router mit einer Datenübertragung mit Wireless N bis zu 300Mbps für's Netzwerk und als Zugang zum Internet. Das Gerät war so eingestellt, dass es alle Standards und Bandbreiten gleichzeitig unterstützen sollte, was, so stellte sich heraus, Störungen beim Synchron-Play verursachte. Da 300Mbps auch heute noch kaum gebraucht werden, habe ich die Einstellungen fixiert auf 54g. Seitdem ist das Netzwerk äußerst stabil. Außerdem sollte man darauf achten, dass die Touch, wenn sie mit anderen Playern synchron spielen soll, mit Boxen oder der Stereo-Anlage über Line-Out und nicht den digital-optischen Ausgang verbunden ist. Die Verarbeitung über den optischen Ausgang dauert wenige Millisekunden länger, sodass eine manuelle Anpassung der Startzeit notwendig wird.
Wenn man sich kein Netzwerk aus Squeezeboxen für jedes Zimmer leisten möchte, dann kann man die Squeezebox auch über den Line Out mit einem Funksender oder Bluetooth-Sender verbinden und so gleichzeitig mehrere Räume beschallen. Wobei, Bluetooth habe ich persönlich nie ausprobiert. Bevor ich eine ganze Serie von SB Playern angeschafft habe, waren in diversen Zimmern Funklautsprecher vom selben Hersteller verteilt, die ich über Funksteckdosen per Fernbedienung einzeln ein und ausschalten konnte. Der Funksender war an der Squeezebox angeschlossen und sendete automatisch sobald das Tonsignal vom Player übertragen wurde. So hatte ich zumindest für den Anfang ein Quasi-Multi-Room-Audiosystem.
Logitech garantiert seinen Squeezebox-Kunden auch für die Zukunft alle Services zum Betrieb der Player zur Verfügung zu stellen: [...] Selbst wenn Mysqueezebox irgendwann abgeschaltet werden würde, dann ändert das nichts an der Betriebsfähigkeit der Player in Verbindung mit dem Mediaserver, der auf dem heimischen PC installiert ist. Auch originäre mp3-Streams von Radiostationen lassen sich manuell einrichten. Hierzu ist mysqueezebox nicht nötig.
Insgesamt ist die Touch aufgrund ihr vielfältigen Anschlussmöglichkeiten noch über sehr lange Zeit nicht "totzukriegen". Das untechnische Bedienkonzept und das elegante, zeitlose Design machen die Squeezebox zu einem Liebhaberstück, besonders für alle diejenigen, die noch leidenschaftlich gerne CD's kaufen und/oder tausende von Songs auf der eigenen Festplatte sammeln und jederzeit abspielen wollen.
Es ist einfach klasse, nachhause zukommen und mit einem einfachen Knopdruck für Musik zu sorgen, jederzeit und überall in den Wohnung.