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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 04.02.2002
Peter Janich ist ein Schüler der Erlanger Schule, die (von den Naturwissenschaften abgeschaute) Methodik und Ordnung ins philosophische Denken bringen wollte. Zur Logik, um die es bei seinen Lehrern Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen ging, fügt Janich mittlerweile den pragmatischen Aspekt hinzu - grundsätzliche Veränderungen im Theoriedesign aber gibt es nicht. Nach wie vor geht es, so der Rezensent Manfred Geier, um "Disziplin! Ordnung! Vernunft!" Wirklich zu sympathisieren scheint Geier mit dem Ansatz nicht, macht das aber in seinem durchaus immer wieder sachlichen Referat eher durch süffisante Seitenbemerkungen deutlich. Janich setze sich, meint er, ein für "die Disziplinarmacht einer folgerichtig entwickelten Ordnung", auf das Tanzen aus der Reihe habe man gefälligst zu verzichten. Erst bescheinigt er Janich einiges Vertrauen in die eigene Theorie: "Das heißt selbstbewusst reden" - dann aber platzt ihm zu allerletzt doch noch der Kragen: "Jawoll, Herr Lehrer", schließt er seine Rezension.
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Kurzbeschreibung
Diesem Buch gelingt, was selten glückt, nämlich für Anfänger und Experten gleichermaßen interessant zu sein. Für den Anfänger ist es eine Einübung in philosophisches Nachdenken. Dem Experten bietet es eine Sprach- und Handlungsphilosophie aus dem Geist des Kulturalismus.
Dieses Buch möchte ein Einführung in philosophisches Nachdenken anbieten. Reflektieren wird dabei als ein Können, als eine Kunst oder ein Handlungsvermögen betrachtet, das lehrbar und erlernbar ist.
Traditionell ging es in einem logischen Propädeutikum darum, wie Begriffe gebildet, Urteile gefällt und Schlüsse gezogen werden können. Die sprachphilosophischen Schulen des 20. Jahrhunderts haben dazu unterschiedliche Perspektiven entwickelt; vor allem der linguistic turn der Philosophie und der Einfluß der Wissenschaftstheorie sind hier prägend geworden. In der Tradition der methodischen Philosophie ist die sprachliche durch eine pragmatische und eine kulturalistische Wende weiterentwickelt worden. Ihr ist auch die Logisch-pragmatische Propädeutik zuzuordnen.
Aus kulturalistischer Sicht ist die Beschränkung des philosophischen Reflektierens auf die Handhabung von Begriffen, Urteilen und Schlüssen zu eng, weil dabei der Handlungsaspekt der Sprache unterschlagen wird. Mit "Handlungscharakter" ist hier gemeint, daß es sich beim Sprechen (einschließlich des philosophisch reflektierenden Sprechens über das Sprechen) um etwas handelt, das uns von anderen Menschen als Leistung oder Fehlleistung zugerechnet wird, das ge- oder mißlingen kann.
Der Titel des Buches verrät bereits das Programm: Es handelt sich nicht bloß um eine "logische" (Kamlah/Lorenzen) oder eine "logisch-semantische" (Tugendhat/Wolf), sondern um eine "logisch-pragmatische" Propädeutik. Sie entwickelt die Beurteilungsmerkmale, nach denen eine Sprechhandlung zugerechnet, ihr (kommunikatives) Gelingen oder Mißlingen konstatiert und der (kooperative) Erfolg oder Mißerfolg von Sprechen eingeschätzt werden kann.
Auf diese Weise läßt sich Sprechen als Handeln rekonstruieren. Der Sprachphilosophie geht deshalb hier eine Handlungstheorie voraus.
Peter Janichs logisch-pragmatische Propädeutik - hervorgegangen aus der Lehrpraxis - bietet also zweierlei: ein sprachphilosophisches Vokabular für das Sprechen über das Sprechen und ein handlungstheoretisches Vokabular für das Sprechen über das Handeln sowie für die Beurteilung des Sprechens als eines Handelns. Auf dem Weg von der Kommunikation zur Signifikation betrachtet sie verschiedene Typen von Sprechhandlungen und gibt Verfahren an, wie Bedeutung und Geltung sprachlicher Äußerungen bestimmt werden können. Schließlich legt sie unterschiedliche Verfahren der Begriffsbildung dar, stellt wahrheitstheoretische Grundüberlegungen an und bietet eine Hinführung zur Logik.