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Logik der Mächte: Europas Problem mit der Globalisierung der Politik. Überlegungen zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges [Taschenbuch]

Stefan Scheil
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

1999
Der Zweite Weltkrieg war ein Produkt des unausgewogenen europäischen Mächtesystems der dreißiger Jahre, kein exklusives Ergebnis deutschen Landhungers. So lautet das Fazit des vorliegenden Buches von Stefan Scheil.Der Autor zieht diesen Schluß am Ende seines Essays, der sich in erster Linie als Versuch einer gesamteuropäischen Geschichte versteht, zugleich aber auch als Auseinandersetzung mit den Großtheorien über die Entwicklungsgesetze der Machtpolitik, wie sie von Francis Fukuyama (Das Ende der Geschichte), Paul Kennedy (Aufstieg und Fall der Mächte), Ludwig Dehio (Gleichgewicht oder Hegemonie) und Henry Kissinger (Vernunft der Nationen) vorgelegt worden sind. Seine eigene Position deutet der Autor mit dem Titel "Logik der Mächte" an, der sich an Karl Poppers "Logik der Forschung" anlehnt, aber als leise Ironie zu verstehen ist, da Machtpolitik nur sehr begrenzt logischen Mustern folgt und sich den großen Modellen wie auch den spezifischen Erklärungen der Geschichtswissenschaft immer wieder entzieht.Das Buch entwirft ein eigenes Modell für das Verständnis der Zwischenkriegszeit aus gesamteuropäischer und globaler Perspektive. Es erörtert die Politik der aktivsten Länder in verschiedenen Entwicklungsphasen des Mächtesystems, vom allmählichen Ausklingen des Ersten Weltkrieges über die neu beginnende Umgestaltung bis hin zur unmittelbaren Vorkriegszeit und zeigt auf, daß sich selbst für einen gut erforschten und oft dargestellten Zeitraum wie die Jahre von 1919 bis 1939 ganz neue Einsichten in Ursache und Wirkung, in Täter und Opfer ergeben können.Sprachlich zwischen wissenschaftlicher und literarischer Darstellung changierend, spricht der Text über die wissenschaftliche Öffentlichkeit hinaus ein breites Lesepublikum an. Die Handlungsstruktur folgt einem Spannungsbogen, der von einer zeitlich und räumlich großzügigen Auseinandersetzung mit den Trends der europäischen Geschichte bis zu einer detaillierten Beschreibung der letzten Tage und Stunden vor Kriegsausbruch reicht.

Wird oft zusammen gekauft

Logik der Mächte: Europas Problem mit der Globalisierung der Politik. Überlegungen zur Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges + Fünf plus Zwei: Die europäischen Nationalstaaten, die Weltmächte und die vereinte Entfesselung des Zweiten Weltkriegs
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Pressestimmen

"Stefan Scheil versucht nun anhand einer Betrachtung des Zeitraumes von 1919 bis 1941 'eine in sich stimmige Gesamtsicht zu destillieren, die neben den gängigen Erklärungsmodellen 'Diktatur gegen Demokratie', 'Habenichtse gegen Etablierte' oder 'Notorische Verbrecher gegen die Menschheit' bestehen kann.' Ein neues Geschichtsbild soll dabei nicht geschaffen werden, vielmehr sollen die Ereignisse noch einmal unvoreingenommen in ihren Zusammenhängen betrachtet werden. Dieses Experiment gelingt in durchaus beeindruckender Weise; nicht durch die Anführung bisher unbekannter Tatsachen, sondern durch die Vorgehensweise des Autors." Max Schulte, in: www.politik-buch.de, Februar 2001 "[Scheils] Interpretationslinie liefert in der Tat Ansätze zu einer stärkeren Berücksichtigung gesamteuropäischer Vorgänge, auch wenn die weltpolitischen Zusammenhänge [...] vernachlässigt bleiben. Akzentsetzungen im einzelnen sind zu akzeptieren, neue und zum Teil sprechende Zitate werden in den Vordergrund gerückt." Jost Dülffer, in: Historische Zeitschrift, Bd. 271, Heft 1 (August 2000)

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3.5 von 5 Sternen
3.5 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Selber abwägen! 1. März 2007
Von brainman
Format:Taschenbuch
"Logik der Mächte" gehört mit Gerd Schultze-Rhonhofs Buch "1939 - Der Krieg hatte viele Väter" zu den Büchern, die ich mir gekauft habe, weil ich neugierig war, welche "andere(n)" Version(en) es denn über die Entstehung des 2. Weltkriegs - außer der offiziellen - gibt und inwiefern diese überhaupt glaubwürdig sind. Über Scheils Buch bin ich eher zufällig gestoßen und hab nicht schlecht gestaunt ob des Preises, lies mich aber von den sehr positiven Rezensionen (und nem Büchergutschein ;)) zum Kauf "verleiten".

Über den Inhalt kann ich mich nur ähnlich positiv auslassen, wie meine Vorrezensenten: Stefan Scheil betreibt hier wirklich innovative Geschichtsbetrachtung, was alleine schon aus der Tatsache resultiert, dass er die außenpolitischen Ziele, Schritte und Ereignisse nicht (ausschließlich) aus einer deutschen Perspektive betrachtet, sondern aus "globalpolitischer Sicht". Dies macht einem erst bewusst, dass der 2. Weltkrieg kein Ergebnis rein deutschen Machtstrebens war, sondern u.a. durch das unausgewogene Mächtsystems (verursacht durch den Versailler Vertrag) entstand. Er zeigt ebenso auf, dass ALLE Staaten ihre EIGENEN außenpolitischen Ziele verfolgten und keineswegs nur auf Hitlers Außenpolitik reagierten und sich ansonsten passiv verhielten. So beleuchtet er z.b. die britische Appeasement-Politik (die schon in den 20ern entstand) und Polens unrealistische Großmachtträume, ebenso Roosevelts Aversion gegen Deutschland (und Hitler) und die Entwicklung der Sowjetunion.

Was aber stört mich an diesem Buch, dass es nur 3 Sterne bekommt? Wahrscheinlich waren es meine zu hohen Erwartungen an dieses Buch. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich statt eines erwartet dicken Wälzers "nur" ein knapp 200-seitiges Essay bekam (wie es der Vorrezensent eigentlich deutlich beschreibt). Das ist zwar zuhauf gespickt mit sehr interessanten Überlegungen, Gedankengängen und Zwischenbetrachtungen (z.B. über kollektive Sicherheitssysteme), aber ich habe damals ein Buch erwartet, welches mir detailliert zeigt, was an der offiziellen Gesichtsbetrachtung (zumindest) fragwürdig ist. Scheil hingegen geht darauf gar nicht ein, sondern bietet einen kompletten Gegenentwurf, für den man, um ihn vollends verstehen zu können, jedoch entsprechendes Hintergrundwissen braucht (zumidnest wäre da sin meinen Augen empfehlenswert). Erst als ich mir Schulze-Rhonhofs Buch (welches mit über 500 Seiten auch einen entsprechend anderen Umfang hat) zugelegt und durchgelesen habe, habe ich Scheils Ausführungen vollends nachvollziehen können.

Es kommt also darauf an, was man sich von einem Buch über die Vorgeschichte des 2.WKs erwartet (besonders bei solch einem Preis). Ich persönlich würde zuerst zur Lektüre von "1939 - Der Krieg hatte viele Väter" raten (weil es detailliert auf die offiz.Geschichtschreibung eingeht). Trotz alledem ist Scheils Werk natürlich ein wertvoller Beitrag zu einer (leider kaum vorhandenen) differenzierten Geschichtsbetrachtung.
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134 von 159 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Innovative Darstellung auf breiter Quellenbasis 4. Dezember 2003
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Scheil vertritt in seinem Werk auf breiter Quellenbasis die Kernthese, nicht primär Hitlers politisches, wirtschaftliches und ideologisches Expansionsprogramm gen Osten sei die wesentliche Ursache für die Entfesselung des Zweiten Weltkrieges, sondern Dysbalancen und Unausgewogenheiten des europäischen Mächtesystems. Damit widerspricht er einer Reihe bisher führender Militärgeschichtsforscher, die entgegen der Quellenlage immer noch in Hitler den Alleinschuldigen sehen wollen. Scheil betont neben Hitlers Anteil an der Entfesselung des Zweiten Weltkrieges auch den der anderen europäischen Mächte, die entweder nicht willens (UdSSR, Polen) oder in der Lage (Frankreich, Großbritannien) waren, die Krise des europäischen Mächtesystems zu beheben. Damit minimiert der Autor nicht die Verantwortung Hitler-Deutschlands für den Krieg, sondern stellt sie in einen gesamteuropäischen Kontext. Dieser Forschungsansatz ist ungeheuer innovativ, denn der größte Teil der historischen Arbeiten zu dem Thema krankt daran, Geschichte nur aus der germanozentrischen Sichtweise heraus zu interpretieren.
Die seriöse Forschung kann an Scheils Darstellung nicht mehr vorbeigehen. Dieses Werk macht Appetit auf mehr.
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40 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sine ira et studio 16. September 2002
Von Albrecht Bär VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Wir kennen sie alle zur Genüge, diese Historiographie ex post, die mit gegenwärtigem Erkenntnisstand und den bornierten Moralvorstellungen der heutigen Gutmenschen ans Werk geht und sich dann wundert, der Vergangenheit nicht recht Herr werden zu können. Denn die Antwort darauf, wie es zum Zweiten Weltkrieg kommen konnte, liefert der germanozentrische Ansatz jedenfalls nicht. Es ist ein Verdienst des jungen Historikers Stefan Scheil, herausgearbeitet zu haben, daß der Zweite Weltkrieg ein Produkt des unausgewogenen europäischen Mächtesystems der dreißiger Jahre und kein exklusives Ergebnis deutschen Landhungers gewesen ist. Ein Mächtesystem, das in Versailles begründet wurde und nur dem Ziel diente, Deutschland auf ewig von seinem Platz unter den Großmächten fernzuhalten. Dieser Schluß ist so banal wie er klingt, wird heute aber von den Wissenden weitgehend ignoriert, so daß die Nichtwissenden den Zusammenhang Versailles - Zweiter Weltkrieg gar nicht mehr sehen können. Der Autor zieht diesen Schluß am Ende seines Essays, der sich in erster Linie als Versuch einer gesamteuropäischen Geschichte versteht.
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