"Logik der Mächte" gehört mit Gerd Schultze-Rhonhofs Buch "1939 - Der Krieg hatte viele Väter" zu den Büchern, die ich mir gekauft habe, weil ich neugierig war, welche "andere(n)" Version(en) es denn über die Entstehung des 2. Weltkriegs - außer der offiziellen - gibt und inwiefern diese überhaupt glaubwürdig sind. Über Scheils Buch bin ich eher zufällig gestoßen und hab nicht schlecht gestaunt ob des Preises, lies mich aber von den sehr positiven Rezensionen (und nem Büchergutschein ;)) zum Kauf "verleiten".
Über den Inhalt kann ich mich nur ähnlich positiv auslassen, wie meine Vorrezensenten: Stefan Scheil betreibt hier wirklich innovative Geschichtsbetrachtung, was alleine schon aus der Tatsache resultiert, dass er die außenpolitischen Ziele, Schritte und Ereignisse nicht (ausschließlich) aus einer deutschen Perspektive betrachtet, sondern aus "globalpolitischer Sicht". Dies macht einem erst bewusst, dass der 2. Weltkrieg kein Ergebnis rein deutschen Machtstrebens war, sondern u.a. durch das unausgewogene Mächtsystems (verursacht durch den Versailler Vertrag) entstand. Er zeigt ebenso auf, dass ALLE Staaten ihre EIGENEN außenpolitischen Ziele verfolgten und keineswegs nur auf Hitlers Außenpolitik reagierten und sich ansonsten passiv verhielten. So beleuchtet er z.b. die britische Appeasement-Politik (die schon in den 20ern entstand) und Polens unrealistische Großmachtträume, ebenso Roosevelts Aversion gegen Deutschland (und Hitler) und die Entwicklung der Sowjetunion.
Was aber stört mich an diesem Buch, dass es nur 3 Sterne bekommt? Wahrscheinlich waren es meine zu hohen Erwartungen an dieses Buch. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich statt eines erwartet dicken Wälzers "nur" ein knapp 200-seitiges Essay bekam (wie es der Vorrezensent eigentlich deutlich beschreibt). Das ist zwar zuhauf gespickt mit sehr interessanten Überlegungen, Gedankengängen und Zwischenbetrachtungen (z.B. über kollektive Sicherheitssysteme), aber ich habe damals ein Buch erwartet, welches mir detailliert zeigt, was an der offiziellen Gesichtsbetrachtung (zumindest) fragwürdig ist. Scheil hingegen geht darauf gar nicht ein, sondern bietet einen kompletten Gegenentwurf, für den man, um ihn vollends verstehen zu können, jedoch entsprechendes Hintergrundwissen braucht (zumidnest wäre da sin meinen Augen empfehlenswert). Erst als ich mir Schulze-Rhonhofs Buch (welches mit über 500 Seiten auch einen entsprechend anderen Umfang hat) zugelegt und durchgelesen habe, habe ich Scheils Ausführungen vollends nachvollziehen können.
Es kommt also darauf an, was man sich von einem Buch über die Vorgeschichte des 2.WKs erwartet (besonders bei solch einem Preis). Ich persönlich würde zuerst zur Lektüre von "1939 - Der Krieg hatte viele Väter" raten (weil es detailliert auf die offiz.Geschichtschreibung eingeht). Trotz alledem ist Scheils Werk natürlich ein wertvoller Beitrag zu einer (leider kaum vorhandenen) differenzierten Geschichtsbetrachtung.