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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 14.08.2002
Manfred Geier diskutiert in seiner Besprechung John Deweys "Theorie der Forschung" ausgesprochen nachvollziehbar und mitunter sogar recht amüsant. Sehr ermutigend ist etwa Geiers Hinweis darauf, dass Dewey für strenge Logik überhaupt kein Gespür hatte. Da liest man selbst als Laie gern weiter. Aber zur Sache: Wie Geier darstellt, sei Deweys Buch keine Logik im klassischen Sinne, in ihm komme auch keine einzige Formel vor, vielmehr versuche er zu zeigen, wie rationale Denkoperationen aus organischen Tätigkeiten erwachsen. "Auch die hoch entwickelte wissenschaftliche Forschung ist begründet in den natürlichen Prozessen des Lebens, wobei ein kultureller Nährboden den notwendigen Stoff liefert", fasst Rezensent Geier Deweys Thesen zusammen. Den Grund dafür, dass Deweys "Logik" erst siebzig Jahre nach ihrem Erscheinen ins Deutsche übertragen wurde, vermutet Geier darin, dass die deutschen Wissenschaftstheoretiker die gleichen Vorbehalte gegen Dewey hatten wie schon dessen eigener Lehrer. Der hatte die "Theory of Inquiry", wie Geier zitiert, als "intellektuelle Zügellosigkeit" verurteilt und als "schreckliche Verschwendung an Denken, Zeit und Energie".
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Kurzbeschreibung
John Deweys Logik, ein Hauptwerk des großen amerikanischen Pragmatisten, ist ein komplexes und ungewöhnliches Buch. Logik – das ist für Dewey kein fixiertes, abstrakt-formales System, sondern etwas, das sich Hand in Hand mit der Forschung entwickelt. Wie ein Biologe mit Blick auf die verschiedenen Lebens- und Organformen stellt Dewey dar, unter welchen Bedingungen, in welcher »natürlichen Umwelt« logische Formen entstehen und sich entwickeln, und er zeigt, daß die spezifischen Techniken und Prinzipien der Logik eine adäquate theoretische Interpretation dadurch erhalten, daß man ihre Rolle innerhalb der Forschung darstellt. Deweys Logik vom Standpunkt eines naturalistischen Humanismus geht damit weit über die Ziele der formalen Logik hinaus und gewinnt heute, da sich die Logik zunehmend zu einer allgemeinen Informationstheorie entwickelt, immer stärker an Aktualität.