Als die Logik der Forschung im Herbst 1934 beim Julius Springer Verlag erschien, war sie eine zusammengestrichene Version von Poppers 'Grundprobleme der Erkenntistheorie'. Der Verlag bestand damals auf maximal 15 Bögen (240 Seiten), sodass Popper eine Kürzung seines Textes vornehmen musste, die er nicht übers Herz brachte. Diese Arbeit erledigte daher sein Onkel, der ungefähr die Hälfte der 'Grundprobleme der Erkenntnistheorie' zusammenstrich. Darüber hinaus arbeitete Popper viele Passagen um oder erweiterte sie, sodass am Ende ein neues Buch heraus kam. Bemerkenswert ist, dass Popper immer wieder Kritik an diesem 1934 erschienen Buch aufnahm und es in den folgenden 60 Jahren ständig überarbeiten und erweitern sollte.
Wie von Mohr Siebeck gewohnt, hat das Buch eine hervorragende Qualität in der Verarbeitung und ist sehr angenehm zu lesen. Auch der Preis ist für Mohr Siebeck günstig; was nicht heißen soll, dass das Buch günstig ist. Der Preis ist dennoch fair. Mit Herbert Keuth als Herausgeber hätte Mohr Siebeck wohl kaum eine bessere Wahl treffen können. Keuth hat noch weitere Zusätze der englischen Ausgabe, die bisher in der dt. Ausgabe fehlten, übersetzt, sodass nun auch die dt. Ausgabe vollständig ist. Auch sonst ist der behutsame editorische Aufwand bemerkenswert. Praktisch ist auch die von Piecha erstellte Seitenkonkordanz, die Vergleiche mit früheren Ausgaben und der englischen Ausgabe ermöglicht. Man sollte daher beim Kauf darauf achten, dass man die 11. und damit neuste Auflage erwirbt.
Gerade die ersten sieben Kapitel und einige Anhänge dürften für Einsteiger in Poppers Werk interessant sein. Die späteren Kapitel der Forschung werden aber teilweise sehr speziell, sodass Kenntnisse der Wahrscheinlichkeitstheorie, der Quantenmechanik und der formalen Logik von Vorteil sind. Wer einen Einstieg in die Wissenschaftstheorie von Popper möchte, kann dennoch zugreifen. Wer sich darüber hinaus auch für seine politischen Ansichten interessiert und einen günstigeren und leichteren Einstieg bevorzugt, der sollte zu 'Alles Leben ist Problemlösen' greifen, das m.E. eine noch bessere Einführung als 'Ausgangspunkte' ist.