Zufällig bin ich im Buchhandel auf das "Logbuch der Angst" gestoßen. Nach dem Klappentext erwartete ich eine spannende, detailreiche und verstrickte Geschichte. Tatsächlich wartete das Lesevergnügen mit erheblichen Untiefen auf:
Der Autor, Hympendahl, beherrscht sein Handwerk - das Schreiben - nur mäßig. Er beschreibt Dinge oft schlecht, es gelingt ihm nicht immer, sich in die Lage des Lesers zu versetzen, dem die Umstände noch nicht bekannt sind.
Ich weiß nicht, ob das nur mir so ging, aber es hat mich sehr gesört, dass man ständig mehrzeilige direkte Reden erst lesen muß, bevor man dann im nachfolgenden Satz endlich einmal den gnädigen indirekten Hinweis darauf bekommt, wer denn nun gesprochen hat.
Dagegen war es noch ein harmloseres Übel, dass man oft absatzweise mit Aneinanderreihungen von Segler-Fachausdrücken überschüttet wird, die man als Nicht-Segler unmöglich verstehen kann: "Er steigt aus dem Bootsmannstuhl, löst das Fall und legt es in vier Törns um die Windentrommel. 'Hochkurbeln könnt ihr das Tuch. Vorher müsst ihr die Schot im Cockpit fieren, aber das wisst ihr ja selber. Achtet nur dieses Mal darauf, dass das Fall richtig auf der Klampe am Mast befestigt wird.'"
Die Handlung ist simpel. Ich erwartete mehrere bedeutungsvolle Geschehnisse, die jeweils noch um einen psychologischen Aspekt bereichert werden, der durch die Spezialsituation auf dem Boot zustande kommt. Statt dessen läßt sich die Handlung m. E. auf einen Satz reduzieren: Einer von sechs Besatzungsmitgliedern hat Selbstwertprobleme, rastet schließlich völlig aus und erschießt zwei Crewmitglieder; einen weiteren erschießt er versehentlich beinahe. Darauf muss man bis etwa Seite 200 von 250 warten.
Die Story ist dennoch spannend, weil man weiß, dass sich alles, was man liest, so oder recht ähnlich zugetragen hat. Und man wird ja hingehalten, bis Seite 200...
Zum Schluß kam aber noch das (für mich) dicke Ende: Es wird um Verständnis für den ach-so-in-die-Enge-getriebenen Mörder geworben! Seitenweise wird sein Verteidiger vor Gericht zitiert und dem Leser nahegelegt, dass die Opfer quasi die Situation herbeigeführt hätten und der Täter eh keinen Mordvorsatz gehabt habe, obwohl es sich m. E. um regelrechte Hinrichtungen handelte.
Obwohl der Täter seine beiden Hinrichtungen ankündigte, versehentlich einen weiteren Mann um haaresbreite getötet hätte, die Spuren beseitigte, den Mitwissern gefährlich drohte, falls sie plauderten und auch noch finanziell Kapital aus seinem Verbrechen schlagen wollte, resümiert Hympendahl:
"Wo Verteidigung, Gutachter und die Presse [v. a. der Spiegel] Fragezeichen hinter dem Motiv und hinter dem Urteil [lebenslänglich] sahen, gab es für das Gericht keinen Urteilsnotstand."
Zum Glück war lebenslänglich für den Mörder nur 17 Jahre. Seit 1999 ist er wieder frei und treibt sich wieder auf Hafen-Marinas herum...