Die gute Nachricht zu erst. Der Roman ist besser als sein Vorgänger.
Sind im ersten Buch die Thriller-Elemente noch nicht gut umgesetzt, ist bei dem zweiten Band eine deutliche Steigerung zu merken. Auch die inneren Konflikte der Heldin werden besser dargestellt.
Anna Strong ist nun seit zwei Monaten Vampir und hat sich halbwegs daran gewöhnt. In der neuen Geschichte wird Sie mit der Ex-Freundin ihres Bruders und deren Tochter konfrontiert. Trish ist von zu Hause ausgerissen und in Drogen- und Mordgeschehnisse verwickelt und Anna soll sie finden. Nur langsam stellt sich heraus, dass die Darstellung von Trish durch ihre Mutter Carolyn nicht ganz der Wahrheit entspricht. Als anschließend noch Trishs beste Freundin tot aufgefunden wird, ist Anna immer mehr bestrebt, den Fall zu lösen, vor allem aus persönlichen Gründen.
In diesem Roman spricht die Autorin neben der Vampirthematik auch pornografische und sexuelle Missbräuche an. Die sogenannten Snuff-Filme sind auch in der Realität ein Problem. Hierbei handelt es sich um Filme, bei denen der Zusschauer nie weis, ob Schauspieler oder tatsächliche Opfer abgebildet werden. Zudem handelt sich um Pornografie, die sexuelle Gewalt darstellt.
Leider bleibt diese erste Thematik nur oberflächlich dargestellt, was den Eindruck vermittelt, dass die Autorin diesen Sachverhalt nur behandelt, um ihre Geschichte zu spinnen. Dies zeigt sich auch darin, dass nach dem Auffinden von Trish diese Figur nur noch Nebendarstellerin ist, auf deren Gefühlswelt nicht sehr intensiv eingegangen wird.
Ähnlich ist es mit den anderen Figuren, die im Laufe der Geschichte an Bedeutung und Darstellung verlieren. Einzig Daniel spielt als neue Figur dauerhaft eine Rolle.
Großes Manko des Buches jedoch bleibt Anna Strong. Weder als Kopfgeldjägerin, die nur dümmliche Fragen stellt und kaum Zusammenhänge erkennt, noch als Vampir kann sie überzeugen. Ihre ständigen inneren Konflikte beginnen bereits nach wenigen Seiten durch die sprunghafte Schreibweise der Autorin zu nerven. Mal macht Sie sich Sorgen um sich selbst, dann wieder um Trish, dann versucht Sie etwas herauszufinden und schwengt wieder zu ihrem Partner ab usw.
Wie beim Vorgänger weis der Leser, trotz Ich-Erzählerin, viel früher als die Heldin, wer in dieser Geschichte gut und böse ist. Im Gegensatz zu "Verführung der Nacht" wird dieser Moment jedoch länger herausgezögert und tritt etwas zwischen der Hälfte und dem dritten Viertel des Buches auf.
Wurde im ersten Teil noch die Entstehung von Strongs Vampirdarsein und die Suche nach den Zusammenhängen dargestellt, verkommt der Vampirismus in diesem Buch völlig. Neben einigen Gesprächen und Andeutungen des Chiefs, der Beziehung zu Daniel und dem "speziellen" Museum könnte Strong auch menschlich oder ein Fee sein. Die Probleme könnten die Selben sein.
Warum sollte man dieses Buch also lesen?
1. Wer den ersten Teil mochte, findet hiermit gute Fortsetzung , vor allem weil sich die Autorin stilistisch weiterentwickelt hat.
2. Das Ms. Stein sich einem wichtigen Thema wie Missbrauch und Pornografie annimmt, wenn auch nicht sehr überzeugend, ist interessant und wird nicht explizit dargestellt, sodass der Leser sich die Sachverhalte vorstellen kann, ohne mit harten Beschreibungen konfrontiert zu werden.
3. Dieses Buch kann man auch lesen, wenn man nicht Vampirgeschichten-Leser ist, da die Vampirelemente lediglich eine Zugabe zur Szenerie sind.
Deshalb gibt es von mir 3 1/2 Sterne auch wenn oben etwas anderes angezeigt wird.
Es ist wünschenswert, dass die Autorin diese positive Entwicklung weiterführen kann und lernt, die Figuren und ihre Konflikte besser zu beschreiben.