Auf die aktualisierte Neuausgabe dieses Führers haben die Anhänger der Slow Food Philosophie schon lange gewartet. Und wer von dieser Vereinigung noch nie gehört hat, wird sie spätesten dann in seinen Bekanntenkreis aufnehmen, wenn er den Tipps ihrer Publikationen folgt. Eine Garantie, dass die 1150 empfohlenen Übernachtungsmöglichkeiten alle im Buch aufgeführten Versprechungen erfüllen, können die Autoren natürlich nicht abgeben. Aber eigene Erfahrungen, Rückmeldungen von Freunden und Kommentare im Internet zeigen, dass es wohl nur wenige Hotelführer gibt, die so seriös recherchiert wurden wie "Locanda d'Italia". Das liegt auch daran, dass hier nicht eine einzelne Person durch ein Land tingelt und allzu zufällige Eindrücke verallgemeinert. Will man aussagekräftige und aktuelle Informationen über touristische Infrastrukturen liefern, braucht es Dutzende von "Spähern" und "Probegästen". Daher umfasst die Liste der Mitarbeiter und Autoren auch zwei Seiten mit klein geschriebenen Namen.
Nach einem Vorwort, einigen wenigen Benutzerhinweisen und einer Seite mit Adressen ganz besonders hervorragender Unterkünften geht es mit der Reise durch Italiens "Locande" los. Für diesen Begriff entschied man sich, weil er sich nicht dagegen sperrt, verschiedenste Betriebe auf seinem Bedeutungsfeld zu dulden. Und wenn er einige Leser an Goldonis "Locandiera" oder an die Figur von Mirandolina erinnert, ist dies durchaus erwünscht. Auf den über 600 Seiten finden sich Adressen und Beschreibungen von Einzelzimmern, Bed & Breakfasts, kleinen Hotels mit und ohne Restaurant, Agriturismi und Ferienbauernhöfe, Apartmenthotels, Ferienhäuser, Jugendherbergen, Gästehäuser religiöser und nichtreligiöser Vereinigungen. Das Preislimit für ein Doppelzimmer mit Frühstück wurde auf 130 Euro angesetzt. Das ist zwar nicht wenig, aber notwendig, wenn man den Lesern auch Übernachtungsmöglichkeiten in großen Städten und wichtigen Urlaubsorten anbieten will. Der größte Teil der Empfehlungen bewegt sich allerdings in einem tieferen Preisniveau.
Die Reise durch die 21 Regionen Italiens beginnt im Aostatal. Zuoberst steht jeweils die Ortschaft, dann folgt der Anfahrtsweg. Der Name der Übernachtungsmöglichkeit ist in einem erdigen Rot gedruckt, in dem auch auf die neu aufgenommenen Beiträge aufmerksam gemacht wird. Es folgen die üblichen Angaben wie Klassifizierung, Adresse, Telefon, Fax, Mail, Website und Öffnungszeiten. Danach wird die Unterkunft in wenigen Sätzen beschrieben, wobei ich immer wieder staunte, was gute Texter in wenigen Worten vermitteln können. Am Ende eines Artikels stehen noch die Anzahl der Zimmer, ihre Ausstattung, Preise mit oder ohne Frühstück, Besonderheiten der Unterkunft und Zahlungsmöglichkeiten.
Mein Fazit: Für die Richtigkeit der Angaben kann ich natürlich nicht bürgen. Aber ich kann zumindest bestätigen, dass dieser Führer in Italien ein hohes Ansehen genießt. Und eine echte Alternative zu diesem Führer bezahlbarer Übernachtungsmöglichkeiten gibt es ohnehin nicht. Das macht deshalb wenig, weil ihn die Herausgeber auch ohne Konkurrenzdruck liebevoll pflegen und regelmäßig aktualisieren.