wenn man das kapitel drei, architektur und soziale fragen (seite 51 - 66), exemplarisch einmal herauspickt, haette man ein gutes, typisches anschauungsmittel fuer russellsches denken und schreiben:
frueher wurden per architektur gern gemeinschaften glorifiziert: die akropolis in athen nennt russell und das colosseum in rom. zwigeteilt war dann demgegenueber christliches bauen: der pracht und weite der kirchenräume standen die kargen, kahlen zellen der mönche gegenüber, der individualismus-kult war (anders als bei villen- oder burgherren oder pyramidenerzeugern): verpönt. der russell-sprung in die moderne ist interessant: während die männer sich noch in gemeinschaftsräumen aufhalten durften (fabriken), wurden die frauen (wie zu bewachender besitz) in eigenheime weggesperrt und der vereinzelung ausgesetzt. die westliche kultur scheint da nur versteckter zu sein als der in dieser hinsicht offen frauenfeindlich agierende islam. russellsche konsequenz aus dieser scharfsichtigen beobachtung: zurückführung der frauen in den öffentlichen raum, hauptmittel: ihre verstärkte teilnahme am erwerbsleben. als russell das vor ca. 50 jahren schrieb, war die entwicklung noch nicht so positiv vorangeschritten wie heute. immerhin hat er unmissverstaendlich dargestellt, dass sich architektur-planung aus sozialen, ideologischen vorstrukturierungen ergibt. nicht umsonst erhielt er übrigens 1950 den literaturnobelpreis fuer sein werk "EHE und MORAL". das kleine, nun neu aufgelegte russell-buechlein LOB DES MUESSIGGANGS ist eine kurzweilige, hervorragende einführung in sein beruehmtes philosophisches und global-politisches treiben ...