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Lob der Disziplin: Eine Streitschrift [Taschenbuch]

Bernhard Bueb
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (64 Kundenrezensionen)
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Disziplin, so hat die Erfahrung den langjährigen Schulleiter des Internats Salem, Bernhard Bueb, gelehrt, ist das Tor zum Glück. Sie, so seine These, bildet das Rückgrat einer jeden guten, das heißt: gelingenden Erziehung. Erst durch sie und mit ihr der Fähigkeit, Autorität (und Autoritäten) anzuerkennen, auf die unmittelbare Befriedigung eines jeden Bedürfnisses zu verzichten und Verantwortung zu übernehmen, werden junge Menschen in die Lage versetzt, ein tatsächlich selbstbestimmtes Leben zu führen -- was ja unbestritten eines der vorrangigen Ziele von Erziehung darstellt.

Seiner Streitschrift, die dem überkommenen Laisser-faire-Leitbild der 68-erPädagogen das Scheitern attestiert, hat der Autor einen Fontane-Vers vorangestellt, der den Kern seines Erziehungskonzepts auf den Punkt bringt: „Freiheit freilich. Aber zum Schlimmen. / Führt der Masse sich selbst Bestimmen. / Und das Klügste, das Beste, Bequemste / Das auch freien Seelen weitaus Genehmste / Heißt doch schließlich, ich hab’s nicht Hehl: / Festes Gesetz und fester Befehl!“

Manches Elternohr wird bei solchen Worten erröten. Und dies aus guten Gründen. Das weiß natürlich auch Bernhard Bueb, der auch um die Ursache für solcherlei Unbehagen nur zu genau weiß: Zutiefst erschüttert wurde die pädagogische Kultur in Deutschland durch den Nationalsozialismus, der im Anschluss an den Kadavergehorsam der kaiserlichen Kadettenanstalten Begriffe wie Disziplin und Autorität in der pädagogischen Praxis vollends pervertierte. Die 68-er-Pädagogik war der Pendelschlag in die Richtung des anderen Extrems, der scheinbar völligen Beliebigkeit. Gegen diese Beliebigkeit zieht Bueb bei aller Irritation, die seine provokant klingenden Thesen bei vielen Lesern hervorrufen wird, mit guten Gründen zu Felde. Wir wünschen dem Autor jedenfalls, dass sein Lob der Disziplin eine heftige Debatte auslöst. Schließlich ist das der Sinn einer jeden „Streitschrift“. Aus unserer Sicht jedenfalls: Unbedingt lesenswert! -- Hasso Greb -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

'Antiautoritäre Erziehung, sagt der Pädagoge und Hartmut-von-Hentig-Schüler Bernhard Bueb, gebe es nicht, könne es nicht geben, denn Erziehung ohne Autorität sei eben keine Erziehung . . . Seinen nachdenklichen Ausführungen zu Eltern und Lehrern wünscht man die barmherzige Aufmerksamkeit, die jahrzehntelang mehr den Kindern zuteil wurde.' (DIE WELT, AS, 15.09.06)
'Der rastlose Ruheständler hat zum rechten Zeitpunkt gesagt, was bislang verpönt war: Erziehung ist vor Jahrzehnten das Fundament weggebrochen; die vorbehaltlose Anerkennung von Autorität und Disziplin . . . Und dennoch, die Zeit scheint reif zu sein für eine Debatte über die neuen, alten Werte: Einen Satz Buebs dürfte jeder unterschreiben. Der zentrale Anfang aller Erziehung heißt: den Glauben junger Menschen an sich selbst zu stärken.' (SÜDKURIER)
'Bueb will mehr Mut zur Erziehung machen. Damit meint er, die Erwachsenen sollten sich nicht verstecken. Sie schulden den Kindern Lebensformen und Herausforderungen. Sie mögen doch bitte für das, was sie für richtig halten, einstehen. Bueb will die Würde der Erwachsenen wieder herstellen.' (DIE ZEIT, Reinhard Kahl, 28.09.06)
'Ich stimme Herrn Bueb voll zu. Man fährt in einer Dreißiger-Zone nicht aus Höflicheit 30, sondern weil man Angst vor dem Strafzettel hat. Angst muss sein, auch als Schüler muss man Angst vor Strafen haben. Jugendliche sind provokant und testen Grenzen aus. Da muss die Schule gegensteuern.' (Eugen Lamotte, 21 Student Bachelor)
'Bernhard Bueb hat mit seiner Streitschrift Lob der Disziplin wahrlich einen Aufreger verfasst. Und er ist einer, der es wissen muss: 30 Jahre lang leitete er die Eliteschule Schloss Salem am Bodensee . . . Sein Buch sorgt in Deutschland für Furore - nun auch in Österreich.' (NEWS, Österreich, 21.09.06)
'Mit seiner Streitschrift für radikale Umkehr in der Erziehung hat der frühere Lehrer Bernhard Bueb einen Nerv getroffen. Überforderte Eltern, verzweifelte Lehrer, Jugendliche, die sich nach der Schule als kaum ausbildungsfähig erweisen - das Scheitern von Erziehung, früher mal ein Randphänomen, ist zu einem Top-Thema in der Politik und Gesellschaft geworden. Da verwundert es nicht, dass der pensionierte Lehrer Bernhard Bueb mit seiner schmissigen Streitschrift Lob der Disziplin den Nerv traf und auf Anhieb einen Bestseller landete.' (NEUE RUHR ZEITUNG, Frank Steglein, 22.09.06)
'Was mussten wir nicht alles erleiden! Unser langjähriger Schulleiter bei Johannes B. Kerner, bei Sabine Christiansen, gekürt zum strengesten Lehrer der Nation auf der Titelseite der Bild Zeitung. Aber Bernhard Bueb ist kein Lackaffe. Buebs christlich-humanistisches Menschenbild ist heutzutage kaum noch jemandem geläufig, am allerwenigsten den Erziehenden. Genau darin steckt die stärkste Wahrheit seines Buchs . . . Das Buch hat sein Ziel schon längst erreicht: Die Debatte um Erziehung in Deutschland ist angestoßen.' (18.01.07 Frankfurter Allgemeine, Dustin Klinger)

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112 von 131 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ich bin achtzehn Jahre alt und selbst noch Schüler an einem Gymnasium in Überlingen (wo übrigens Herr Bueb lebt und sich das Salem International College befindet). Ich gehöre somit wohl eher nicht zur anvisierten Leserschaft des Autors, wird mir hier doch vorgehalten, wie schlimm es mit meiner Generation stehe und dass uns nur mit dem, wenn schon nicht physischen so doch ideologischen Rohrstock beizukommen sei.
Ich habe "Lob der Disziplin" aus Interesse gelesen. Der Mangel an Motivation, der schlechte Kurs der Bildung und das Verlachen und die Ablehnung jener, die sich (gegen die allgemeine Praxis) in der Schule einbringen, sind mir persönlich durchaus auch schon aufgefallen. Als Diskussionsbeitrag, was das Buch schon dem Untertitel nach sein will, ist das Werk sicherlich geeignet.
Allerdings schießt Herr Bueb meiner Meinung nach etwas übers Ziel hinaus. Das Gesamtbild, das er von Jugendlichen zeichnet, entspricht kaum der Realität. Er vertritt offenbar die Ansicht, das junge Menschen grundsätzlich nicht wüssten, was gut und richtig für sie sei und nur ihren animalischen Spiel- und Vergnügungstrieben folgen würden und somit die sehr viel reiferen und weiseren Erwachsenen bräuchten, um ihnen, notfalls mir Zwang, den rechten Weg zu weisen. Das Bild vom unmündigen, um seiner selbst willen ständig zu reglementierenden Jugendlichen scheint mir eindeutig zu negativ, zumindest lässt es sich nicht allgemein anwenden. Die Ideen der Abschaffung der Demokratie in der Schülersprecherschaft oder der Rückkehr zu verpflichtenden Gottesdiensten an den Schulen, worin die religiöse Überzeugung des Theologen Bueb zu Tag tritt, halte ich für verfehlt und anachronistisch.
Insgesamt heiße ich das Erscheinen dieses Buches gut, allerdings würde ich dringend davon abraten, es als Bibel der Erziehung heranzuziehen. Die Inhalte sollten nicht unreflektiert akzeptiert sondern hinterfragt werden. Dass dies in der Gesellschaft geschieht, zeigen die zahlreichen Interviews mit Herrn Bueb in Zeitungen und Fernsehen oder das Buch "Vom Missbrauch der Disziplin". Die Diskussion um Bildung, Laisser-faire und Disziplin hat das Buch auf jeden Fall wieder angestoßen.
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75 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lesenswerter Denkanstoß 11. Oktober 2006
Format:Gebundene Ausgabe
Bernard Bueb nennt sein Buch eine Streitschrift, und das trifft den Inhalt sehr gut. Wenn man sich auf das Vorstellen seiner These konzentriert und sich weniger um die Auseinandersetzung mit alternativen Thesen kümmert, dann ist das nicht ausgewogen, sondern Anlass zur Diskussion. Schön, wenn das auch so deklariert wird.

Angenehm ist, dass Bueb im Buch nicht den Eindruck erweckt, er habe das Allheilmittel gegen alle Probleme der Erziehung gefunden (als langjähriger Internatsleiter weiß er, dass es das nicht gibt). Vielmehr sieht er Disziplin als wichtiges Hilfsmittel und erläutert wieso.

Ich habe etliche interessante Gedanken bei ihm gefunden, beispielsweise das Argument, dass Disziplin den Alltag entlastet, weil viele Situationen ohne großes Nachdenken gelöst werden können (z.B. wann bedanke ich mich, wann nicht), oder die These, dass demokratische Mitbestimmung durch die Erzogenen wenig Sinn macht, weil sie die Tragweite ihrer Entscheidung mangels Erfahrung nicht abschätzen können (welches Kleinkind weiß, was Karies tatsächlich bedeutet) und sie häufig für die Konsequenzen moralisch nicht geradestehen müssen (wer klärt schon Lehrstellensuchenden öffentlich darüber auf, dass sie u.U. den gewünschten Ausbildungsplatz nicht verdienen, weil sie sich nie die Mühe gemacht haben, ordentlich rechnen zu lernen - da gibt man doch lieber der Schule die Schuld dafür). Der Zusammenhang zwischen Disziplin und Freiheit ist eine eigene Auseinandersetzung wert. Und nicht zuletzt gibt Bueb eine interessante Erklärung dafür, weshalb Lehrer seit einigen Jahrzehnten immer mehr Erzieheraufgaben leisten müssen, wie diese vielfach beklagen.

Leider werden einige interessanten Aspekte (z.B. dass man als Erziehender selten weiß, ob die einzelne Entscheidung richtig oder falsch war und dies auch nie erfahren wird, deswegen aber trotzdem stets eine klare Stellung beziehen sollte, was wiederum voraussetzt, dass man selbst ausreichend moralisch gefestigt ist) nur kurz angesprochen. Abschließend ist das Kapitel Erziehung mit diesem Buch jedenfalls nicht behandelt.

Der Aufbau des Buches hätte besser sein können; mir fehlte ein wenig der rote Faden, der von einem Kapitel zum nächsten führt, wenngleich die Kapitel in sich jeweils schlüssig sind (die ersten mehr als die letzten).

Gestört hat mich auch, dass die meisten Zitate, die im Buch auftauchen, nicht korrekt wiedergegeben sind (so ein Fontane-Zitat, ein Schiller-Zitat u.a.); ein unnötiger Faux-pas. Und wenn der gläubige Katholik mit ihm durchgeht, kommt auch keine Freude auf.

An manchen Stellen kann der Text leicht missverstanden werden. Wer will, kann Disziplin mit Strammstehen verwechseln und dann erbost gegen das Buch wettern. Und wenn Bueb schreibt, Kinder hätten keinen Verstand, weiß ich als Vater zwar, was er eigentlich meint, ahne aber als Leser, dass die Gegner des verantwortungsvollen Erziehens sich ein Fest daraus machen werden, diese Stellen zu zitieren.

Bueb spricht sich klar gegen körperliche Züchtigung und für Respekt gegenüber den Erzogenen aus (er spricht von "Liebe" in einer religiös verwendeten Prägung, was heutzutage leicht zu Missverständnissen führt), womit man sich auf seine Thesen getrost einlassen kann, weil in jedem Fall die Grundpfeiler einer modernen Erziehung gewährleistet sind. Bueb will nicht zurück zur guten alten Zeit, er will nur ihre Hilfsmittel nutzen, sofern sie gut sind. Das macht Sinn.
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74 von 97 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Nach der Lektüre eines Probekapitels (des Zweiten im Buch) habe ich dieses Buch gekauft und zusammen mit meiner Frau gelesen. Wer außer Herrn Bueb hat schon über 30 Jahre Erfahrung mit der Erziehung von Kindern? Das schien mir Interessant genug, um ein paar Stunden zu investieren.

Zweifellos sind einige gute Denkansätze in dem Buch enthalten: Eine gute Definition von Freiheit und eine Überzeugende Erklärung, weshalb zu Ihrem Erreichen Disziplin unablässig ist zum Beispiel. Auch die Erklärung, weshalb es Situationen gibt, in denen man nicht diskutieren darf sondern autoritär sein sollte (und somit Disziplin einfordert), ist überzeugend und wir haben sie bereits erfolgreich in die Tat umgesetzt.

Mit fortschreitender Lektüre begannen wir allerdings eine differenziertere Sicht zu vermissen. Herr Bueb versucht offenbar, das gesamte Übel dieser Welt mit dem Mangel an Disziplin und der laschen Erziehung der 68er ff zu erklären. Das Heilmittel dagegen ist ja so simpel - Strammstehen und Gehorchen.

Vollends lächerlich wird er, wenn er Fernsehen, Computerspiele, Alkohol, Haschisch, Nikotin und die "passive Art, Musik zu konsumieren" als eine unausweichliche Folge betrachtet. Beginne mit einem und das Andere kommt unabwendbar. Buebs Lösung, ein mehr oder minder totales Verbot, wird kaum ein Kind in die Lage versetzen, mit diesen, in unserer Gesellschaft allgegenwärtigen Dingen (Haschisch ausgenommen) richtig umzugehen.

Alles in Allem konnten wir uns des Eindrucks nicht erwehren, daß die Ideen Herrn Buebs eher dazu dienen, ein Internat mit 500 (oder mehr) widerspenstigen Schülern zu organisieren, als das zu tun, was wir Eltern wollen: unseren Kindern, und zwar jedem Einzelnen, eine möglichst gute Entwicklung zu ermöglichen. Ihre Bildung und Ihre Chancen zu entwickeln, in dieser Welt zu Ihrer und unser aller Zufriedenheit leben zu können. Nirgendwo lese ich in dem Buch von Herr Bueb darüber etwas.

Förderung der Kreativität zum Beispiel spielt hier keine Rolle. Stattdessen schwärmt Herr Bueb über die Nutzung des Spieltriebes und der Teambildung als soziale Tugenden, um Menschen "für Extremsituationen zu qualifizieren, wie sie der Krieg mit sich bringt". Wir waren entsetzt, als wir das lasen.

Unsere Gesellschaft braucht selbständig denkende, hoch ausgebildetete Menschen, die kreativ sowie erfindungsreich sind und querdenken können. Das Einüben und disziplinierte Wiederholen von Bekanntem wird uns in den ökonomischen und gesellschaftlichen Ruin führen. Disziplin, Gehorsam und bedingungsloses Unterwerfen unter eine Autorität ist meines Erachtens ein vollkommen untauglicher Weg, um unsere Kinder so zu erziehen, daß sie in unsererm globalisierten Leben bestehen können.

In diesem Buch wird Disziplin zu einer Maxime, der alles andere unterzuordnen ist. Unser Resümee? Problem nicht erkannt.
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