Schier unerträglich bizarr kann ein Film nur werden, der sich an Hunter S. Thompsons Worte hält. Denkt man zumindest, nachdem sich dessen LSD-geladene Lektüre noch frischgelesen in einem herumwälzt. Unglaublich, aber wahr ist jedoch, dass die erste Buchhälfte getreu der Vorlage von Gilliam und Crew visualisiert wurde. Johnny Depps einzigartige Mimik und dessen äußerliche Ähnlichkeit zum Original hätten besser nicht sein können. Erst zum Ende der Geschichte wird deutlich, was in der Literatur wirkt, das gonzoistische Drogenwunderland im Film jedoch leicht schluckt: die journalistische Hommage des Anti-American Dream. Immer wieder stolpert man in der zweiten Romanhälfte über Anmerkungen des Verlegers, der aus rechtlichen Gründen hier den Namen einen Drogengurus der 1970er nicht publizieren mag oder dort ein Tonband Thompsons weder transkribieren noch schlüssig machen kann, da selbst der Autor sich weigert, es zu lesen oder es wieder einmal unauffindbar ist. Herrlich, doch im Film unmöglich zu erfassen.
Exzessiven echten Literaturjournalismus erfährt der Leser bei Thompsons Buch, niemals einen reinen Unterhaltungsroman. 'Fear and Loathing. Das ist doch dieser Drogenfilm, oder?' Nee Nee. Das ist die Geschichte über das Scheitern des amerikanischen Traums, über die Suche nach einer Antwort auf die Sinnfrage des tragikomischen Seins, über die Flucht vor all dem verdrehten Grotesken, das die drogenfreie Gesellschaft zu bieten hat, und über die Begründung des Gonzo-Imperiums.
Mein Buch vs. Film-Sieger: Die Tendenz zum dicken fetten unentschieden ist einfach zu groß.
Originalrezension hier bei: hausplusmann.wordpress.com