Da sind sie also wieder, einer potentialbeladensten Geheimtipps der neueren Schule des Melodeath. Tracedawn. Und das mit nicht geringfügiger Umbesetzug. Denn nachdem mit dem Zweitling "Ego Anthem" ein gewichtiger Meilenstein irgendwo zwischen Soilwork und Scar Symmetry gesetzt war, verabschiedete sich 2011 Sänger Antti Lappalainen.
Dieser konnte schließlich durch Niko Kalliojärvi (ex-Amoral) ersetzt werden, der nun den extremen Gesang schultert. Die Cleanvocals übernimmt fortan Gitarrist Tuomas Yli-Jaskari.
In dieser Besetzung hat es nun auch das dritte Album "Lizard Dusk" in die Regale geschafft.
Und das eröffnet amtlich. "Arabian Nights" bläst mit saftig nach vorn stürmenden Riffs und temporeichem Ohrwurm-Refrain durch die Mähne. Keine Einbußen also durch den Besetzungswechsel? Scheint so. Doch schaut man genauer hin, kann man sich doch dem Eindruck nicht entziehen, dass der Gesangshook nicht ganz so energetisch und kreativ ist, wie man es noch von "Ego Anthem" gewohnt war. Auch die an Scar Symmetry erinnernden dezent progressiven Ausschweifungen bleiben außen vor. Und klingen die Synths nicht irgendwie viel klimperiger?
Nun, das muss ja alles nichts schlechtes sein und auch sicher kein Omen. Und so hört man weiter und merkt: Es mag nichts schlechtes sein. Aber ein Omen ist es durchaus.
Progressive Ausfälle bleiben diesmal über weite Strecken ebenso aus, wie derberer blastbeatlastiger Melodeath. Das Material ist klar groovebetonter und durch die helleren und weniger an Piano-Linien orientierten Synths auch entschieden futuristischer als zuvor.
Die meisten Songs bleiben recht starr im Schema-F Bereich mit hartem Strophe und cleanem Refrain. Was freilich auch nicht unbedingt schlecht sein muss. Dann jedoch müssen die Strophen Knaller sein und die Refrains Killer, um das Prinzip nicht verschleißen zu lassen.
Punkt eins kann die Band glücklicherweise die meiste Zeit liefern. Die Strophen bestechen durch wuchtiges Schlagzeug, dicke Grooves, große, teils epische, Melodien mit dichter futristisch angehauchter Atmosphäre und die engagierten derben Growls von Kalliojärvi.
Einzig die Synths sind ab und an zu dominant eingesetzt.
Viele der Refrains schaffen es jedoch nicht, das mitreißende Tempo von "Arabian Nights" aufzunehmen und versinken in aalglatten, eingängigen aber wenig interessanten klaren Gesangslinien und zu sehr in den Vordergrund gespielte Kleister-Synths.
Es ist bezeichnend, dass es gerade die etwas aus der Reihe fallenden Songs sind, die am meisten überzeugen. Das sich langsam aufbauende halb-instrumentelle "The Crawl" hinterlässt ebenso ein positiv überraschtes Grinsen, wie das mit Swing-Elementen angereicherte "Nothing And Nowhere" oder das episch-gewaltige durchweg extrem eingesungene "You're Fired".
Der Rest bewegt sich zwar im guten Standard, kann jedoch auch nur selten daraus hervorstechen.
Die eher kalte, dreckbefreite und glatte Produktion trägt nicht unbedingt dazu bei, den Songs mehr Charakter zu verleihen.
"Lizard Dusk" ist letztlich nicht ganz einfach zu bewerten. Es hat seine Ohrwürmer, es hat seine wirklich guten Ideen aber es hat auch oft eine zu konventionelle Herangehensweise, ohne innerhalb dieser Konventionen wirklich glänzen zu können.
"Lizard Dusk" ist damit quasi sehr guter Durchschnitt. Für Fans der Richtung, die mit Bands wie den genannten oder auch beispielsweise Mygrain etwas anfangen können, bleibt dieses Album ein gefundenes Fressen, um jedoch lange im Gedächtnis zu bleiben, ist es schlicht zu glatt, bietet zu wenig Punkte, an denen man sich dauerhaft festhalten könnte.