Nach dem überaus erfolgreichen 1985-er Erstling geht es hier musikalisch in dieselbe Richtung weiter: Eingängige und etwas seichte Melodien, jedoch etwas mehr Aggression, als beim Vorgänger Album. Mike zeigt hier, zusammen mit seinen Kumpanen Neil, Davis und Robertson, dass er sehr schöne Melodien schreiben kann. Einige Interessante Stellen sind etwa der Anfang von "Nobody's Perfect" oder das bombastische "Why Me?".
Die Rollenverteilung der beiden Sänger schält sich heraus: Carrack ist eher für das soulige, Young eher für das rockige zuständig. Die beiden ergänzen sich Stimmlich sehr gut und bereichern die Musik.
Ganz so wie bei den (späteren) Genesis, geht der alte Mike mit seiner Gitarre auch hier sehr zurückhaltend und sparsam zu Werke, setzt hier und da ein paar Farbtupfer in Form von gelungenen Riffs und setzt sein Instrument eher rhythmisch ein, als tragend oder dominierend. Virtuose ist er eher am Bass, jedoch hält er sich auch hier, leider vornehm zurück. Das Ganze soll eben doch eindeutig den Massengeschmack treffen, was damals auch gut gelang: Große Gigs in den USA, "The Living Years" ist in den Charts ganz oben.
Übringens sind Vergleiche mit Genesis eher müßig, da der gute Mike hier eingeutig massen-tauglichen Pop produziert und kaum bis gar nicht progressiv wirken möchte. Andererseits haben sich Solo-Ausflüge der Genesis-Mitglieder niemals integritätsgefährdend ausgewirkt und wurden explizit als "befreiend", "reinigend" oder "entspannend" von den Genesis-Jungs definiert. Immerhin wagte sich Herr Banks bereits 1979 ins erste Solo-Abenteuer und bis zum Collins' "Kein-Bock-Mehr-Statement" im Jahre 1996, gingen so ein paar Jährchen ins Land...
Zurück zum Thema.
Was hier dominiert ist eindeutig Adrian Lee's Keyboardarbeit. Seine Keyboardflächen lassen das Ganze fließen und erzeugen eine - für die 80-er typisch - "verregnete" Athmosphäre.
Dagegen klingt die Gitarre leider eher ziemlich dünn, leise, dezent, wie es im Popsegment damals üblich war.
Meiner Meinung nach, liegt die große Stärke der Mechanics in den Refrains, die wirklich Gänsehaut erzeugen und sich schnell ins Ohr eingraben. Typisches Beispiel ist "Nobody Knows". Drumherum plätschert es angenehm daher, bis dann das Refrain angekracht kommt.
Dies ist ein glatt-poliert produziertes Album mit schönen Melodien aber eben nichts, was einen vom Hocker reißt...