Aus der Amazon.de-Redaktion
Die seit 1969 andauernde Solo-Karriere von Neil Young ist gezeichnet von Höhen und Tiefen, musikalisch wie textlich. Das nur in wenigen Tagen eingespielte , sehr kraftvolle Rockalbum
Living With War gehört nicht nur auf die Positivliste gesetzt, es ist wohl das beste Studioalbum seit
Ragged Glory. Das erschien immerhin schon 1990 und Youngs Begleitung hieß damals Crazy Horse. Sechszehn Jahre später klingt
Living With War, als hätte diese überragende Backing-Band erneut mitgewirkt dem ist aber nicht so.
Neben einem 100-köpfigen Chor aus Freiwilligen (es kamen viel mehr Menschen als geplant) ging der gebürtige Kanadier Young, der seit Ewigkeiten in den USA lebt, mit Chad Cromwell, Rick Rosas, und Tommy Bray ins Studio. Aber davon werden die Diskussionen, die Living With War begleiten, nicht bestimmt. Der Patriot und ewige Hippie Neil Young hat sich nämlich auf die Seite der Bush-Gegner geschlagen und zeigt sich politisch so aktiv, wie lange nicht mehr.
Wo er steht, wusste Young wohl selber nicht immer. Einmal protestiert er gegen eine brutale Niederschlagung von Studentenprotesten (Ohio), sympathisiert mit rechtskonservativen Gedanken (Hawks & Doves), unterstützt Ronald Reagan trotz aller Fanproteste und hinterlässt in Lets Roll (Are You Passionate?) einen bitteren Beigeschmack, weil er im Eifer wohl die gesellschaftlichen Folgen von Terroristenbekämpfung übersah. Young hat mal über sich selber gesagt: I don't have a view, I have an opinion that changes because everyday is a different day.
So, wie er es roh und vital auf Living With War krachen lässt, muss der Saft, in dem er 2006 im Alter von 60 Jahren steht, wohl gebrodelt haben. kein Wunder nach Hurrikane Katrina, dem Irak-Krieg und so manch anderen Blindgängern der Bush-Administration. Ärger ist manchmal doch ein guter Ratgeber! Und der musste schnell raus. Deshalb wurden Album wie die Songtexte schon vor der Veröffentlichung des physischen Tonträgers frei im Internet zugänglich gemacht. Im Radio dürfte Lets Impeach The President mit der seiner offenen Aufforderung, Bush Jr. aus dem Amt zu jagen wohl genauso wenig in die Rotation kommen wie Restless Consumer, der von all den Lügen im Fernsehen handelt. Dafür wird Living With War sich noch auf Plattentellern und in Playern drehen, wenn diejenigen, die in neun grandiosen Songs und einer dick aufgetragenen (America Is Beautiful) Hymne angesprochen werden, sich ganz woanders drehen... --Sven Niechziol
Stern
Nun kommt er wieder vom Berg wie einst Moses und poltert und dröhnt: Neil Young, die knorrige kanadische Eiche des Rock, brüllt auf "Living With War", dass Präsident Bush ein Lügner und Kriegstreiber sei - Neil Young als Michael Moore mit Musik, sozusagen. Das ist wirklich nicht neu, ebenso nicht, wie er seine Gitarre und seine nölig-unverwechselbare Stimme durch die zehn Songs scheucht. Er klingt, wie Neil Young immer klingt - nach Garage, alten Verstärkern, ungemachten Betten, vollen Aschenbechern und Bierdosen. Mit "Living With War" vollzieht der Mann allerdings eine politische Kehrtwende. Nach den Anschlägen vom 11.September hatte der Rocker noch einen Bush-freundlichen Ton angeschlagen. Sein neues Album hat Young in schnellen zwei Aprilwochen aufgenommen und ohne große PR-Maschinerie auf den Markt gebracht - man hört die Eile auf jedem Stück.Auf seiner Internetseite vergleicht er die CD mit der Musik der Protestsänger der 60er Jahre. "Ich werde mich niemals den Regeln der Gedankenpolizei ergeben", sagt Young. Manche mag seine neues Werk und die Pose des Protestlers langweilen, andere werden es mögen, weil das gelegentlich schiefe Geschrammel dennoch eine seltene Qualität hat: Authentizität.
-- Jochen Siemens
Young ist ein eigensinniger Sturkopf, ähnlich wie Dylan. Sobald man glaubt, ihn politisch verorten zu können, hat er sich schon wieder auf den Weg gemacht. Einst wütete er gegen Rassisten (Southern Man") und brutale Staatsmacht (Ohio"), später rockte er für erzkonservatve Farmer oder ließ sich mit Ronald Reagan ein; noch 2001 reagierte er auf die Septemberanschläge mit wüstem Patriotismus (Let's roll") - und jetzt schrieb er in nur zwei wütenden Wochen ein Anti-Bush-Album, umgesetzt mit sägender E-Gitarre, Chor, Trompete und Begleitern, die passabel so tun, als seien sie Crazy Horse. Don't need no more lies!" rotzt er der Regierung ins Gesicht, und der 100-köpfige Chor - quasi das amerikanische Volk - tut es ihm gleich. Youngs letzte Alben bilden eine Analogie zum Verfall von Bushs öffentlichem Ansehen seit 2001. Doch nichts wäre falscher, als Young Opportunismus zu unterstellen. Er sagt und bratzt, was er fühlt und denkt - wie immer. Dass sich Living with War" zurzeit mit der öffentlichen Meinung deckt, ist dem Sturkopf Young wahrscheinlich egal. Und eins zeigt sein Album sehr deutlich: Wut ist immer noch die feurigste Triebkraft für tollen Rock'n'Roll. (mw)
Produktbeschreibungen
Limited special offer : Urgent 2006 anti-war, anti-bush protest album from Neil, "A power trio with trumpet and 100 voices, a metal version of Phil Ochs..." features 'Shock & Awe' 'Flags of Freedom' & 'Let's Impeach the President'